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Cloud alltäglich

[shutterstock.com: 626514569, Krivosheev Vitaly]
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Cloud Computing ist kein Megastar mehr. Eine Studie von Bitkom Research im Auftrag von KPMG bringt ernüchternde Erkenntnisse. Cloud Computing ist ein wichtiges IT-Werkzeug, nicht weniger, aber auch nicht viel mehr.

Sowohl eine aktuelle Marktforschung von Bitkom Research als auch die auf Seite 21 präsentierte Untersuchung von Crisp Research kommen zu einem ähnlichen Schluss: Cloud Computing ist anerkannt und wird genutzt – aber aufgrund keiner Marktzahlen kann von einem Alleinstellungsmerkmal oder Hype gesprochen werden.

Naturgemäß ist es für das IT-Werkzeug „Cloud“ ein Erfolg, wenn Bitkom feststellt, dass vergangenes Jahr 66 Prozent der befragten Unternehmen auch Cloud Computing nutzten. Nur ein Jahr davor waren es aber auch schon 65 Prozent.

Aufgrund der Einfachheit, Transparenz und der niedrigen Kosten von Cloud Computing wäre die Frage zu beantworten: Warum nutzen nicht 99 Prozent die Rechenleistung aus der Wolke?

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Cloud Computing in Form der Angebote von AWS, Google und Microsoft lässt sich sehr einfach konsumieren und kostet nicht viel. Bevor ein Server bestellt und installiert wird, um Machine Learning für einen spezifischen Anwendungsfall zu evaluieren, ist der Weg ins Cloud Computing nicht nur schneller, sondern auch preiswerter und effizienter: Scheitert das Projekt, storniert man die virtuelle KI-Maschine in der Wolke; wird das Projekt zum Erfolg, kann man unmittelbar skalieren bei voller Kostenkontrolle.

Für viele Softwareentwicklungen, Evaluierungen und zeitlich begrenzte Aufgaben ist Cloud Computing die erste Wahl. Was die Umfrageergebnisse von Bitkom und Crisp auch widerspiegeln.

Etwa zwei Drittel der Unternehmen nutzen Cloud Computing. Das wird so bleiben. Vielleicht steigt der Wert evolutionär auf drei Viertel. Bei Großunternehmen liegt die Cloud-Nutzung jetzt schon bei 80 Prozent – aber auch viele andere „IT-Werkzeuge“ können mit ähnlich hoher Marktpräsenz aufzeigen: Virtualisierung, Microsoft Office, Ethernet, ERP-Software von SAP etc.

Diesem unspektakulären Cloud-Computing-Alltag kann man nun die jüngsten Marktdaten von Gartner über die weltweiten Server-Umsätze gegenüberstellen – und da sieht man, dass die aktuelle IT-Musik ganz woanders spielt: Die weltweiten Server-Umsätze stiegen im ersten Quartal dieses Jahres um 33 Prozent und die Auslieferung von Server-Hardware stieg um 17 Prozent.

Im Jahr 2017 beobachtete das IT-Research- und Beratungsunternehmen Gartner ein Wachstum des weltweiten Server-Markts. Dieses setzte sich nun auch im ersten Quartal 2018 weiter fort: Der Server-Markt wurde von Investitionen großer und mittelständischer Unternehmen in Hyperscale und Rechenzentren getrieben, sagt Gartner. Man beobachtet, dass zunehmend auf On-premise- und Colocation-Services sowie Public-Cloud-Lösungen gesetzt wird.

Die „Liebe“ zum eigenen Rechenzen­trum und die damit verbundene Nachfrage nach Server-Hardware haben vielleicht einen ganz trivialen Grund – wie in der Bitkom-Studie zu lesen ist: Die durchgehende Verfügbarkeit von Cloud-Diensten ist für die gewerblichen Kunden entscheidend.

In der Vergangenheit beklagten jedoch viele Unternehmen Ausfälle. Insgesamt konnten sieben von zehn Cloud-Anwendern kurzzeitig nicht auf ihre Cloud-Lösungen zugreifen. Am häufigsten waren technische Probleme aufseiten des Cloud-Providers (46 Prozent) dafür verantwortlich.

Bei etwa jedem vierten Unternehmen (23 Prozent) waren technische Probleme in der internen IT der Grund, bei jedem dritten Unternehmen (35 Prozent) eine fehlende Netzwerkanbindung. (Ende des Zitats)

Wahrscheinlich wird das eigene Rechenzentrum ebenso lange und erfolgreich bestehen bleiben wie Cloud Computing.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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