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Indirekte Nutzung: SAP stellte „einzigartiges“ Preismodell vor

[shutterstock.com: 1065015257, IIIerlok_Xolms]
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Geschrieben von E-3 Magazin

SAP will wissen, wie Dokumente in einer komplexen, heterogenen ERP/CRM-Landschaft entstehen, und diese dann entsprechend mit einer „indirekten“ Nutzungsgebühr, Lizenz, belegen. Die beiden SAP-Community-Vereine DSAG und IA4SP sind sich über diesen Weg noch nicht ganz einig.

Laut Eigenlob von SAP bietet der zusammen mit Anwendergruppen entwickelte Lizenz-Ansatz höhere Transparenz als das alte Nutzungsschema „indirekte Nutzung“ (SAP NetWeaver for Third Party Applications).

Während Andreas Oczko, DSAG-Vorstand für Operations, Service und Support, den Ansatz prinzipiell begrüßt, ist sein Kollege Frank Bayer, Vorstandsvorsitzender der International Association for SAP Partners (IA4SP), noch skeptisch, ob die neue Regelung auch zum Vorteil der SAP-Partner ist. Erste Evaluierungen deuten mehrheitlich auf eine Verschlechterung für Add-ons und Third-Party-Produkte hin.

Als Gerücht ist in der Szene zu hören, dass letztendlich SAP mit dem neuen Schema den CRM-Rivalen Salesforce treffen will und die SAP-Partner-Add-ons lediglich Kollateralschäden sind.

Der Weg der digitalen Transformation und die Umsetzung von SAP Leonardo werden aber ohne Lösung für eine technisch machbare und lizenzmäßig faire Vereinbarung nicht stattfinden.

„Durch die digitale Transformation muss jedes Unternehmen für sich klären, wie es seinen Kunden neuen Mehrwert schafft“

sagt auch Analyst Ray Wang von Constellation Research.

„Sobald Unternehmen ihre Geschäftsmodelle von Produkten hin zu Dienstleistungen, von Dienstleistungen hin zum Kundenerlebnis, vom Erlebnis hin zu messbaren Ergebnissen entwickeln, wirkt sich das auch auf Preismodelle aus.

Softwareanbieter bewegen sich nicht nur in Richtung outcome-orientierter Preise. Sie müssen auch Modelle finden, die einerseits bisherige IT-Investitionen schützen, es Kunden aber andererseits auch ermöglichen, fair und gerecht auf neue Geschäftsmodelle zu wechseln.“

SAP stellte somit im April dieses Jahres ein neues Vertriebs-, Audit- und Preismodell für die „indirekte Nutzung“ vor. Der neue Ansatz soll dafür sorgen, dass Bestandskunden ihre SAP-Lizenzen leichter und transparenter nutzen können.

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Das neue Preismodell für „indirekte Nutzung“ orientiert sich an der Erzeugung (Create) von Dokumenten: In beiden Fällen fallen Lizenzgebühren an (gelb), Abfragen/Updates (1) sind kostenfrei.

Das Modell unterscheidet zwischen direktem/menschlichem (Human Access) und indirektem/digitalem Anwenderzugriff (Digital Access) und schafft Regeln bei den Themen Lizenzierung, Nutzung und Compli­ance.

Direkter Zugriff erfolgt, wenn ein Nutzer auf den digitalen Kern von SAP über eine Schnittstelle zugreift, die mit oder als Teil der SAP-Software bereitgestellt wird. Indirekter Zugriff erfolgt, wenn Geräte, Bots oder automatisierte Systeme auf den digitalen Kern zugreifen.

Oder wenn Personen, Geräte oder Systeme den digitalen Kern indirekt über eine zwischengeschaltete Software eines anderen Anbieters nutzen (siehe Grafik) – wie es bei Salesforce der Fall wäre.

SAP rollt das neue Vertriebs-, Audit- und Preismodell seit April 2018 aus und wird in den kommenden Monaten weiteres Schulungsmaterial und Tools zur Verfügung stellen.

So können Kunden die neuen Lizenzbestimmungen leichter verstehen und das für sie passende Modell auswählen. Besonders eine Anpassung und Erweiterung der LAW (License Administration Workbench) scheint notwendig zu werden.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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