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SAP-Testturbo

Interview
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Geschrieben von E-3 Magazin

Tests in SAP-Umgebungen sind zeit- und kostenintensiv. Mit Robotic Test Automation (RTA) hat Basis Technologies einen Ansatz entwickelt, um den Aufwand zu reduzieren. DACH-Geschäftsführer Jörg Landwehr sprach im E-3 Exklusivinterview über das Potenzial für SAP-Bestandskunden.

Testmanagement ist für viele SAP-Anwender ein wichtiges Thema. Warum eigentlich und wo liegen die Herausforderungen?

Jörg Landwehr: SAP-System-Tests waren für den Geschäftsbetrieb schon immer wichtig, stehen jedoch heutzutage weitaus mehr im Fokus. Gründe dafür liegen im Innovations- und Konkurrenzdruck – man möchte effizienter arbeiten und die Kosten senken.

Hinzu kommen die stetig fortschreitende Fragmentierung der SAP-„Kernlandschaft“ mit ihrer steigenden Anzahl an externen Schnittstellen und Umstellungen auf die Cloud oder auf S/4 Hana.

All dies erschwert das Risikomanagement, wobei viele Tests immer noch manuell durchgeführt werden müssen. Regressionstests gewinnen stark an Bedeutung, da Änderungen schneller und öfter ausgeliefert werden müssen.

Also haben wir bei Basis Technologies als Experten für DevOps-Automatisierung für SAP gezielt daran gearbeitet, eine Lösung für dieses Problem zu schaffen.

Machine Learning und KI sind derzeit viel diskutierte Themen. Wie werden KI und ML zukünftig SAP-Regressionstests verändern?

Landwehr: Die Zukunft wird zeigen, dass dies der richtige Ansatz ist. KI und ML zeigen neue Wege auf, auch wenn diese Begriffe bislang stark skepsisbehaftet sind.

Bei SAP-Regressionstests besteht die größte Herausforderung darin zu entscheiden, was getestet werden soll, da es angeblich unmöglich ist, vollumfänglich zu testen.

Doch wir beweisen mit der Robotic Test Automation (RTA), dass ein allumfassender Gesamttest möglich ist. Diese Option ist heute bereits verfügbar. Und mit weiter fortschreitender technologischer Entwicklung werden wir definitiv auch wissen, wie KI und ML eingesetzt werden können, um unsere Lösungen noch leistungsfähiger und effizienter zu gestalten.

LandwehrMit Testimony haben Sie im Vorjahr ein Tool vorgestellt, das auf dem Prinzip Robotic Test Automation aufbaut. Könnten Sie uns beschreiben, worum es bei RTA geht?

Landwehr: Viele unserer Kunden und Partner waren der Meinung, dass Regressionstests teuer, langsam und riskant seien. Unser Produktteam ging diesem Problem auf den Grund und betrachtete die Fragestellung aus einem völlig neuen Blickwinkel – das Ergebnis ist RTA.

Entgegen der gängigen Meinung, Regressionstests seien nur für bestimmte Teile eines SAP-Systems geeignet, gingen wir davon aus, dass es möglich und durchführbar ist, das gesamte System zu ­jeder Zeit zu testen. Testimony basiert auf dieser Idee.

RTA schafft die Möglichkeit, mehr Teile des Regressionstests zu automatisieren als je zuvor – eine deutlich größere Testabdeckung in einer früheren Phase der Entwicklung wird somit garantiert.

Worin unterscheidet RTA sich zu traditionellen Ansätzen?

Landwehr: Regressionstests basieren seit jeher auf sogenannten „Test Scripts“; praktisch jeder Ansatz beruht auf Listen mit Testregeln, die definiert, erstellt und gepflegt werden müssen.

Testimony beseitigt diese Erschwernis, sodass die Schritte für Erstellung und Wartung der Scripts vollständig entfallen. Stattdessen wird die tatsächliche Nutzung des Systems analysiert; innerhalb weniger Stunden wird eine Regressionsbibliothek automatisch erstellt.

Diese wird dann genutzt, um Auswirkungen einer geplanten Änderung zu testen. Auch das zuweilen lästige Management der Testdaten entfällt. Ein revolutionärer Ansatz ist somit geschaffen, der schneller und kostengünstiger ist und den Geschäftsbetrieb weitaus weniger beeinträchtigt.

Inwieweit ergänzen sich agile Entwicklungsmethoden wie DevOps und Robotic Test Automation?

Landwehr: Beide Lösungen sind eng miteinander verbunden. Herkömmliche Regressionstests funktionierten bisher nicht bei kurzen Entwicklungszyklen.

Unternehmen mussten sich entscheiden, Änderungen verzögert auszuliefern oder den Testumfang zu reduzieren. Mit Testimony ist dies anders: Sie können sehr schnell ein ganzes System testen und müssen sich keine Gedanken mehr über die Gültigkeit oder Wartung der Scripts machen.

Die Lösung ist Teil der Shift-Left-Strategie, die für DevOps von zentraler Bedeutung ist. Dank der System-Virtualisierung von Tes­timony können Regressionstests auch ohne eine vollständig integrierte Testumgebung durchgeführt werden, sodass Fehler sehr viel früher erkannt werden können.

Die Kombination aus Testimony und unseren weiteren DevOps-Automatisierungslösungen wie ActiveControl bietet eine umfassende Plattform für die kontinuierliche Auslieferung von SAP-Software.

Welche Vorteile ergeben sich dabei für SAP-Bestandskunden?

Landwehr: Robotic Test Automation dient dazu, Änderungen sicherer zu machen, Verzögerungen zu vermeiden und Ressourcen zu schonen. RTA erhöht außerdem die Abdeckung und reduziert gleichzeitig testbedingte Kosten und System­unterbrechungen.

Umfangreiche Projekte werden so beschleunigt, die Testphase wird komprimiert und Änderungen können wöchentlich oder sogar täglich mit weitaus geringerem Risiko in die Produktion gegeben werden.

Unternehmen sind dank kontinuierlicher Tests deutlich flexibler, steigern ihre Wettbewerbsfähigkeit und erreichen ein stetiges Unternehmenswachstum.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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