Infrastruktur MAG 1806

Warum SAP on Azure?

[shutterstock.com: 774813367, jijomathaidesigners]
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Klassische Rechenzentrums- und Hosting-Anbieter müssen sich aktuell durch die Hyperscale-Cloud-Anbieter wie Microsoft und Amazon mit ihren Plattformen Azure und AWS einem neuen Wett-bewerbsumfeld stellen. Doch lässt sich daraus auch ein monetärer Vorteil erzielen?

Die Kunden fordern immer mehr Flexibilität zu immer geringeren Kosten bei gleichbleibender Innovation und Qualität. Der sich ständig aktualisierende Funktionsumfang der Cloud­anbieter gibt dem Kunden quasi über Nacht neue Möglichkeiten, die zumeist in der bestehenden Subscription inkludiert sind.

Eine globale Präsenz von Rechenzentrumskapazität und kontinuierliche Investition in neue Regionen und Länder garantieren höchste Flexibilität für Kunden.

Dieser Ansatz kann auch beim Einsatz von SAP-Produkten jeglicher Art genutzt werden, denn die Microsoft Azure Cloud ist unterdessen in 50 Regionen, inklusive Deutschland, vertreten.

Durch die Verlagerung von SAP-Workloads in die Microsoft Azure Cloud können nun monetäre Vorteile bei den Infrastruktur- und Betriebskosten erreicht werden. In der Diskussion um die Rentabilität einer Azure-­Cloud-Nutzung sind die resultierenden Kostenersparnisse allerdings schon lange nicht mehr zentraler Gegenstand, wenn es um das Schlagwort SAP on Azure geht.

Vielmehr geht es darum, sich hierdurch die Möglichkeit zu erschließen, die gesamte SAP-Infrastruktur mit einer maßgeblichen Steigerung an Flexibilität und Skalierbarkeit abbilden zu können.

Neben der Verlagerung von On-premises-Workloads in die Cloud partizipiert der Kunden von den Plattform-Möglichkeiten (PaaS) einer Azure Cloud wie beispielsweise BigData Analytics, AI und Maschine Learning, HPC, Office365 oder MS-SQL.

Eine Steigerung der Produktivität einer cloudbasierten SAP-Infrastruktur resultiert aus der Möglichkeit, diese den Ansprüchen entsprechend skalieren zu lassen. Somit bietet sich insbesondere beim Deployment von SAP-Applikationen in der Azure Cloud der Vorteil, die hierfür benötigten Ressourcen agil zur Verfügung zu stellen.

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Das bedeutet, dass im Szenario einer Höchstlast die Computing-Ressourcen an den Anforderungen gemessen entsprechend hochskaliert und in Ruhephasen einfach wieder herunterskaliert werden können.

Wo bei einem klassischen On-premise-Hosting das Sizing der IT-Ressourcen großzügig für den Fall einer Höchstlast gewählt werden musste, wird in der Azure Cloud stets nur der tatsächlich benötigte Anteil der Cloud-Ressourcen genutzt und in Rechnung gestellt.

Diese Flexibilität kann speziell im SAP-Umfeld von Vorteil sein, wenn es da­rum geht, eine 3-System-Landschaft mit einem Development-, Quality- und Produktiv-System anforderungsgerecht zu verwalten.

So kann es beispielsweise eine rentable Lösung sein, diverse Development-Systeme nur dann in Betrieb zu nehmen und auf der Rechnung geltend zu machen, wenn diese auch tatsächlich genutzt werden, und das Pay-As-You-Go-Prinzip zu nutzen.

Beim Einsatz von geschäftskritischen Applikationen gilt es stets zu klären, wie diese garantiert mit einer maximalen Verfügbarkeit betrieben werden können. In Microsoft Azure lautet die Antwort: Availability-Zones.

Eine Availability-Zone beschreibt dabei eine komplett isolierte Location innerhalb einer Azure-Region, welche sich durch eine redundante Versorgung von Strom, Kühlung und Netzwerken auszeichnet.

Folglich können SAP-Applikationen im Desaster-Fall umgehend in einer Location innerhalb einer definierten Availability-Zone neu gestartet werden, um somit eine Hochverfügbarkeit zu garantieren.

Durch die ständige Weiterentwicklung der Cloud Services in der Microsoft-Azure-­Umgebung profitiert der Kunde von neuesten Technologien und hat dadurch eine Investitionssicherheit und muss sich keine Gedanken um auslaufende Hardware machen.

Getrieben durch sich verändernde Softwareanforderung durch z. B. die neue Hana-In-memory-Datenbank und das massive Wachstum an Daten muss sich die interne IT-Infrastruktur immer kürzeren Innovationszyklen stellen.

Wo früher die Hardware-Infrastruktur fünf bis sieben Jahre verwendet werden konnte, muss man heute mit im Durchschnitt drei Jahren rechnen.

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Gemeinsam zum Ziel

Im Dezember des vergangenen Jahres haben Microsoft und SAP ihre gemeinsame Cloud-Strategie vorgestellt. Dabei gab Microsoft an, dass für ihre internen Finanzprozesse SAP S/4 Hana in Azure implementiert wird. SAP wird darüber hinaus geschäftskritische Systeme in die Azure Cloud migrieren.

Auch die SAP Hana Enterprise Cloud (HEC) wird zukünftig auf Azure bereitgestellt. Gemeinsam werden SAP und Microsoft andere Unternehmen dabei unterstützen, das Maximum aus den laufenden SAP-Anwendungen in der Cloud zu machen.

Zertifizierte Lösungen

Auch wenn die ersten Schritte mit SAP on Azure üblicherweise SAP-Test- und Entwicklungsumgebungen beinhalten, lohnt der Blick auf die Verfügbarkeit zertifizierter Lösungen hinsichtlich Produktivumgebungen mit dem entsprechenden Supportlevel.

SAP Business Suite/SAP NetWeaver: Für die SAP Business Suite/SAP NetWeaver stehen verschiedene virtuelle Maschinen zur Verfügung, welche mit Windows sowie Suse Linux Enterprise Server und Red Hat Enterprise Linux ausgeführt werden können.

Branchenführende SLAs für virtuelle Maschinen mit einer Verfügbarkeit von 99,9 Prozent für eine einzelne VM und einer Verfügbarkeit von 99,95 Prozent für VMs in einer Verfügbarkeitsgruppe bieten auch für geschäftskritische Anwendungen eine optimale Basis.

Hana: Virtuelle Computer der M-Serie, optimiert für SAP Hana, bieten die Möglichkeit der Skalierung auf bis zu 128 virtuellen CPUs und 3,8 Tebibytes (TiB) RAM.

Zudem gibt es die Option, mit sogenannten „SAP Hana Large Instances“ eine Skalierung für einen einzelnen Knoten auf 20 TiB und bei der horizontalen Skalierung multipler Knoten auf bis zu 60 TiB zu erreichen. Betreibt man diese Instanzen in einem Hochverfügbarkeitspaar, wird ein SLA von 99,99 Prozent garantiert.

S/4 Hana und SAP BW/4 Hana: Sowohl SAP-S/4-Hana-Greenfield-Implementierungen als auch Migrationen von SAP Busi­ness Suite zu SAP S/4 Hana können mit Microsoft Azure realisiert werden. Für den Aufbau dieser Lösung kann ebenfalls zwischen zertifizierten, virtuellen Maschinen (z. B. GS5) oder Hana Large Instances gewählt werden. Als Betriebssysteme dienen hierbei ebenfalls wieder SLES oder RHEL.

Hybris/Business One: Größtmögliche Flexibilität können bei SAP-Hybris- und SAP-Business-One-Lösungen dadurch erreicht werden, dass eine bedarfsgesteuerte VM-Infrastruktur von Azure die Anzahl der aktuell benötigten VMs in Minutenschnelle aufstocken kann. Über die Automatisierung beim Bereitstellen oder He­runterfahren der VMs können kostenef­fiziente Business-Modelle abgebildet ­werden.

Security, Compliance und Datenschutz

Neben der reinen Funktionalität, Skalierbarkeit und Readyness für SAP-Anwendungen bietet die Microsoft-Azure-Plattform mit seinem Trust-Center eine Fülle von Zertifikaten, Auditierungen und Compliance. Für nahezu jede Branchenanforderung sind die Produkte bereit und es können umfangreiche Reports und Zertifikate zur Verfügung gestellt werden.

Microsoft verfügt über umfassende Erfahrung beim Datenschutz und bei der Wahrung der Privatsphäre und hat sich der Einhaltung des EU-US Privacy Shield und der EU-Standardvertragsklauseln verpflichtet.

Über den Autor

Robert Müller, Scheer

Robert Müller ist Head of Managed Services und Mitglied der Geschäftsführung von Scheer.

Über den Autor

Henrik Schaffhauser

Henrik Schaffhauser ist Microsoft Azure Infrastructure Consultant bei Scheer.

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