Die Meinung der SAP-Community MAG 1805 Satire: Das Letzte

Digitale Transformation

Das-Letzte-Satire

Hasso Plattner will seine Bestandskunden in das Zeitalter der digitalen Transformation führen. Die Vorstellungen, was innovativ und was digital ist, gehen auseinander.

SAP versucht mit S/4 die Abap-Vergangenheit hinter sich zu lassen, aber ERP/ECC 6.0 auch in Form der Business Suite 7 ist eine schwere Last. Die europäischen SAP-Bestandskunden haben viel in R/2, R/3 und die Business Suite investiert.

Es entstanden innovative Geschäftsprozesse auf Basis des NetWeaver und ECC. Versehen mit Abap-Modifikationen und Add-ons als Z-Funktionen sind viele Anwender mit ihrem SAP’schen ERP und einer Datenbank von Oracle, IBM oder Microsoft zufrieden.

Wahrscheinlich reicht es aber nicht für die digitale Transformation. SAP hat die Zeichen der Zeit richtig erkannt, aber falsch gedeutet. Die SAP Business Suite 7 mit ein wenig Simple Finance und Simple Logistics sowie ein paar Leonardo-Innovationen und etwas Design Thinking abzulösen und obsolet zu machen ist ein zu billiger Trick.

Der „Releasewechsel“ wird kein einfacher sein: Die alten Abap-Tabellen aus der Business Suite mit Hana zu verschlanken ist gut gemeint, aber viel zu wenig. Da hilft auch nicht der Zuckerguss „Leonardo“.

Die alten Probleme auf die leichte Schulter nehmen und einfach weiterfahren wie bisher ist keine Antwort auf die digitale Transformation. Selbst mit neuem Fiori-­Design sitzen die meisten SAP-Bestandskunden noch in den alten Geschäftsprozessen.

Diese Kombination aus tradiertem ERP-Wissen auf Basis der schnellen Datenbank Hana und dem Buzzword S/4 wird die SAP-Bestandskunden der digitalen Transformation nicht näher bringen.

Wenn nicht SAP, wer dann?

SAP hat mit R/2, R/3 und ERP/ECC 6.0 Großartiges geleistet. Nicht umsonst ist der Software-­Konzern aus Walldorf der ERP-Weltmarktführer. Die ERP-Kernmodule sind über jeden Zweifel erhaben und auch von dem neuen Simple Finance aus der S/4-Kollektion hört man viel Gutes.

Aber digitale Transformation geht anders: Die Altlasten auf eine neue Plattform zu heben und damit Richtung Zukunft zu rasen ist zu wenig. Der Hana-Geschwindigkeitsrausch des Ex-SAP-Technikvorstands Vishal Sikka wird kein einziges Transformationsproblem lösen.

Digitale Transformation ist eine unternehmerische Herausforderung, die weit über ERP hinausgeht. Auch das hat SAP erkannt, aber hier fehlt es SAP an Wissen und Tradition.

Die vielen Bausteine einer digitalen Transformation können andere IT-Anbieter viel besser. Man möchte SAP zurufen: „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“

Leichtfertig verspielt SAP seine ERP-Kernkompetenz und verzettelt sich: SAP hat kein Alleinstellungsmerkmal bei Cloud, Blockchain, KI und IoT. Andere Unternehmen sind auf diesem Weg schon länger unterwegs, haben damit mehr Erfahrung und Wissen.

Und manche SAP-Bestandskunden investieren in KI mehr Ressourcen als SAP selbst. Hier wird SAP eine Niederlage erleiden und die digitale Transformation wird auf der Strecke bleiben.

Hasso Plattner sitzt am Steuer und die Richtung stimmt, aber die allermeisten Themen der digitalen Transformation sind in der Hand anderer IT-Anbieter.

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Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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