Die Meinung der SAP-Community Lizenz-Transformation MAG 1805

Developer-Lizenzstrategien für und gegen Hana

Lizenz Trans

SAP ist sich ihrer „Lizenz-Schuld“ bewusst und versucht ohne Gesichtsverlust zaghaftes Reparaturdienstverhalten. Aber SAP-Chef Bill McDermott hat zu viele Baustellen für schnelle Antworten. Eine nächste Eskalation droht rund um einen möglichen „Native Hana Developer“.

Teil 1 –  Stefan Autengruber

Wagen wir den Blick in die Zukunft. Wie entwickelt sich der Developer User in S/4 Hana? Was auffällt, ist, dass es keinen User mehr gibt, sondern die Bezeichnung „Developer Access“ – also der Zutritt zur Entwicklungstätigkeit.

Wer SAP kennt, weiß, dass „Grauzonen“ zuerst in den Preislisten niedergeschrieben werden und erst später exekutiert werden: Der Developer Access als „zusätzliche Lizenzkomponente zur Entwicklung der Software“ deckt noch lange nicht alle Entwicklungstätigkeiten ab:

Es gibt jetzt eine Development Cloud und wer darin entwickeln will, benötigt eine Web-IDE-Lizenz (Integrated Development Environment). Aktuell verrechnet SAP nur die IDE-Lizenz, aber rechtlich gesehen ist man auch berechtigt, den Developer Access nachzuberechnen.

Das exekutiert SAP noch nicht, sondern vielleicht erst in ein paar Jahren, nach eigenem Gutdünken. Die Kreativität von SAP war immer schon vorhanden, wenn es um die Interpretation von Lizenzrechten geht.

Es gab einst NetWeaver Developer für NetWeaver, es gab Mobile Developer für Mobile und es gab auch irgendwann die Regelung, dass man zumindest einen „Developer“ pro Vertrag benötigte, und manchmal sogar die Aussage, dass dies pro Installation notwendig sei.

Regelungen, in denen sich nur der wahre Lizenzexperte auskennt und rechtssichernden Rat geben kann. Es nützen auch nicht anwaltliche Analysen, die das Urheberrecht zugrunde legen.

Die Rechtslage ist sicher und eindeutig: Es hängt alleinig vom Preislisten- und AGB-Know-how der vergangenen 18 Jahre ab. Zurück zur Zukunft: Neben dem Web-IDE-Zugang ist die Entwicklung in Native Hana streng verboten. Es darf nur außerhalb der Schnittstellen entwickelt werden.

Dass dies nicht funktioniert, ist jedem klar und SAP will es nicht hören und duldet es manchmal stillschweigend. Ein Recht entsteht dadurch aber nicht!

Wenn man das SAP Pricing (PKL) so lange kennt, wie ich es kenne, dann sollte man sich darauf vorbereiten, dass SAP einen neuen Usertyp für „Native Hana Development“ vorsehen wird, der wahrscheinlich preislich höher ausfällt als bisherige Developer.

Darum der Rat: Bestehen Sie darauf, dass bei Hana-DB- und S/4-Hana-Vertragsabschlüssen der Developer Access den bisherigen Developer-Usern kostenfrei gewährt wird. Ihr SAP-Verkäufer will das nicht hören. Das Legal und Contracting Team dahinter weiß aber, dass es so ist und so sein muss.

https://e-3.de/partners/license-ethics/


Teil 2 – Peter M. Färbinger

In der jüngsten SAP-Presseerklärung zu den neuen Konditionen in der PKL und zur indirekten Nutzung findet sich auch folgender Textabschnitt als „Angebot“ und „Wiedergutmachung“ an die SAP-Bestandskunden:

[…] SAP führt außerdem neue Regeln bei Organisation und Governance ein, die eine strikte Trennung zwischen Vertriebsorganisation und -prozessen und der Auditorganisation und deren Prozessen vorsehen.

Bis heute kommt es immer wieder zu Differenzen zwischen Kunden und SAP, wie ältere Vertragswerke hinsichtlich der neuen digitalen Anforderungen zu interpretieren sind.

[…] Die organisatorischen Änderungen auf SAP-Seite erlauben nun die Trennung dieser Sachverhalte und ermöglichen unabhängige Diskussionen. Das erleichtert Kunden und Mitarbeitern aus dem SAP-Vertrieb die Zusammenarbeit.

(Ende des Zitats aus der SAP-Meldung von Global Communications am 10. April 2018)

Zwischen den Zeilen lässt sich also sehr genau der Konflikt zwischen dem SAP-Vertrieb, der eine Quote erfüllen muss, und dem SAP’schen Legal und Contracting Team herauslesen, das auch für Rechtssicherheit sorgen will.

Ob die administrative und organisatorische Trennung wirklich zum Vorteil der Bestandskunden ist, muss sich noch beweisen. Letztendlich will man ein konsolidiertes Lizenzsystem mit SAP und nicht mit unterschiedlichen Abteilungen.

Ein Schelm, wer bei dieser SAP-Diversifikation Böses denkt. Aber es sind wieder einmal die vielen Ziele, die der ehrgeizige SAP-Chef Bill McDermott alle gleichzeitig erreichen will:

On-premise und Cloud Computing; maximale Lizenzkosten für indirekte Nutzung und digitale Transformation mit IoT-Sensoren, die direkt ans ERP ihre Daten übertragen sollen; alle SAP-Bestandskunden müssen auf die neue Hana-Plattform und sollen neue Developer-Lizenzen bezahlen.

Die Liste der Forderungen und Widersprüche von Bill McDermott ließe sich beliebig fortsetzen. Tatsache bleibt: Wenn SAP bis 2020 ihre Preis- und Konditionenliste (PKL) nicht für die digitale Transformation konsolidiert hat, dann wird auch nichts aus dem S/4-Releasewechsel bis 2030.

Und in Walldorf wird bereits hinter verschlossenen Türen das Horrorszenario diskutiert:

Was, wenn die Bestandskunden IoT, Blockchain, Machine Learning, Mobile Computing etc. mit anderen IT-Partnern realisieren und SAP auf die alte ERP-Rolle reduzieren – ganz ohne Developer und indirekte Nutzung?

Über den Autor

Stefan Autengruber, License Ethics

CEO der License Ethics GmbH

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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