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Blockchain: ERP-Kettenbriefe

[shutterstock.com: 504711919, Zeeker2526]
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Blockchain kann als verteilte Datenbank verstanden werden, die aufgrund einer gewissen lokalen Unabhängigkeit sicher gegen Manipulation und Datenverlust sein kann. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Das Potenzial ist groß. Aber die SAP-Community steht erst am Beginn dieser Entwicklung.

Kaum eine Technik hat in den vergangenen Jahren für so große Aufmerksamkeit gesorgt wie Blockchain. Ausgehend vom Höhenflug der Kryptowährungen prüfen immer mehr Branchen abseits der Finanzindustrie die Einsatzmöglichkeiten dieser hoch verschlüsselten und damit sehr sicheren, verteilten Datenbanktechnik.

Das Thema beschäftigt CxOs: In einer IBM-Studie aus dem vergangenen Jahr gab ein Drittel der fast 3000 befragten Topmanager an, Blockchain in ihrem Unternehmen entweder bereits zu nutzen oder dies in Betracht zu ziehen.

Acht von zehn CxOs, die in Blockchain investieren, möchten damit finanztechnischen Veränderungen in ihrer Branche begegnen oder neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Einige der befragten CxOs sehen in Blockchain neue Transaktionsmöglichkeiten, um mehr Vertrauen, Transparenz und Nachvollziehbarkeit innerhalb von Partner-Netzwerken zu erlangen.

„Mit Blockchain wird es möglich, dass alle Beteiligten zur selben Zeit den gleichen Vorgang im Blick haben. Aus dieser neuen Art der vertrauenswürdigen Transaktion entstehen neue Geschäftsmodelle, Prozesse und Plattformen, bei denen alle Teilnehmer eines Ökosystems verbunden werden können, um neue Geschäftswerte zu schaffen“

sagt Brigid McDermott, IBM Vice President for Blockchain Business Development.

Logistik, Energie etc.

Blockchain ist ein über viele Knoten eines Netzwerks, wie das Internet, verteiltes Datenbanksystem, das durch starke Kryptographie vor Manipulationen sowohl durch die Verteilung als auch die Verschlüsselung geschützt ist.

Das „Netzwerk“, in dem die Daten verkettet und verschlüsselt vorliegen, hat noch einen weiteren Vorteil: Eine Datentransaktion kann ohne Mittler erfolgen – zudem noch fälschungssicher!

Blockchain könnte die Art und Weise radikal verändern, wie Marktteilnehmer in verschiedenen Branchen miteinander Transaktionen abwickeln – und damit auch ganze Industriezweige umkrempeln.

Ob in den Bereichen Logistik und Produktion oder im Energiesektor, zahlreiche Unternehmen erproben Einsatzmöglichkeiten. Vom direkten Stromhandel zwischen Nachbarn bis hin zur transparent nachvollziehbaren Supply Chain.

Die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie bieten eine ideale Grundlage für große Netzwerke mit vielen verschiedenen Partnern. Sie funktionieren dabei ähnlich wie ein gemeinsames Kassenbuch (Shared Ledger) und ermöglichen gemeinsame, unveränderbare Aufzeichnungen aller Transaktionen, die innerhalb dieses Netzwerks stattfinden.

Zudem gestatten sie den jeweils berechtigten Partnern den Zugriff auf die vertrauenswürdigen Daten in Echtzeit. Mit der Nutzung dieser Technologie kann ein völlig neues System von Anweisungen und Zustimmungen in den Informationsfluss eingeführt werden.

Transaktionsregister für IoT & Supply Chain

Mittlerweile gibt es auch eine SAP-Leonardo-Initiative rund um Blockchain. Ziel dieser Initiative ist es, ein digitales Transaktionsregister mithilfe des SAP Cloud Platform „Blockchain Service“ in Lösungen für IoT, Fertigung und die digitale Logistikkette zu integrieren.

„Unsere Kunden und Partner möchten mit uns zusammenarbeiten und auf Blockchain als dezentrales Transaktionsregister setzen, um Zusammenarbeit und Transparenz zu verbessern“

sagte Tanja Rückert, President IoT und Digital Supply Chain bei SAP, vergangenes Jahr.

„Wir wollen mit weltweit führenden Unternehmen gemeinsame Innovationen entwickeln. Ziel ist eine Zukunft, in der Blockchain ein fester Bestandteil der digitalen Wertschöpfungskette ist.“

„Die Deutsche Telekom sieht im Telekommunikationsgeschäft großes Potenzial für die Blockchain-Technologie“

sagt Hartmut Mueller, Senior Vice President, Leiter von Business Solutions bei der Deutschen Telekom IT.

„Unsere Zusammenarbeit mit SAP wird die Digitalisierung beschleunigen – zum Vorteil unserer Kunden.“

Das SAP Leonardo Blockchain Co-Innovation Program ermöglicht es SAP-Kunden und -Partnern, Anwendungen kennenzulernen, mit denen verschiedene Ereignisse in einer Blockchain erfasst werden können – von der Konzeption und Entwicklung von Produkten bis zur Fertigung und Logistik für die Produktverfolgung.

Das Programm befasst sich auch mit der Serialisierung von Teilen, der Auftragsprüfung für das Bestandsmanagement sowie der Produktherkunft und -echtheit.

SAP prüft auch Szenarien für die digitale Logistikkette, bei denen unterschiedliche Lieferanten Angebote direkt in einer Blockchain hinterlegen, um die Effizienz in ihren Geschäftsnetzwerken zu verbessern.

Damit ist offensichtlich, dass das Thema Blockchain weit über die Ansprüche und Anforderungen der SAP-Community hinausreicht. Eine umfassende und ganzheitliche Sichtweise auf die neuen „ERP-Kettenbriefe“ wird es in der Pilotausgabe des leonardo.report zum DSAG-Jahreskongress geben und ab 2019 quartalsweise als Magazin sowie auf www.leonardo.report.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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