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Big Data Intelligence – der Weg ist das Ziel

[shutterstock.com: 242870629, retrorocket]
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Die Bedeutung von Big Data Intelligence/Analytics muss nicht mehr argumentiert werden. Aber leider findet sich aktuell für SAP-Bestandskunden kein stringenter Weg zum Ziel.

Die ganze SAP’sche Chaostheorie wird durch das Produkt Lumira deutlich: Einst als Public Domain für den kostenfreien Einsatz eingeführt, dann in einer professionellen Version wurde Lumira lizenzpflichtig bis zu dem Zeitpunkt, als SAP gegen die Bedenken des Anwendervereins DSAG und den Protest vieler Bestandskunden das Produkt abkündigte.

Noch Ende vergangenen Jahres hieß es: Lumira 2.0 unterstützt die Hybrid-BI-Strategie von SAP und bietet neue Interoperabilitätsszenarien für die Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und IT.

Lumira war die Datenanalyse- und -visualisierungssoftware von SAP und ermöglichte es IT-Abteilungen und Entwicklern, hochskalierbare Business-Intelligence-Anwendungen zu kreieren.

Die nun abgekündigte Version überzeugte durch die Zusammenführung von Lumira und BusinessObjects Design Studio in einer Lösung sowie durch verbesserte Benutzerfreundlichkeit und optimierte Unterstützung der Lösungen SAP Business Warehouse.

Lumira ermöglichte Anwendern, sowohl Cloud- als auch On-premise-Daten zu analysieren. Und die Anwender waren im Herbst vergangenen Jahres begeistert:

„Die neu gestaltete Benutzeroberfläche ist großartig“

betonte Jason Shearer, Lead Data Scientist bei L3 Technologies.

„Mich begeistert die Möglichkeit, Daten aus unterschiedlichen Quellen zu kombinieren. So sind meine Geschäftsanwender in der Lage, Prototypen im Handumdrehen zu erstellen.“

Analytics Cloud & Hub

Technikvorstand Bernd Leukert hatte trotz breit angelegter Leonardo-Strategie und der positiven Resonanz auf Lumira 2.0 kein Erbarmen mit der SAP-Community. Lumira muss sterben!

Es galt zum Jahreswechsel, die BI-Prioritäten neu zu setzen und die Leonardo-Strategie zu schärfen. Die neue SAP’sche BI-Strategie lässt sich in der Cloud und in hybriden Systemumgebungen betreiben. Sie ist Teil des digitalen Innovationssystems SAP Leonardo, das Kunden einen besseren Einblick in ihre betrieblichen Aktivitäten ermöglichen soll.

SAP Analytics Cloud und Hub bietet Bestandskunden einige der wichtigsten Analysefunktionen. Sie sollen damit in der Lage sein, Daten zu analysieren und zu visualisieren sowie Planungen und Prognosen zu erstellen – all dies in einer integrierten, cloudbasierten Analyselösung, die auf der SAP Cloud Platform läuft.

Zu den Neuerungen gehören: schneller Datenzugriff auf die Anwendungen Business Warehouse und S/4, die hybride Datenszenarien unterstützen und erlauben, dass Daten in lokalen Systemen bleiben; erweiterte intelligente Datenanalyse und -aufbereitung, die Funktionen für maschinelles Lernen (ML) umfassen und Daten simulieren, um verborgene Informationen hervorzuholen und Geschäftsanwender mit Empfehlungen zu unterstützen; sowie Planungserweiterungen für Massendatenerfassung, Währungsumrechnung und Auflösungen in Business Planning and Consolidation.

„Mit SAP Analytics Hub können wir Business Intelligence und Analyselösungen im gesamten Unternehmen schneller einführen und ausbauen“

sagte Rob Roemers, Manager des Bereichs Business Intelligence Solutions bei der STIB-MIVB.

„Wir profitieren erneut von unseren jahrelangen Investitionen in Business Intelligence – durch einfachen Zugriff auf Informationen, von denen viele Anwender bisher nicht wussten, dass sie verfügbar sind.“

PAL & ML

Die Möglichkeiten der neuen SAP-Strategie „Analytics Cloud und Hub“ sind gewünscht und sinnvoll. Aber das Handeln der SAP zeigt keine Strategie.

Viele Funktionen waren davor schon mit Hana PAL (Predictive Analysis Library) oder dem erwähnten Programm Lumira möglich. Machine und Deep Learning wird mithilfe des Systemlieferanten Nvidia realisiert, weil Hana dafür niemals vorgesehen war.

Was aber Hana sehr gut kann, ist, parallel zu einer tabellenorientierten SQL-Datenbank eine Graph-Datenbank bereitzustellen, die auf der Graphentheorie beruht und damit in bestimmtem Anwendungsfällen signifikante Vorteile gegenüber SQL hat.

Die Pilotausgabe des leonardo.report wird sich ab Oktober dieses Jahres und ab 2019 quartalsweise als Magazin sowie fortlaufend unter www.leonardo.report der Themen PAL, Graph-Engine, Machine/Deep Learning und natürlich Predictive Analytics inklusive Big Data annehmen.

SAP bietet Funktionen für verschiedene Branchen und Geschäftsfelder mit der Integration von Leonardo Machine Learning und Prognosefunktionen für Echtzeiteinblicke in den jeweiligen Geschäftskontext, aber noch ergibt sich im Leonardo-Universum keine Strategie.

Es ist ein Sammelsurium an Möglichkeiten ohne Richtung und Ziel. Natürlich stimmt folgende Aussage:

„Mit der neuen S/4-Version stellen wir sicher, dass unseren Kunden die Innovationen zur Verfügung stehen, die sie zur erfolgreichen Umsetzung ihrer digitalen Geschäftsstrategie benötigen“

erklärte Uwe Grigoleit, S/4-Hana-Go-to-Market General Manager and Senior Vice President bei SAP.

„Sie bietet Erweiterungen, mit denen Unternehmen so einfach wie nie zuvor von Einblicken in Echtzeitabläufe profitieren können. Möglich ist dies, da die neuen intelligenten Anwendungen SAP Leonardo Machine Learning und Predictive Analytics nutzen und direkt in den digitalen Kern eingebunden sind.“

Aber auch schon Hana Predictive Analysis Library (PAL) war vor zwei Jahren direkt in den Datenbank-Kern eingebunden. Es gibt weit über 300 PAL-Befehlsaufrufe für komplexe und höhere Statistik, mit denen die allermeisten Predictive-Analytics-Funktionen realisiert werden können. Man muss nicht immer das Rad neu erfinden und dafür neue Namen kreieren.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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