CFO - Kolumne Die Meinung der SAP-Community MAG 1804

Und wo bleibt die menschliche Intelligenz im CFO-Bereich?

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Geschrieben von Dr. Christoph Ernst, SAP

Alle reden von KI. Doch wo bleiben die Menschen? Ich bin überzeugt: Menschliche Kreativität, Entscheidungsfähigkeit, Intuition und Erfahrung haben einen festen Platz im Finanzbereich von morgen – vielleicht sogar mehr denn je.

Maschinelles Lernen wird eines Tages in fast allen Branchen und Abteilungen Anwendung finden. Was die geschäftlichen Vorteile betrifft, gibt es bei ML mehr als nur Geld zu sparen:

Es ermöglicht dem CFO, Vorhersagen über Märkte, Kundenverhalten und Zahlungsausfälle zu treffen; es verbessert die Buchhaltungsprozesse eines Unternehmens erheblich und ermöglicht einen vollständig digitalisierten Ablauf – von der Erfassung der Buchung bis zum Geschäftsbericht. Darüber hinaus kann maschinelles Lernen auch dazu beitragen, einige der dringlichsten Fragestellungen im Forecasting und der Szenarien-Modellierung anzugehen.

Dennoch lösen wenige andere Technologien ähnlich hitzige Debatten aus: Denn es gibt Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf ML.

  • Welche Auswirkungen hat maschinelles Lernen auf die Finanzfunktion?
  • Wie können wir den Datenschutz gewährleisten und die menschliche Kontrolle über maschinelle Entscheidungsprozesse aufrechterhalten?
  • Werden Maschinen bald der menschlichen Intelligenz entsprechen oder sie sogar übertreffen?

Ich denke: Die Menschen werden auch in Zukunft die wichtigste Rolle spielen im Finanzbereich, aber diese Rolle wird sich ändern. Das Ziel sollte sein, dass sich Mensch und Maschine am Arbeitsplatz mit Maschinen zur Unterstützung der menschlichen Arbeit ergänzen.

Die Zukunft der Arbeit wird davon beeinflusst, inwieweit maschinelles Lernen die verschiedenen Facetten eines Unternehmens berührt. Es gilt als ausgemacht, dass maschinelles Lernen in vielen Bereichen Potenzial für die Automatisierung von Arbeitsplätzen eröffnet.

Die Experten sind sich jedoch nicht einig darüber, welche Arbeitsplätze von der Automatisierung betroffen sein werden und wie groß diese Auswirkungen sein werden. Sind es „nur“ die Tätigkeiten in den Global Business Service Centers – oder auch die Zentralfunktionen der Steuerung im Treasury und dem Konzerncontrolling?

Aber auch maschinelles Lernen schafft Arbeitsplätze – nicht zuletzt, weil wir Spezialisten brauchen, um ML-Systeme zu entwickeln und angepasst auf die Kernprozesse im Finanzwesen zu betreiben. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass menschliche Originalität, Kreativität und Innovation mehr denn je gefragt sind, was bedeutet, dass wir völlig neue Arbeitsplätze schaffen werden: auf der Basis neuer intelligenter Anwendungen.

Es ist schwer vorherzusagen, wie die genauen Auswirkungen aussehen werden, aber KI wird wahrscheinlich eher evolutionär als revolutionär sein. Wir haben die Zügel in der Hand und wir können aktiv mitgestalten, was automatisiert ist und in welchem Umfang. Letztendlich ist es unser Ziel, das menschliche Potenzial durch Technologie zu erhöhen und nicht zu behindern.

KI ist immer noch weit davon entfernt, so facettenreich zu sein wie der Mensch – und wird vielleicht niemals diese Stufe erreichen. Die Zukunft der Arbeit wird in erster Linie durch die Interaktion zwischen Mensch und Maschine bestimmt.

Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Menschen KI verwenden, um ihre eigenen Fähigkeiten zu ergänzen und zu verbessern, anstatt zu versuchen, mit ihr zu konkurrieren.

Über den Autor

Dr. Christoph Ernst, SAP

Dr. Christoph Ernst ist Senior Director Finance Solutions bei SAP

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