Die Meinung der SAP-Community Lünendonk - Kolumne MAG 1803

Auch Beratungs- und IT-Dienstleister brauchen eine digitale Transformation

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Während sich Anbietervertreter oft über die geringen Fortschritte ihrer Kunden bei der Digitalisierung auslassen, vergessen sie oft, vor der eigenen Haustür zu kehren. Die Digitalisierung ist nicht nur eine notwendige Herausforderung für die Anwender, sondern auch für die Anbieter von IT-Services selbst.

Auch auf die IT-Dienstleister wirkt eine Reihe an großen Veränderungen: Kunden erwarten in Ausschreibungen immer öfter ein breites Portfolio aus Beratungs- und IT-Implementierungsleistungen.

Geht es um Projekte zur Digitalisierung der Kundenschnittstelle, kommen zunehmend Kreativ- und Digitalagenturkompetenzen hinzu. Gerade Großunternehmen bündeln immer mehr Teilprojekte zu Auftragspaketen und beziehen alle Leistungen aus einer Hand (End-to-End).

Damit soll vor allem die Komplexität in der Projektsteuerung minimiert werden. Dienstleister müssen in der Lage sein, digitale Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und bereits konkrete Prototypen den Kunden zeigen zu können.

Diese stellt hohe Anforderungen an die eigene Innovationsfähigkeit. Da immer mehr Kunden ihre Projekte mit agilen Methoden umsetzen möchten, müssen auch die Dienstleister ihre Berater entsprechend schulen und intern bereichsübergreifendes Zusammenarbeiten ermöglichen.

Im IT-Outsourcingmarkt haben sich Anbieter wie AWS, Microsoft und zunehmend Google mit Infrastruktur-Leistungen aus der Public Cloud positioniert. Das heißt für Systemhäuser und IT-Outsourcingprovider eine teilweise Disruption ihres klassischen Geschäftsmodells.

Infolge der Cloud-First-Strategien der großen Technologiekonzerne und immer mehr Kunden sind IT-Beratungen zunehmend gefordert, fach- und branchenspezifische Lösungen auf Basis von Cloud-Technolo­gien anzubieten.

Dadurch werden klassische Implementierungs- und Customizing-Projekte mittelfristig zurückgehen und IT-Dienstleister müssen sich neue Wachstumsfelder suchen.

Auswirkungen auf Berater und IT-Dienstleister

Im Rahmen der Lünendonk-Studie „Business Innovation/Transformation Partner“ hat Lünendonk 2017 mit CEOs und ­Partnern aus 25 der marktführenden Beratungs- und IT-Dienstleistern in persönlichen Tiefeninterviews darüber gesprochen, wie die Digitalisierung ihre Geschäftsmodelle und Unternehmensstrategien verändert und verändern wird.

Betroffen sind viele Unternehmensbereiche:

  • Personal: Weiterentwicklung klassischer (breiter) Auswahlverfahren zur Auswahl spezifischer Fachkompetenzen
  • Organisation: Mehr bereichsübergreifende Zusammenarbeit und Eingehen von Partnerschaften und M&A, um End-to-End-lieferfähig zu sein
  • Kundenangang: Design-Thinking-Workshops, Positionierung als Ideen- und Innovationslieferant
  • Delivery: weitere Skalierung des Angebots über Near-/Offshore
  • Technologiekompetenz: Zunehmender Aufbau von Technologie-Partnerschaften (AWS; Microsoft, Tableau etc.) sowie Investitionen in Cloud-Solutions und Delivery Capabilities

Kunden stellen neue Anforderungen an Beratungs- und IT-Dienstleister.
Diese geplanten Anpassungen der führenden Beratungs- und IT-Dienstleister sind aus Sicht von Lünendonk alternativlos und dringend umzusetzen, um mit den Marktveränderungen mithalten zu können.

Dies zeigen die aktuellen Kundenanforderungen an externe Beratungs- und IT-Dienstleister sehr deutlich: Sehr stark in Ausschreibungen an Bedeutung gewonnen haben Beratungs- und Transformationsservices rund um die Digitalisierung der Kundenschnittstelle sowie die Entwicklung von modernen Customer Journeys und digitalen Produkten.

Kunden möchten tendenziell weniger Insellösungen, sondern Komplettlösungen. Es ist daher immer wichtiger, dass Beratungs- und IT-Dienstleister die Customer Journey der jeweiligen Endkunden ihrer Auftraggeber verstehen und darauf aufbauend Innovationen und neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Sie benötigen dafür Kompetenzen in Customer Experience Services wie Digital Consulting, Development von Ideen (Design Thinking, Rapid Prototyping), Data Analytics oder Prozessoptimierung (Automatisierung) und sollten in der Lage sein, diese Services „end-to-end“ umzusetzen.

Die Lünendonk-Studie „Business Innovation & Transformation“ zeigt, dass 92 Prozent der befragten Führungskräfte von ihren Beratungs- und IT-Dienstleistern entsprechende Digital Customer Expe­rience Services erwarten sowie die Fähigkeit, digitale Geschäftsmodelle mit starkem Bezug zum Endkunden zu entwickeln.

In den Kontext der Digital Customer Services fallen auch Kreativ-Know-how und Kompetenzen einer Digital- und Internetagentur, die von 85 Prozent der befragten Kundenunternehmen gefordert werden. Vor allem im letzteren Bereich haben wir in den letzten Jahren enorm viele Übernahmen von Digitalagenturen durch Beratungs- und IT-Dienstleister gesehen.

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Mehr End-to-End-Projekte

Laut der Lünendonk-Studie „Business Innovation & Transformation“ erwarten 92 Prozent der Unternehmen von ihren Beratungs- und IT-Dienstleistungspartnern eine hohe Fach- und Branchenkompetenz.

Gleichzeitig arbeitet jedes zweite befragte Großunternehmen bei Digitalisierungsprojekten ausschließlich mit einem oder wenigen Dienstleistern zusammen.

Dieses Vorgehen fordert eine hohe Steuerungskompetenz und ein sehr breites Portfolio. Branchen- und Fachkompetenz, eine hohe Technologieexpertise sowie Umsetzungsstärke (Personal, Global Delivery) sind mittlerweile Hygienefaktoren in den meisten großen Ausschreibungen.

So legen Kunden mittlerweile viel mehr Wert auf Managementberatungskompetenzen, um Geschäftsprozesse und bisherige Strate­gien auf die Digitalisierungstrends auszurichten.

Eine nachgewiesene Fach- und Branchenkompetenz – häufig heruntergebrochen bis auf individuelle Skill- und Beraterebene – ist in diesem Zusammenhang deutlich wichtiger in Auswahlverfahren geworden.

Ebenso sind die Digitalkompetenz sowie die Fähigkeit, digitale Produkte und Services zu entwickeln, bei Beratungs- und IT-Dienstleistern wichtiger geworden. 92 Prozent der großen Anwenderunternehmen erwarten dies von ihren Dienstleistungspartnern, ebenso wie Kreativ-­Skills analog einer Digitalagentur.

Wodurch definiert sich nun ein Gesamtdienstleister modernen Typs?

Auf Basis der vielen Gespräche mit führenden Anbietern sowie CxOs und IT-Einkaufsverantwortlichen aus großen mittelständischen Unternehmen und Konzernen hat sich nun folgendes Bild eines Kernportfolios ergeben.

Diese Beratungs- und Umsetzungsdienstleistungen sind für Kundenunternehmen in Ausschreibungen besonders wichtig und werden zunehmend kombiniert vergeben – wobei sich die Art der Kombination von dem jeweiligen Projekt-Scope abhängt.

Fazit

Die vielschichtigen Anforderungen des Kernportfolios eines Gesamtdienstleisters können aber nur wenige IT- und Managementberatungs-Unternehmen vollumfassend erfüllen. Das Anbieterfeld für End-to-End-Services rund um die Innovationsentwicklung und Business Transformation ist daher überschaubar.

Sukzessive haben einige Dienstleistungsunternehmen ihre jeweiligen Leistungsketten in den vergangenen Jahren erweitert, um ihre Kunden bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle und der notwendigen Prozessautomatisierung unterstützen zu können. Lünendonk bezeichnet diese Gruppe von Beratungs- und IT-Dienstleistern als Business Innovation/Transformation Partner (kurz: BITP).

Ihr Kernportfolio besteht aus Managementberatungs- und IT-Beratungsleistungen, Kompetenzen in der Innovationsentwicklung und im Design digitaler Lösungen, einer hohen Fach- und Branchenexpertise sowie einer hohen Umsetzungsstärke.

Hinzu kommt die Fähigkeit, aus großen Datenmengen die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Diese Themen aus einer Hand abzudecken und im Kundenprojekt als integriertes Dienstleistungspaket liefern zu können, hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen und es ist davon überzeugt, dass die Nachfrage nach End-to-End-Lösungen besonders bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.

Über den Autor

Mario Zillmann, Lünendonk

Angestellt als Senior Consultant bei der Lünendonk GmbH

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