Die Meinung der SAP-Community MAG 1803 Satire: Das Letzte

SAP im Geschwindigkeitsrausch

Das-Letzte-Satire

SAP hat eine lang bekannte Verhaltensstörung: die Ungeduld. Kaum wurde eine neue Idee geboren, schon soll der Bestandskunde diese lizenzieren. Korrekturen und Fehlerbeseitigungen geschehen dann im operativen Betrieb.

Das S/4-Desaster setzt sich langsam in den Köpfen der Bestandskunden fest, aber noch lange sind nicht alle ERP-Altlasten aufgeräumt, konsolidiert oder entsorgt. Die In-memory-Computing-Datenbank Hana macht Spaß und ist eine Herausforderung, aber Vorsicht beim operativen Alltagsbetrieb.

Noch schlummern Anomalien und Bugs im Programmcode: Nach Hana ist Hana 2 eine wesentliche Verbesserung. Die Runderneuerung ist aber noch nicht abgeschlossen. Wer kann, wartet auf Hana 3 um das Jahr 2020.

SAP hingegen kümmert sich nicht um operative Stabilität, sondern drängt zu weiteren Lizenzierungen. Der ERP-Weltmarktführer aus Walldorf braucht Umsatzwachstum, um seine Cloud-Investitionen und IoT/KI-Innovationen zu stemmen.

Wie lautete der Abschlusssatz auf der SAP’schen FKOM 2018 in Barcelona: „S/4 Hana growth is strong but start to position and sell Leonardo now!“ Der Bestandskunde erfreut sich seit einigen Jahren eines stabilen NetWeaver-Stacks.

Der jüngste SolMan in Version 7.2 ist noch in der Pubertät und muss gebändigt werden. SuccessFactors ist keine HR-Lösung für den Großteil der Bestandskunden. Ein On-premise- HCM muss sich die SAP-Community erst erarbeiten.

Es gibt viel zu tun. Das Drängen und Schieben der SAP in Richtung Hana, S/4, Blockchain, IoT, Machine Learning etc. ist somit kontraproduktiv.

Ja, die Richtung stimmt: In-memory, Mobile und Cloud Computing wird viele Aufgaben lösen, aber zuerst braucht der Bestandskunde eine stabile Basis, einen Ausblick und eine Roadmap – eine Straße ohne Geschwindigkeitsrausch.

Kein Zweifel, die Angebote, das Menü aus Walldorf wird konsumiert – aber alles zu seiner Zeit. Während der Vorspeise will niemand an die süße Nachspeise denken. Da freut man sich auf ein Zwischengericht und eventuell den Hauptgang.

Aber die Ungeduld der SAP ist eine traditionelle Tugend. Schon Ex-SAP-Chef Henning Kagermann beklagte 2007 das langsame Entwicklungstempo seiner Bestandskunden. So nibelungentreu die Bestandskunden auch sein mögen, sie mögen es gar nicht, wenn sie gehetzt, gestoßen und bedrängt werden.

Nicht nur Henning Kagermann, auch Bill McDermott wird warten müssen, bis SolMan, NetWeaver, BusinessObjects und viele andere SAP’sche Add-ons und Zukäufe verdaut sind. Erst dann kann sich der Bestandskunde wieder neuen Herausforderungen stellen.

Die digitale Transformation wird der ganzen Community Antrieb und Motivation sein. Wie sagt man? Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird! Also wird sich der Bestandskunde Zeit nehmen, die Suppe auskühlen zu lassen, bevor er sie auslöffeln muss.

Bill McDermott muss eine Ungeduld zähmen und den Hana-Geschwindigkeitsrausch beiseitestellen.

Platzgummer Comic

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, München, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel +49(0)89/210284-21

Hinterlassen Sie einen Kommentar

AdvertDie Meinung 2