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Blockchain revolutioniert die Value Chain

[shutterstock.com:131027477, GrandeDuc]
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Traditionelle Geschäftsmodelle werden mehr denn je infrage gestellt, neu bewertet und umgekrempelt, völlig neue Ansätze entstehen. Spricht man von diesen digitalen Umwälzungen, wird damit auch immer häufiger das Schlagwort Blockchain in Verbindung gebracht.

Die noch sehr junge Technologie Blockchain tritt gerade aus dem Schatten der Digitalwährung Bitcoin heraus, wo sie einen sicheren Geld­transfer ohne Drittinstanzen wie Banken garantierte.

Interessant ist sie nämlich nicht mehr nur für Anwendungen in der Finanzindustrie, sondern zusehends auch für den Einsatz innerhalb von Wertschöpfungsketten, vor allem dort, wo Datensicherheit und Datentransparenz besonders relevant sind.

Camelot Innovative Technologies Lab (Camelot ITLab), Spezialist für die Digitalisierung von Wertschöpfungsketten, beschäftigt sich nun schon seit über drei Jahren mit dieser Technologie und bietet mit Digital Experience² erstmals ein Service- und Produktportfolio zur Identifizierung und Umsetzung konkreter Anwendungsfälle in Wertschöpfungsketten.

Auf die Blockchain-Technologie wurde erstmals eine breitere Öffentlichkeit aufmerksam, als sie im Zusammenhang mit Kryptowährungen genutzt wurde. Ein Brückenschlag zum Management von Wertschöpfungsketten scheint auf den ersten Blick schwierig, da es sich erst einmal um völlig unterschiedliche Einsatzfelder und Prozesse handelt.

Nach einer genaueren Analyse der tragenden Säulen des Konzepts – Dezentralisierung, Sicherung der Authentizität und Unveränderbarkeit der Daten sowie deren garantierte Konsistenz durch vertrauenswürdige Programmabläufe (Smart Contracts) – wird schnell klar, dass insbesondere in der Wertschöpfungskette zahlreiche Anwendungspotenziale für die Blockchain schlummern.

Verzicht auf Mittelsmänner durch Blockchain

Spätestens beim Gedanken an sogenannte Trust Machines, die sich durch die Kombination der vier genannten Bausteine ­realisieren lassen und in vielen Szenarien kostspielige oder datenhungrige Mittelsmänner eliminieren, werden selbst die technologieverdrossensten Value-Chain-Manager hellhörig.

Innerhalb globaler ­Geschäftsnetze existieren zahlreiche Pro­blemstellungen, die heute zwar als gelöst gelten, häufig jedoch nur durch Treuhänder, Clearingstellen, Notare oder andere „vertrauenswürdige Dritte“ umgesetzt sind.

Diese Dienstleister lassen sich ihre Leistungen teuer bezahlen, in Form von Gebühren oder ungeliebten Datenerhebungen. Zudem werden die Prozesse durch die notwendig gewordene manuelle Intervention zunehmend langsam und bürokratisch.

Oft handelt es sich dabei auch um komplizierte Handelsbeziehungen zwischen mehreren Parteien, bei denen wenig bis gar kein Vertrauen existiert.

Josef Packowski 1803, Blockchain

In solchen Situationen versprechen Blockchain-Lösungen durch die dezentrale Installation von Smart-Contract-basierten, verteilten Applikationen Abhilfe. Sie treten anstelle der erwähnten Mittelsmänner.

Unternehmen profitieren von einer Optimierung, Verschlankung und automatisierungsbedingten Beschleunigung der Prozesse. Zudem lassen sich Betrug und fehlerhafte Abläufe ausschließen.

Die Bildung solcher Netzwerke soll das Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern steigern. Die Verantwortlichkeiten und Pflichten sind klar und fest im unveränderlichen Softwarenetzwerk implementiert, der Betrieb erfolgt dezentral, von allen Beteiligten zugleich.

Das mag heute noch nach Science-Fiction klingen. Tatsächlich reden wir hier aber über kommende oder gerade stattfindende Projekte. Es ist davon auszugehen, dass entsprechende Lösungen bereits im Laufe der nächsten zwei bis fünf Jahre produktiv zum Einsatz kommen.

Blockchain im Supply Chain Management

Besondere Aufmerksamkeit genießt die Blockchain im Supply Chain Management. Wie die zahlreichen Track-&-Trace-Initiativen zeigen, stehen dabei häufig jedoch nur einzelne Blockchain-Eigenschaften wie die unveränderliche Historie der Datenablage im Fokus.

Die daraus resultierenden Lösungen sind zwar oft konzeptionell besser als bestehende Implementierungen ohne Blockchain, das volle Potenzial der Technologie wird dabei jedoch nicht ausgeschöpft.

Auch im Supply-Chain-Management-­Umfeld existieren Anwendungsfälle für Blockchain-basierte „Vertrauensmaschinen“ und Blockchain-Netzwerke. Dabei sind jedoch mögliche Ungleichgewichte zwischen den Partnern zu beachten und es gilt herauszufinden, zu wessen Gunsten hier Vertrauen entstehen kann.

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Denn die dominanten Player einer Supply Chain könnten den Einsatz der Blockchain mit klar definierten Regeln für die Mitgliedschaft kontrollieren und damit die ursprüngliche Blockchain-Idee eines gleichberechtigten und freiwilligen Netzwerkes ad absurdum führen.

Noch stecken viele Blockchain-Lösungen für die Value Chain in den Kinderschuhen, trotz der sich aktuell stabilisierenden Qualität der Core-Blockchain-Technolo­gien. Immer noch gilt es hier Herausforderungen zu lösen, wie die Skalierbarkeit bei großen Datenmengen.

Dennoch gibt es bereits heute eine große Zahl an realisierbaren Anwendungsfällen. Warum viele Lösungsanbieter diese noch hinter verschlossenen Türen halten, liegt auf der Hand – das Gold im Blockchain-for-Business-Geschäft lässt sich nicht mehr in der Technologie selbst schürfen, sondern im passenden bahnbrechenden Use Case, analog zu Bitcoin in der Finanzindustrie.

 

Was ist Blockchain? >>

https://e-3.de/partners/camelot-itlab-gmbh/

 


Anwendungsfall: Sensorengesteuertes Track & Trace gewährleistet lückenlose Nachverfolgbarkeit

 

Die von Camelot entwickelte sensorengesteuerte Track-&-Trace-Lösung dient der Überwachung temperatursensitiver Produkte wie beispielsweise Medikamente, um über die gesamte Lieferkette hinweg einen einwandfreien Zustand zu garantieren.

Dazu wird Blockchain- mit IoT-Technologie verbunden und ein digitaler Zwilling des genutzten Sensors sowie des Produkts in der Blockchain erstellt. Mittels Echtzeitüberwachung wird der Zustand des gelieferten Produkts kontinuierlich in der Blockchain festgehalten.

Aufgrund der Unveränderlichkeit der Informationen in der Blockchain lässt sich somit eine unverfälschte und lückenlose Historie zum Produkt über die komplette Lieferkette hinweg erstellen.

Die dezentrale Speicherung der Blockchain verhindert eine Fälschung. Mittels der durch Blockchain-Technologie verifizierten Informationen können Warenempfänger – ob Hersteller oder Endkunde – auf einfache Weise überprüfen, ob ihr Produkt noch über die Ursprungseigenschaften verfügt, fachgerecht transportiert wurde und bestimmungsgemäß nutzbar ist.

So lässt sich ein hohes Maß an Vertrauen zwischen den beteiligten Parteien sicherstellen.

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Über den Autor

Dr. Josef Packowski, Camelot

Dr. Josef Packowski ist CEO der Camelot Consulting Group.

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