Die Meinung der SAP-Community Lünendonk - Kolumne MAG 1802

Cloud Sourcing gewinnt an Dynamik

luenendonk text in front of 2 men shaking Hands

Die digitale Transformation mit Themen wie Cloud, Cyber Security, Big Data und digitalen Ökosystemen erfordert komplett neue Strategien für Leistungsschnitte, Projektausschreibung und Projektsteuerung.

IT-Abteilungen sind reifer und selbstbewusster geworden und vor allem sind sie wesentlich tiefer in die Wertschöpfung ihrer Unternehmen integriert und zunehmend für den Rollout von Digitalisierungsstrategien verantwortlich.

Die stärkere Wahrnehmung der IT als Business-Partner für die digitale Transformation hängt sehr stark mit der zunehmenden Reife von Cloud-Lösungen, neuen Sourcing-Strategien und IT-Architekturen sowie der Bedeutung der Cloud für die digitale Transformation zusammen.

Vor allem im Infrastruktur-Bereich haben Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft, IBM und zunehmend die Cloud-Plattform von Google marktreife Lösungen entwickelt und damit signifikante Marktanteile gewonnen.

Ebenso ist zu beobachten, dass immer mehr Unternehmen Teile ihrer betrieblichen Anwendungen in die Cloud verlagern, während sie gleichzeitig bestimmte, häufig kritische Anwendungen im eigenen Rechenzentrum belassen.

Die Komplexität des Zusammenspiels der verschiedenen Anwendungen steigt dramatisch an und der Aufwand zur Orches­trierung der eingesetzten Cloud-Lösungen nimmt zu. Hybride Cloud-Szenarien, also das Zusammenspiel von diversen Cloud-Lösungen und On-premise-Lösungen, dürften die IT-Architekturen der Zukunft sein.

Die strategische Partnerschaft von SAP und Microsoft, um Hana auf Azure zu verzahnen, geht exakt in diese Richtung. Vor allem für die Plattform-Ökonomie, wie wir sie im IoT-Bereich sehen, geht der Trend eindeutig in Richtung hybrider Modelle.

Was sind die wichtigsten Beweggründe, warum Unternehmen IT-Prozesse von ihren eigenen Rechenzentren in die Cloud verschieben? Haben früher Sicherheitsbedenken viele Cloud-Projekte eher verhindert, verlagert mittlerweile fast jedes zweite Unternehmen Teile seiner Anwendungen und IT-Infrastruktur in die Cloud, weil sie sich dort besser gegen Angriffe geschützt fühlen.

Das ist ein Ergebnis der Lünendonk-Studie „Der Markt für IT-Sourcing-Beratung in Deutschland“. Die Studie ist in fachlicher Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Datagroup und der IT-Sourcing-Beratung Microfin entstanden.

Die größte Bedeutung, warum Unternehmen IT-Leistungen in die Cloud migrieren, kommt der Stabilität von IT-Prozessen im laufenden Betrieb zu. Für 60 Prozent gehört die „Abdeckung von Lastspitzen“ zu den dominierenden Faktoren, warum Cloud-Ressourcen in Anspruch genommen werden. Für mehr als jedes zweite befragte Unternehmen (54 Prozent) ist ein „flexibler und skalierbarer Betrieb der Anwendungen“ ein wichtiger Grund für das Cloud-Sourcing.

In diesem Zusammenhang steht auch der Punkt „Erhöhung der Geschwindigkeit und der Qualität bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen auf Cloud-Plattformen“. Hier ist derzeit vor allem Microsoft Azure als PaaS-Tool (Platform as a Service) für Softwareentwickler marktführend, aber auch AWS hat mittlerweile ein breites Angebot für Entwickler und hohe Zuwachsraten.

PaaS-Angebote bieten für Softwareentwickler eine Fülle an Designmöglichkeiten und Tool-Kits für das Design der Benutzeroberflächen. Daher nutzen immer mehr Unternehmen (44 Prozent) die Cloud, um ein zügiges Time-to-Market sicherzustellen.

Cloud-Strategien und ihre Steuerung

Wie sehen die Sourcing-Strategien im Detail aus? Das klassische Sourcing aus den eigenen Rechenzentren hinaus wird auch mittelfristig relevant sein. Gerade bei ERP- und CRM-Anwendungen oder Produktionssystemen bevorzugen es aus Analystenperspektive die meisten Unternehmen derzeit noch, die Kontrolle über solche Anwendungen zu behalten – und damit auch über die Daten.

Insgesamt haben 73,6 Prozent der befragten Großunternehmen und Konzerne eine Cloud-Strategie für ihre Anwendungslandschaft. Dabei verfolgen die Unternehmen im Detail aber unterschiedliche Sourcing-Strategien.

Von denjenigen Unternehmen, die eine Cloud-Strategie für ihren Anwendungsbetrieb verfolgen, verlagern 29,6 Prozent nur neue Anwendungen in die Cloud. Die alten Anwendungen verbleiben, zumindest vorerst, im klassischen Lizenzmodell.

Eine höhere Cloud-Reife haben dagegen 23,5 Prozent der Unternehmen, die – neben neuen Anwendungen – auch bereits Teile ihrer bestehenden Anwendungslandschaft in die Cloud migrieren. 19 Prozent der Unternehmen sind derzeit sogar so weit, dass sie die gesamte Anwendungslandschaft in die Cloud verlagern beziehungsweise bereits verlagert haben.

Infolge von immer mehr Digitalisierungsprojekten verändern sich die Anforderungen, die an das IT-Sourcing gestellt werden, mit hoher Geschwindigkeit. Lünendonk wollte daher von den befragten Führungskräften aus den untersuchten 102 Anwenderunternehmen wissen, welche Auswirkungen die digitale Transformation auf einzelne Aspekte des IT-Sourcings hat:

An erster Stelle der genannten Veränderungen stehen die Themen Globalisierung und neue Kundenanforderungen, auf die die meisten Unternehmen (61 Prozent) mit einer Neuausrichtung ihrer Delivery-Modelle reagieren. Globale Lieferfähigkeit mit (größtenteils) standardisierten IT-Services sowie Digitalisierungsprojekte global ausrollen zu können sind folglich weitere enorm wichtige Anforderungen in einem globalisierten Umfeld.

Allerdings verändert sich der Bedarf an externen Dienstleistern im Zuge der Digitalisierung sehr stark: So benötigt mehr als jedes zweite befragte Anwenderunternehmen (55 Prozent) in Zukunft für den IT-Betrieb weniger Provider als früher. Dies gilt vor allem für klassische IT-Betriebsthemen im Bereich der Legacy-IT, aber auch für viele Cloud-Operations.

Demgegenüber arbeiten 45 Prozent – vor allem bei neuen, kundenzentrischen Themen – mit mehr IT-Providern zusammen, was eine Folge des zunehmenden hybriden Sourcing-Mix mit einer Vielzahl an Cloud-Providern und As-a-Service-Angeboten sowie des Trends zum selektiven Sourcing ist.

Aber gerade für die businessrelevanten Digitalisierungsthemen rund um IoT, Customer Centricity oder Artificial Intelligence im Customer Service finden Unternehmen eigenen Angaben zufolge immer schwerer einen geeigneten IT-Dienstleistungspartner:

So gaben 38 Prozent an, dass viele IT-Provider nicht die Anforderungen erfüllen, die in Ausschreibungen für Digitalisierungsprojekte gestellt werden. Dazu gehört es beispielsweise, ebenso agile Softwareentwicklungsmethoden zu beherrschen, wie fachliche Anforderungen in IT-Strategien umzusetzen, sowie UX-Design und tiefe Kenntnisse in den Fachprozessen der Kunden.

Traditionelles Sourcing bleibt relevant für Unternehmen

Grafik Luenendonk 1802

Frage: „Welche Sourcing-Strategien verfolgt Ihr Unternehmen aktuell in der Bestands-IT?“ Lünendonk-Studie: „Der Markt für IT-Sourcing-Beratung in Deutschland“.

Dienstleister werden zu strategischen Partnern

Gleichzeitig wird es wichtiger, dass IT-Provider ihre Kunden bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle maßgeblich unterstützen und bei ihrer Einführung begleiten. Hier geht es vor allem um Erfahrungswerte und Innovationskraft, die Kunden für die Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle nur selten in ausreichendem Umfang im eigenen Unternehmen haben und daher häufiger extern einkaufen.

Es entstehen auch neue Wertschöpfungspartnerschaften zwischen Dienstleister und Auftraggeber, beispielsweise in Form von Joint Ventures, die den Aufbau und die Vermarktung digitaler Geschäftsmodelle beziehungsweise digitaler Plattformen zum Ziel haben.

Solche Kooperationen sind derzeit noch selten, in der Telekommunikationsbranche und in der Industrie werden sie jedoch häufiger. Ein Beispiel ist das Joint Venture zwischen Bosch und BCG für den Aufbau und die Vermarktung einer digitalen Plattform für die Vermietung von Elektrorollern.

Ein weiteres Beispiel ist die Plattform Adamos, mit der mittelständische Indus­trieunternehmen digitale Services wie Wartung und Zubehörverkauf anbieten können. Diese Plattform wird von einem Joint Venture, bestehend aus dem IT-Unternehmen Software AG und den Indus­trieunternehmen DMG Mori, Dürr und Zeiss, entwickelt und vermarktet.

Geschwindigkeit und Qualität in der Entwicklung, Stabilität, Skalierbarkeit sowie Vermarktungsstärke sind daher wichtige Attribute für Anwenderunternehmen, um sich mit eigenen Standards durchzusetzen.

Das IT-Sourcing verändert sich im Zuge der digitalen Transformation radikal. Es rückt deutlich näher an das Business he­ran. Sourcing by Design, also die frühzeitige Berücksichtigung von Cloud-Sourcing-Strategien während der Strategie- und Produktentwicklung, wird wichtiger.

Das bedeutet, dass die Fachbereiche entsprechende Kompetenzen einerseits aufbauen müssen und andererseits Sourcing-Themen immer öfter Bestandteil von Digitalisierungsprojekten sind. Diese Entwicklung wird den IT-Sourcing-Markt nachhaltig verändern, da klassische Sourcing-Leistungen wie Ausschreibungen und Vertragsverhandlungen und teilweise auch die Provider-Steuerung unbedeutender werden.

Dagegen kommt es immer mehr darauf an, für Digitalisierungsprojekte rund um Operational Excellence und Digital Customer Experience die passenden Sourcing-Strategien zu finden. Hier wird zukünftig eher der Typus eines Managementberaters erforderlich sein, der IT-Sourcing-Beratung mit im Portfolio hat, als reine auf IT-Sourcing-Themen spezialisierte Beratungen.

Über den Autor

Mario Zillmann, Lünendonk

Angestellt als Senior Consultant bei der Lünendonk GmbH

Hinterlassen Sie einen Kommentar

AdvertDie Meinung 2