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Design Thinking – Neue Unternehmenskultur

Interview
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Geschrieben von E-3 Magazin

Anlässlich des Strategiegipfels „IT & Information Management“ im Oktober sprach Falk Uebernickel, Professor für Information Management und Business Innovation an der Universität St. Gallen, über seine Erfahrungen mit der Kreativtechnik Design Thinking.

Was genau verstehen Sie unter Design Thinking?

Prof. Falk Uebernickel: Design Thinking ist eine Methode aus dem Bereich des Human-Centered Design zur Lösung von sogenannten vertrackten oder schlecht definierten Problemen.

Das Ziel ist es, entweder neue Produkte oder neue Dienstleistungen zu entwickeln, Prozesse zu verbessern und neue Geschäftsmodelle zu schaffen. Design Thinking ist nicht nur eine Methode, um Produkte und Dienstleistungen zu erschaffen, sondern auch um eine neue Unternehmenskultur zu etablieren.

Wie kann man sich den Ablauf in einem Unternehmen vorstellen?

Uebernickel: Rein theoretisch gesprochen ist es ein strukturierter Prozess mit insgesamt fünf, teilweise sechs Schritten – je nachdem wessen Lehre man folgt. In praktischen Projekten läuft das natürlich nicht ganz so strukturiert ab, der Prozess bietet jedoch einen Leitfaden.

Um es konkret zu machen: Wenn man mit Design Thinking starten will, sollte man sich erst mal im Klaren darüber werden, welche solche vertrackten Probleme im Unternehmen sind, die es zu lösen gilt.

Ganz oft sind das im Moment die typischen Themen rund um die Digitalisierung. Sobald man ein solches Problem entdeckt hat, stellt man ein Team von drei bis fünf interdisziplinären Personen zusammen.

Falk Uebernickel

Es ist wichtig, dass diese ausreichend zeitliche Kapazität mitbringen, da diese vertrackten Probleme Zeit benötigen, um durchdacht und angegangen werden zu können.

Um die Lösung zu finden, nutzt man Design Thinking, indem man den Prozess in zwei bis drei Wiederholungen durchläuft – eine einzelne davon wird auch „Design Sprint” genannt.

In den Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten dürfen, initiiert entweder das Top-Management oder das Mittelmanagement solche Projektdurchläufe, die explizit als Pilotprojekte benannt werden.

Das Wichtige bei einem Pilotprojekt ist: einfach starten. Somit verfängt man sich nicht in langen Diskussionen über Inhalte und detaillierten Nutzen. Denn ohne es ausprobiert zu haben, kann man nicht wissen, ob es einen Nutzen für das eigene Unternehmen trägt.

Sobald ein solches Pilotprojekt durchgeführt wurde, kann aufgrund der Ergebnisse konkret diskutiert werden, ob es für das Unternehmen und die Mitarbeiter taugt oder eben nicht. Das ist wohl der typische Prozess: Pilotprojekt aufsetzen und dann auf Basis des Ergebnisses diskutieren, wie man damit weiter vorgeht.

Also wird nicht alles, was einmal ausprobiert wurde, am Ende auch umgesetzt?

Uebernickel: Genau, auch das passiert. Wir haben es mit einem innovativen Bereich zu tun. Der Gedanke, eine Methode wäre immer erfolgreich, ist natürlich wahnwitzig. Das gleicht einer Maschine zum Gelddrucken.

Deswegen stehe ich auch immer noch hier und bin nicht im Silicon Valley Milliardär. Man darf Design Thinking nicht überinterpretieren und zu große Hoffnungen hineinsetzen. Es ist eine Methode, die nachgewiesenermaßen zu besseren Ergebnissen, in einem bestimmten Kontext, als andere führt. Trotzdem läuft nicht alles von allein: Man muss viel tun, d. h. experimentieren, ausprobieren und Menschen involvieren. Sonst wird man auch damit nicht glücklich.

Was sind die Ziele der Methode?

Uebernickel: Vorrangig ist natürlich das, was am Ende rauskommt – der Output: Produkte und Dienstleistungen. Viele Unternehmen nutzen es aber auch, um eine neue Art der Unternehmenskultur zu etablieren.

Zum Beispiel mehr Experimentierfreude und Selbstständigkeit. Mitarbeitende sollen also in die Lage versetzt werden, unternehmerischer zu denken. Das heißt, auch mehr Risiken einzugehen.

Design Thinking ist also nicht nur eine Methode, um neuen Output zu kreieren, sondern auch um das Unternehmen kulturell voranzubringen: kreativer, agiler und ideen­reicher zu machen. Das ist letztendlich auch für die Arbeitskultur, in die junge Leute eintreten, wichtig: Dass man nicht nur in starken Strukturen hängt, sondern flexibel arbeiten kann.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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