Die Meinung der SAP-Community MAG 1712 Satire: Das Letzte

Rekordfieber versus Pioniergeist

Das-Letzte-Satire

Wieder einmal geht es SAP-Chef Bill McDermott nicht schnell genug. Hana und S/4 sollten schon lange abgehakt und Standard sein. SAP Cloud Platform ist das Gebot der Stunde und Leonardo müsste die Offenbarung sein.

Aber Bill hat sich verrechnet: Eine gute Wirtschaftslage und eine treue Bestandskundenschafft bringen SAP satte Umsatzsteigerungen und befriedigende Gewinne, aber die Cloud- und Hana-Vision von Bill McDermott hat keine Basis.

Die Bestandskunden wollen nicht im Geschwindigkeitsrausch von R/3 auf ERP 6.0 auf S/7 mit AnyDB, auf SoH, Hana sowie auf S/4 wechseln und letztendlich auf der SAP Cloud Platform landen – die digitale Transformation erfordert Pioniergeist:

Neue Geschäftsprozesse, neue Aufbau- und Ablauforganisationen müssen erfunden, gestaltet und custo­mized werden. Die wahren Herausforderungen liegen jenseits von In-memory, Mobile und Cloud Computing.

Ganz früher fraßen die Großen die Kleinen, dann überholten die Schnellen die Langsamen. Heute zählen Innovationskraft, Intelligenz und Pioniergeist. Eine solide BWL-Ausbildung und effiziente Geschäftsprozesse ersetzen die Schlagkraft von Hardware und In-memory-Computing-Datenbanken.

Wenn sich Salesforce und Google zusammentun, dann hilft kein Hana-Geschwindigkeitsrausch. Die Cloud- Strategie von SAP-Chef Bill McDermott und das Rekordfieber von Ex-Technikvorstand Vishal Sikka (siehe Illustration) sind nicht mehr zeitgemäß und werden SAP bis 2020 in eine Sackgasse fahren.

SAP Cloud Platform – nach den Irrungen und Verwirrungen rund um HEC und HCP – ist ein Angebot unter vielen und besitzt kein Alleinstellungsmerkmal. Mit einer Cloud-Exit-Strategie und Multi-Cloud-Konzepten sind die SAP-Bestandskunden besser und agiler unterwegs – alleine das SAP’sche Damoklesschwert „indirekte Nutzung“ kann ihnen noch einen Strich durch die Rechnung machen.

In der Realität wechseln die Bestandskunden zu einem Cloud-Computing-Modell, ohne dass SAP einen signifikanten Zuwachs auf der eigenen ERP-Cloud nachweisen kann. Und wer sich für das „falsche“ Cloud-Angebot entscheidet, wird mit Lizenznachzahlungen in Form „indirekter Nutzung“ bedroht.

Was die SAP-Bestandskunden brauchen, sind bezahlbare Werkzeuge, Plattformen und Lösungen. Die Aufgabenfelder heißen IoT, Machine Learning, Blockchain und Open Source. Hier ist Pioniergeist gefordert.

Die digitale Transformation erweitert das Spektrum von ERP massiv. Bots, IoT, KI und Blockchain stehen hier stellvertretend:

  • Blockchain ist eine fast unendliche Kette von Zertifikaten, die weltweit auf den Computern der Anwender liegen – macht ein SAP’sches Blockchain die SAP-Bestandskunden zu indirekten Nutzern?
  • Wird jeder IoT-Sensor und jede M2M-Kommunikation lizenzpflichtig gegenüber SAP Leonardo?
  • Muss ein Bot, der Leonardo Machine Learning nutzt, auch die SAP-Professional-User-Lizenz um 3200 Euro erwerben und zukünftig KI-Pflegegebühr zahlen?

Das SAP’sche Rekordfieber lässt viele Fragen unbeantwortet im Raum stehen und wird dadurch zum Risikofaktor für die Bestandskunden, die in ihrem Pioniergeist das Nachsehen haben. Es gilt den Berg „digitale Transformation“ zu erklimmen und nicht noch schneller im Kreis fahrend diesen zu umrunden.

Platzgummer 1712

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, München, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel +49(0)89/210284-21

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