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Discrete Manufacturing mit S/4, Hana und SolMan

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SAP hat mit S/4 und Hana einen sehr ambitionierten – fast radikalen – Weg vorgegeben: Nur noch ein Datenbankangebot für zukünftige ERP-Lösungen inklusive intensiver Verwendung von Open-Source-Produkten. SAP-Partner MSG Treorbis hat diese Herausforderung angenommen und die S/4-Branchenlösung Discrete Manufacturing entwickelt. Mit MSG-Treorbis-Geschäftsführer Michael Neuhaus sprach Peter Färbinger, E-3 Magazin, über Chancen, Anforderungen und Trends.

Für SAP-Bestandskunden sind Branchenlösungen ein wichtiger Mehrwert für das eigene ERP. Das gilt für alle ERP-Versionen, und SAP selbst hat diese Marktanforderung schon lange erkannt und verfügt über 25 eigene Branchenlösungen.

Aber nicht alle Aufgaben lassen sich durch die generischen Branchenlösungen einer SAP perfekt abdecken. Hier schlägt die Stunde der SAP-Partner, die mit immer spezifischerem Know-how viele Nischen ausgezeichnet füllen und einen sehr wertvollen Beitrag zur SAP-Community leisten. MSG Treorbis hat sich auf das Themengebiet Discrete Manufacturing konzentriert.

Die Digitalisierung und Industrie 4.0 verschärfen den Wettbewerb auch in der diskreten Fertigungsindustrie. Wo sieht Geschäftsführer Michael Neuhaus aktuell die größten Herausforderungen?

„Wichtig ist es, eine möglichst vollständige Integration aller Geschäftsprozesse sicherzustellen“

ist seine erste Antwort.

„In der diskreten Fertigung gibt es noch viele Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse zwischen den einzelnen Bereichen und noch häufiger mit den verschiedenen Geschäftspartnern, ob Kunden, Lieferanten oder internen Gesellschaftsbereichen, mit vielen System- und Prozessbrüchen abgebildet haben.

Unternehmen haben insbesondere in der Fertigung eine Vielzahl an Informationen, die nicht genutzt werden. Die Aufgabe besteht darin, Engpässe frühzeitig zu erkennen, Fehler im Vorfeld zu vermeiden, Marktveränderungen vorherzusehen.

Oft sind die kaufmännischen Kennzahlen bekannt, die Vielzahl der Informationen aus Produktion und Einkauf gilt es in Echtzeit zu nutzen.“

Das MSG-Treorbis-Angebot steht und Michael Neuhaus hat die Latte hochgelegt, was auch erklärt, warum er mit seinem jüngsten Angebot auf die innovativste Technik von SAP setzt: S/4, Hana und SolMan Version 7.2.

Notwendig ist dieser innovative Anschub allemal, denn die Herausforderungen aus Industrie 4.0 sind hoch. Dazu der Digitalverband Bitkom: Industrie 4.0 hat zwar die Wirtschaft erreicht, allerdings sind die Unternehmen bei den Investitionen in innovative digitale Technologien für vernetzte Produktion und Produkte noch zurückhaltend.

Wie die Realität bereits heute zeigt, findet die eigentliche Revolution von Industrie 4.0 nicht in der Produktion, sondern bei den Geschäftsmodellen statt. Von besonderer Bedeutung sind dabei digitale Plattformen.

Mit ihren datenbasierten Mehrwertdienstleistungen schieben sie sich zwischen Hersteller und Kunde, brechen damit die eingespielten Beziehungen zwischen ihnen auf und fordern so die etablierten Unternehmen ernsthaft heraus.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Bitkom-Projektgruppe Geschäftsmodelle intensiv mit den Auswirkungen der Digitalisierung befasst. Die Ergebnisse sind im Faktenpapier „Geschäftsmodelle in der Industrie 4.0 – Chancen und Potenziale nutzen und aktiv mitgestalten“ dokumentiert.

Bitkom veröffentlichte das Faktenpapier anlässlich des Digitalgipfels. Ein Geschäftsmodell zu entwickeln, anzupassen oder es unberührt zu lassen ist eine unternehmerische Entscheidung. Bitkom will hierzu Trends aufzeigen und so Entscheidungshilfen geben.

„Das Faktenpapier ist ein strategisches Papier und möchte aufrütteln“

sagt Wolfgang Dorst, Bereichsleiter Indus­trial Internet beim Bitkom.

„Nicht die Technik ist bei Industrie 4.0 entscheidend, sondern die digitalen Geschäftsmodelle.“

Technisch machbar – wirtschaftlich sinnvoll?

Folgerichtig spricht auch SAP in Bezug auf Hana, S/4 und Leonardo von einer Plattform und nicht von Einzellösungen. Michael Neuhaus hat bei MSG Treorbis diesen Aspekt für die diskrete Fertigung aufgenommen: Neben der technischen Umsetzbarkeit stellt sich bei Losgröße 1 auch die Frage der Wirtschaftlichkeit.

Wie lässt sich im Vorfeld klären, welche Konfigurationen und Implementierungen Sinn machen? Michael Neuhaus:

„Die Wirtschaftlichkeit und natürlich auch die Realisierbarkeit der Konfiguration sind in der Tat entscheidend. Unsere Lösungen unterstützen hier durch Transparenz in der Kalkulation sowie bei der Prüfung von Kapazität und Verfügbarkeit.“

Was sind die größten Herausforderungen bei Discrete Manufacturing? Die hohe Individualität bis zur Losgröße 1, meint Neuhaus und er betont:

„Die Variantenvielfalt ist unbegrenzt, trotzdem oder gerade deswegen ist es wichtig, einfache und schnelle Lösungen zu implementieren. Vertrieb und Produktion arbeiten sehr häufig noch auf unterschiedlichen Systemen und auch mit unterschiedlichen Stammdaten.

Zudem werden meist die theoretisch möglichen Varianten mit enormem Aufwand in Systemen abgebildet. Stellen Sie sich vor, dass Sie aufgrund von Bedarfen und Prognosen Ihr System aufbauen und nicht auf Basis der theoretisch möglichen Produktvarianten. Dies unterstützen wir mit einfachen Werkzeugen. Hier liegen riesige Potenziale.“

Neuhaus Michael Cocerstory, Industrie 4.0, discrete manufacturing

Erfolgsfaktor Stammdaten

Solide Stammdaten sind die Basis für jedes Digitalisierungsprojekt. Inwieweit unterstützt MSG Treorbis seine Kunden beim Handling für den Stammdatenaufbau?

„Seit vielen Jahren stand das Stammdatenmanagement im Vordergrund“

weiß Michael Neuhaus aus seiner beruflichen Praxis.

„Unser Fokus ist, dass der Experte für das eigene Produkt nicht einen Experten für die Stammdaten in der Software braucht. Jeder soll sein Fachwissen einfach und schnell in der Software abbilden können.

Zudem ist für uns ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, dass Stammdaten nur einmal gepflegt werden. Diese werden aber sowohl im Vertrieb, ob im Hybris, CRM oder ERP, wie auch in der Produktion und dem Einkauf genutzt. Hier bieten wir unsere Lösungen an.“

Variantenvielfalt stellt SAP-Bestandskunden vor große Herausforderungen: von der Kundenauftragserfassung bis zur Auslieferung. Die Prozesskette basiert auf vielen Daten und Informationen, die durch verzweigte und komplexe Prozessschritte zum richtigen Zeitpunkt zusammengeführt werden müssen.

Und Geschäftsführer Neuhaus kennt die Herausforderungen ganz genau: Bei konfigurierbaren Produkten können Informationen aus dem Materialstamm (z. B. das Gewicht) nicht genutzt werden, da diese abhängig von konkreten Ausprägungen abgeleitet werden müssen.

Auch die Verfügbarkeitsprüfung aller Komponenten eines Produkts und die Produktvisualisierung sind anspruchsvolle Aufgaben, die im SAP-Standard nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Hier sind dann spezifische Branchenlösungen für den SAP-Bestandskunden unbedingt notwendig: Mit Variant Process Optimization bietet MSG Treorbis ein SAP-zertifiziertes Werkzeug, um den Umgang und die Prozesse mit konfigurierbaren Materialien zu optimieren und gegebenenfalls die Komplexität zu reduzieren.

Im Modul Variant Process Optimization stehen eine Reihe von Funktionen zur Verfügung, die den Umgang mit konfigurierbaren Materialien wesentlich vereinfachen und somit auch die zugehörigen Prozesse leichter steuerbar machen.

Natürlich sind alle Komponenten dieses Moduls voll in den SAP-Standard inte­griert. Das Modul Variant Process Optimization besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptbereichen.

Zum einen aus dem Bereich Variantenkonfiguration mit den Segmenten Gewichtsberechnung, Steuerung von Merkmalen zur Ausgabe in Vertriebsbelegen, Verfügbarkeitsprüfung über das Einkaufscockpit sowie Paketbildung als Hilfsmittel zur Produktionsplanung und -steuerung.

Der zweite Bereich betrifft die Kommunikation mit externen Systemen, z. B. die Anbindung von Programmen zur grafischen Auftragserfassung und zur Integration von Webshop-Lösungen über die SAP-Werkzeuge IPC, Hybris oder Fiori.

Mit welchen Argumenten überzeugen Sie bei SAP-Bestandskunden, fragten wir Geschäftsführer Michael Neuhaus.

„Die vorkonfigurierten Lösungen bieten auf Basis Best Practice eine solide Grundlage im Standard mit einer garantierten Einführungszeit und einem Festpreis – damit vereinen wir die größten Herausforderungen eines SAP-Projekts.“

Natürlich zählt auch die Zukunftssicherheit, hierfür setzt MSG Treorbis mit Discrete Manufacturing auf eine S/4-basierte Branchenlösung. Damit sind auch Hana und Open Source im Spiel.

Inwieweit haben Hana und S/4 die SAP-Community durchdrungen, sodass MSG Treorbis bereits eine Branchenlösung auf dieser Basis anbietet – und was sind Ihre strategischen Überlegungen?

„Das Thema S/4 ist voll im Markt angekommen“ „Alle unsere Kunden und Interessenten beschäftigen sich intensiv damit.“

erklärt Neuhaus.

Wie stabil ist S/4?

In der Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen über die operative Stabilität und Vollständigkeit von S/4. Hana und S/4 sind junge SAP-Produkte – sind diese stabil genug für eine Branchenlösung? Michael Neuhaus dazu:

„Das Realease 1709 on-premise ist ein stabiles Qualitätsrelease. Aus diesem Grund ist es logisch, neue Branchenlösungen auf dieser Plattform zu entwickeln und auch an den Markt zu liefern.“

Somit setzt die Branchenlösung Discrete Manufacturing auch Hana und S/4 Hana Finance (früher: Simple Finance) voraus. Was noch? Welche Teile der SAP Business Suite 7 und des NetWeaver kommen zum Einsatz?

„Wir haben bisher S/4 und ECC im Fokus. An der Basis ergänzt durch SAP-Analytics-Lösungen.“

Aber für die SAP-Community ist wichtig: „Alle Kunden, egal ob sie ECC oder S/4 einsetzen, können unsere Lösungen nutzen“

erklärt Michael Neuhaus.

Der richtige Migrationspfad

Ausgehend von S/7 (Business Suite 7) mit AnyDB ist ein leidenschaftliches Thema in der SAP-Community die Überlegung, ob der Umstieg auf S/4 nach dem Greenfield- oder Brownfield-Ansatz oder durch eine Landscape Transformation erfolgen soll.

„Installed-­Base-Kunden müssen einen Kosten-Nutzen-Abgleich zwischen den Lösungen erarbeiten“

betont Geschäftsführer Neuhaus.

„Unsere Methode MSG Fit hilft hier die richtige Wahl zu treffen. Aus dem Markt mehren sich die Anzeichen, dass nach langer Laufzeit der Installation ein Greenfield-Ansatz unter Abschaltung der Prozesshistorie eine vielversprechende Wahl zu sein scheint.“

Der Weg ist das Ziel: Linux, Hana und S/4 – was sind die nächsten technischen Schritte zur Erreichung der Branchenlösung Discrete Manufacturing? Hier zeigt sich MSG Treorbis offen und sehr flexibel.

„Jeder Migrationspfad der SAP kann genutzt werden, der die Plattform S/4 zum Ziel hat“

erklärt Neuhaus seinen Ansatz.

Cloud Computing ist momentan eines der am meisten diskutierten Themen in der SAP-Community. Die MSG-Treorbis-Branchenlösung ist als On-Pre­mise-Lösung ­konzipiert – warum? Könnte man die ­Lösung auch in der HEC oder auf AWS, Google Cloud Platform oder Microsoft Azure betreiben?

„Aktuell bieten wir die On-Prem-Variante an. HEC und AWS sind definitiv eine weitere Möglichkeit für die Zukunft, auch mit Blick auf ein PMC-Per-Seat-Preismodell. Google und Azure stehen aktuell nicht in der Planung“

beschreibt Michael Neuhaus seine Perspektive. Die neue SAP Cloud Platform sieht er als eine große Chance.

Wie bei fast jeder SAP-Anwendung ist naturgemäß auch die Benutzeroberfläche ein wichtiger Bestandteil. Hier hat SAP in den vergangenen Jahren viel in die Standardlösung investiert. Wie wichtig ist das User Interface (UI) in einer Branchenlösung wie Discrete Manufacturing? Und welche Lösungen gibt es?

„Das UI ist für unsere Kunden überaus wichtig“

weiß Neuhaus aus den Diskussionen mit Kunden.

„Jeder Geschäftspartner, ob Kunde, Händler, der Auftragsinnendienst, der Interessent oder das Schwesterunternehmen sollte auf seine Anforderungen und entsprechend seinem Know-how ein intuitives UI wie SAP Fiori nutzen können und durch das System geführt und aktiv unterstützt werden. Und das auf jedem Device, unabhängig davon, ob ein Experte oder ein unerfahrener Anwender mit der Lösung arbeitet.“

Neben dem überarbeiteten UI hat SAP begonnen, neue Themenfelder im Frame­work Leonardo zusammenzufassen, dazu gehören etwa KI mit Machine/Deep Learning und IoT. Plant auch MSG Treorbis, Teile aus Leonardo zu verwenden?

„Aktuell nicht“, so Neuhaus, „aber für 2018 wird dies ein Schwerpunkt sein.“

Denn auch für die Bereiche Logistik, Fertigung und Handel haben Machine Learning und IoT ein großes Potenzial:

„Heute ist es wichtig, Produktionsfehler nicht erst in der Qualitätskontrolle zu erkennen, sondern während der Fertigung mögliche Abweichungen im Vorfeld zu erkennen und, bevor ein Fehler überhaupt auftritt, gegenzusteuern“

erklärt Michael Neuhaus im E-3 Gespräch.

„Genauso gilt dies für Werkzeuge und Maschinen: die Vielzahl an Informationen während der Fertigung in Echtzeit zu nutzen.“

Während KI- und IoT-Themen innovative Ansätze sind, ist der SolMan ein etabliertes Produkt in der SAP-Community. Somit scheint es ein logischer Schritt zu sein, dass das Customizing der Branchenlösung Dis­crete Manufacturing auch über den neuen SolMan 7.2 erfolgen kann.

Neuhaus erklärt dazu, dass die Lösung grundsätzlich in der Auslieferung an den SolMan 7.2 gekoppelt ist.

„Diesen bieten wir auch ,geshared‘ im Hosting bei uns an, falls der Kunde keinen weiteren dedizierten SolMan zur Lösung selbst betreiben will. So stellen wir Deployment und Wartung sicher.“

Auch der SolMan 7.2 ist ein relativ junges Produkt der SAP: Sind aus der Perspektive von MSG Treorbis die SAP-Bestandskunden mit den Funktionen und Möglichkeiten der Version 7.2 schon hinreichend vertraut?

„Sicherlich nicht die breite Masse“, schränkt Michael Neuhaus ein. „Aber es ist ein ausgereiftes Produkt, welches in der Hana-Version die Prozessdefinition bzw. Dokumentation zulässt, ohne weitere Lizenzkosten zu erzeugen – gut für unsere Kunden.“

Der Erfolg der Partner ist immer auch von der SAP’schen Roadmap abhängig. Aufgrund von Hana und Hana 2, HEC, HCP und nun SAP Cloud Platform, den jährlichen S/4-Releases sind Lernaufwand und Innovation in der Community hoch. MSG Treorbis hat hier ein eigenes Vorgehensmodell entwickelt.

Michael Neuhaus zum Abschluss des E-3 Gesprächs: „Wir orientieren uns sicher stark an der SAP und veredeln die Lösungen der SAP mit unseren Erfahrungen aus vielen Kundenprojekten. Ich wünsche mir, dass der User immer weiter in den Fokus rückt.

Nicht der technisch versierte SAP-Experte, sondern jeder Anwender sollte in Zukunft ein intuitives, auf seine Anforderungen anpassbares UI nutzen können.“

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