Editorial

[shutterstock:379587745, Brian A Jackson]

Lizenzpflichtige Bots, IoT, KI und Blockchain

Auch auf dem DSAG-Jahreskongress in Bremen wurde das Thema indirekte Nutzung nicht hinreichend gelöst. Wer muss zukünftig Lizenzen zahlen und was wissen die Bestandskunden über die Pläne der SAP.

In ihrer Bildungsarbeit haben SAP und DSAG gemeinsam versagt. Die jüngste Umfrage des Anwendervereins zeigt nicht nur deutlich, dass ERP/ECC 6.0 mit AnyDB noch immer hoch im Kurs steht, sondern dass die Bestandskunden kaum etwas von den „Innovationen“ der SAP wahrnehmen – und verstehen ohnehin nicht! Das Delta zwischen DSAG-Arbeitskreisen und SAP-Wirklichkeit ist groß.

Die digitale Transformation betrifft organisatorische, betriebswirtschaftliche und technische Themen. Diese Revolution der Informationstechnologie und in der Aufbau- und Ablauforganisation fast aller SAP-Bestandskunden lässt sich nur gemeinsam, transparent und partnerschaftlich bewältigen. Stattdessen existiert in der IT-Community ein „Egoismus“, der nur ein Ziel kennt: Mehr Umsatz!

Zahlreiche Bestandskunden aus der SAP-Community beklagten sich beim E-3 Magazin über das zunehmend „verkaufsorientierte“ Verhalten der SAP. Gemeinsamer Tenor: Wenn früher der SAP-Vertriebsbeauftragte ins Haus kam, gab es interessante Fachgespräche und naturgemäß auch einen weiteren Lizenzabschluss; heute legt der Vertriebsbeauftragte sofort die SAP’sche Preisliste auf den Tisch und redet von indirekter Nutzung und Unterlizenzierung. Ein sinnvolles Fachgespräch über Upgrades, Versionswechsel und Cloud-Alternativen ist nicht möglich.

Selbst im eigenen Haus scheint SAP die Bildungsarbeit bei den Vertriebsmitarbeitern zu vernachlässigen. Zahlreiche Experten und Analysten bestätigten gegenüber dem E-3 Magazin die „radikale“ Ausrichtung der SAP auf das Verkaufen, Verkaufen und Verkaufen von On-premise-Lizenzen (indirekte Nutzung) und Cloud Computing.

Aber gerade jetzt braucht der SAP-Bestandskunde intensive Beratung für seine ERP-Architektur und sein Lizenzmodell. Die digitale Transformation erweitert das Spektrum und das Einsatzgebiet von ERP massiv.

Bots, IoT, KI und Blockchain stehen hier stellvertretend und sind lediglich die Spitze des Eisbergs: Blockchain ist eine fast unendliche Kette von Zertifikaten, die weltweit auf den Computern der Anwender liegen –

  • macht ein SAP’sches Blockchain diese Anwenderkette zu indirekten Nutzern?
  • Wird jeder IoT-Sensor und jede M2M-Kommunikation lizenzpflichtig gegenüber SAP?
  • Muss ein Bot, der Leonardo Machine Learning (KI) benutzt, auch die SAP-Professional-User-Lizenz um 3200 Euro erwerben?

SAP und DSAG konnten keine dieser Fragen auf dem Jahreskongress in Bremen beantworten. Und die dort abgehaltenen Eröffnungsvorträge von den beiden wichtigsten Protagonisten – DSAG-Chef Marco Lenck und SAP-Technikvorstand Bernd Leukert – waren diesbezüglich kaum erhellend.

Marco Lenck berichtete, dass nun auch unter seiner CIO-Verantwortung bei seinem Arbeitgeber S/4 läuft – mit umgehender Kritik anwesender SAP-Partner: Mit so viel Unterstützung durch SAP bringt man S/4 überall zum Laufen.

Aber auch SAP-Technikvorstand Bernd Leukert konnte dieses Jahr nur sehr wenig zur allgemeinen Aufklärung, Verständigung und Bildungsarbeit beitragen – genau hinhorchen durfte man bei seinem Eröffnungsvortrag nicht!

Seine Anmerkungen zum Thema „SAP Data Hub“ zeigten, dass IoT-Daten über (Apache) Kafka und unter Verwendung von Vora nach Hana gelangen. Richtig ist, dass es ein Apache Kafka Connect Framework für die Verbindung zu SAP-Systemen gibt (Hana Smart Data Streaming).

Aber auf GitHub, wo das Open Source Apache Kafka Interface zum Download bereitsteht, steht auch: Currently only SAP Hana is supported. Support for SAP Hana Vora (In-memory and Disk Engine) to be added.

Die Ungenauigkeit beim Open-Source­Produkt Kafka und dessen Verfügbarkeit hinsichtlich Vora mag ein Versehen sein und ist im Gesamtzusammenhang sicher verzeihlich.

Aber warum gelingt es nicht, auf einer so wichtigen und bedeutungsvollen Veranstaltung wie dem DSAG-Jahreskongress vor Experten und Fachleuten wahrheitsgetreu, transparent und helfend zu reden – stattdessen werden Nebelkerzen gezündet und an den wahren Problemen wird vorbeidiskutiert. Meine Antwort: SAP-Chef Bill McDermott hat Umsatzziele ausgegeben, da ist transparente Bildungsarbeit nur ein Störfaktor!

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