Die Meinung der SAP-Community E-Commerce Kolumne MAG 1711

Der patentierte Knopf

Shopping Cart and Stars
Geschrieben von Michael Kramer, IBM

Patente sind in der Wirtschaft Waffen, die Schlachten entscheiden können. Vorigen Monat ist das 1-Click-Patent ausgelaufen, das Amazon einen kleinen, eventuell entscheidenden Vorteil brachte.

Viele Kunden fragen sich, warum Onlinehändler nicht – wie Amazon – die Möglichkeit implementiert haben, eine Bestellung mit nur einem einzigen Klick angenehm und schnell abzuschließen.

Nun, sie konnten es deshalb nicht anbieten, weil Amazon ein Patent auf den Check-out-Vorgang mit einem einzigen Klick hatte: Das US-Patent Nr. US5960411 hat Amazon 20 Jahre lang das Recht auf exklusive Nutzung dieser Technologie eingeräumt. Bereits am 12. September 1997 hat Amazon-Gründer Jeff Bezos dieses Verfahren in seinem Patentantrag beschrieben, bei dem Kunden den Warenkorb mit einem Klick rechtsgültig über ein Kommunikationsnetzwerk bestellen können.

Nun, vor 20 Jahren war der Onlinehandel nicht so weit wie heute, aber bereits präsent. Andere Anbieter wie der US-Buchhändler Barnes & Noble, die mit „Express Lane“ einen vergleichbaren Workflow eingesetzt haben, haben dagegen geklagt, aber nur kleine Anpassungen erreichen können. Bisher hatten nur wenige Unternehmen wie Apple durch teure Lizenzierung auch einen vergleichbaren Workflow anbieten können.

Der Patentschutz ist nun zum 15. September ausgelaufen. Der Onlinehandel kann nun seine Systeme noch vor dem Weihnachtsgeschäft von „2-Click-“ auf „1-Click-“Technologie umstellen.

Für Kunden und Anbieter ändert sich viel: Im Browser können Händler einfacher mit einer 2- oder Mehrklick-Bestellung umgehen. Durch Überprüfung des Warenkorbes, Bestätigung von Angaben oder Anzeigen von weiteren Informationen wird der Kunde bei Laune gehalten und klickt zum Check-out ein zweites Mal.

Der Einkaufskanal mit den momentan höchsten Zuwachsraten ist der Kauf über mobile Geräte mit einem Zuwachs von über 50 Prozent. Da diese meist einen kleineren Bildschirm haben und die Benutzer schnelle Einkaufserlebnisse suchen, werden Sie in den nächsten Monaten hier die größten Änderungen zu 1-Click-Bestellungen sehen.

In der schnelllebigen E-Commerce-Welt sind Innovationen von gestern die vergangenen Brückentechnologien von morgen. Anbieter sollten sich nicht nur auf einen 20 Jahre alten Workflow verlassen.

Heute sind spektakuläre Methoden wie Kauf per Spracheingabe, Schwenken des Handgelenks mit der Smart Watch, der Bestellknopf mit WLAN-Anschluss oder der Toner automatisch bestellende Drucker aktuell.

Weniger spektakulär sind die vielen Zahlmethoden, die sich immer intelligenter in Onlineshops integrieren lassen. Was sich nicht ändern wird, ist der Markenschutz auf den Begriff „1-Click“. Dieser wird auch vom Patentamt vergeben, aber für die Dauer von zehn Jahren, die beliebig oft um weitere zehn Jahre verlängert werden kann. Angebote anderer Händler werden Sie daher unter anderen Namen finden.

Über den Autor

Michael Kramer, IBM

Michael Kramer ist Channel Sales Leader DACH bei Cognitive Engagement Solutions - Watson Commerce & Marketing.

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