Infrastruktur MAG 1711

SAP-Cloud-Plattform- Integration im Praxistest

[shutterstock.com:536001130, frankie's]
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Geschrieben von Daniel Bauer, Pikon

SAP bringt mit seiner Cloud Platform und deren Integrationsmodul eine neue, cloudbasierte Option auf den Markt. Deren Praxistauglichkeit gilt es noch zu beweisen. In einem Pilot- und Coachingprojekt bei unserem Kunden Dentsu Aegis Network haben wir diese erbracht.

Dentsu Aegis Network und Pikon sind mittlerweile durch eine mehr als 13-jährige Partnerschaft miteinander verbunden. Als Beratungshaus hat Pikon Lösungen in den Bereichen ERP und Custom Development für Dentsu Aegis Network geschaffen.

Bidirektionale Schnittstellen zwischen den verschiedenen IT-Systemen und dem SAP ERP wurden dabei stets auf Basis eines Dateisystems realisiert. In der Vergangenheit haben wir unternehmens- und systemübergreifende Geschäftsprozesse häufig auf Basis der Integrationsplattform SAP Process Orchestration (PO) beziehungsweise deren Vorgänger SAP Exchange Infrastructure (XI) durchgeführt. Damit war der sichere, performante und kontrollierte Datenaustausch gut zu gewährleisten.

In Fremdsystemen wurden Dateien erzeugt und auf Pfaden gespeichert, die für das SAP-ERP-System zugänglich waren. Die negativen Aspekte dieser Vorgehensweise liegen auf der Hand.

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Auf der einen Seite die Instabilität durch verschiedene Technologien und teilweise zeitgesteuerte Hintergrundanwendungen. Hinzu kommt die asynchrone Dateiverarbeitung, welche keinerlei Rückmeldungen für ein effizientes Monitoring zulässt.

Damit ist in diesem Prozess kaum ein End- to-End-Monitoring möglich. Denkt man an eine Lösung dieses Problems, so rückt das SAP-Produkt SAP Process Orchestration direkt in den Fokus.

Sehr gute Verbindungsmöglichkeiten zu SAP- und Non- SAP-Systemen, Standardfunktionen für das Datenmapping und natürlich die Möglichkeit der synchronen Verarbeitung in den Backend-Systemen wären unter anderem zu nennen. Weiterhin handelt es sich um ein erprobtes und reifes Produkt.

Auch der Weg mit der SAP Process Orchestration wäre ein gangbarer gewesen: Server und Lizenzen anschaffen, das System administrieren, ins Netzwerk einbinden und schon kann es losgehen mit der Anwendungsentwicklung.

Sie werden den Knackpunkt bereits herausgelesen haben: Das alles ist zeit- und sehr kostenintensiv. Da wird es schwierig, einen schlüssigen Business Case darzustellen – vor allem, wenn es um einzelne Projekte geht. Diese Aspekte waren schon bei einigen unserer Kunden Showstopper und so auch bei Dentsu Aegis Network.

SAP Cloud

In den vegangenen Jahren und Monaten trieb die SAP die Entwicklung eines alternativen Produktes sehr stark voran, die der SAP Cloud Platform mit ihrem Integrationsmodul, kurz SAP Cloud Platform Inte­gration.

Mit dieser rasanten Entwicklung konnten auf einen Schlag die Einstiegshürden für die Nutzung einer Integrationsplattform aufgrund des Wegfalls der Server- und Administrationskosten und eines überschaubaren Lizenzmodells deutlich gesenkt werden.

Außerdem sind Integrationsszenarien eine idealtypische Cloud-Anwendung, für die das Software-as-a-Service-Prinzip (SaaS) wie geschaffen ist. Zum einen wird außerhalb des Monitorings keine eigene (redundante) Datenhaltung benötigt und zum anderen ermöglicht der SAP Cloud Connector die sichere Einbindung in das Firmennetzwerk.

Hinzu kommt der Zusatznutzen durch weitere SAP-Cloud-Platform-Dienste, wie etwa die Nutzung von Fiori-Anwendungen. Unter diesen überzeugenden Voraussetzungen konnte unser erstes SAP-Cloud-Platform-Integration-Projekt gemeinsam mit Dentsu Aegis Network beginnen.

Pikon

Schema der Integrationslösung Ist

Durchführungsphase

In diesem Projekt sollte direkt eine unternehmenskritische Schnittstelle implementiert werden. Es handelt sich hierbei um das Einspielen von Ein- und Ausgangsrechnungen aus einem vorgelagerten Core-System in das SAP-ERP-System.

Die Schnittstelle ist gekennzeichnet durch ein sehr hohes Belegvolumen sowie Fehleranfälligkeiten der bisherigen Lösung aufgrund des schwachen Monitorings, mangelnde Automatisierungsmöglichkeiten wie auch die allgemein bekannten Schwachstellen eines Batch-Input-Verfahrens.

Das Initialsystem dient Dentsu Aegis Network zur Abbildung der gesamten Mediaplanungs- und Mediaabrechnungsprozesse und dient daher als Basis für den Rechnungseingangsprozess und für die Fakturierung an die Kunden.

Da die buchhalterischen Prozesse im SAP-ERP-System laufen, ist eine Verbindung dieser Systeme unumgänglich. Bisher wurde dies erreicht, indem aus dem Fremdsystem Daten auf einem FTP-Server gesichert, von dort aus durch einen Job auf den SAP-ERP- Server kopiert und dort mittels Batch-Input in FI-Belege umgesetzt wurden.

Wie erwähnt lief dieser Prozess mit allen Haken und Ösen eines Batch-Input-Verfahrens. Insbesondere das Monitoring war daher sehr zeitaufwändig. Eines der Hauptziele war daher auch die Automatisierung des Monitoring-Prozesses, vor allem mit Blick auf die Anforderungen der Wirtschaftsprüfer. Dentsu Aegis Network muss neben den üblichen Anforderungen nach deutschem Recht auch die Anforderungen des J-SOX erfüllen.

Zusätzlich war der Know-how-Aufbau und die damit verbundene Flexibilität aufseiten der Dentsu Aegis Network eine weitere Maßgabe für den Projekterfolg. Rein technisch war der Plan schnell aufgestellt: Daten lesen per JDBC-Adapter (JDBC: Java Database Connectivity) aus der Fremdsystemdatenbank, da keine direkte Zugriffsmöglichkeit auf Funktionen des Systems per Web Service oder RFC (Remote Function Call) bestand.

Damit waren die Daten schon einmal in der SAP Cloud Platform und wir konnten die Stärken dieser Plattform in vollem Umfang ausspielen: Datenmapping von einem frei definierten XML-Format in ein IDOC (SAP Intermediate Document) und Senden eines IDOCs an das SAP-ERP-System.

Dies noch gesichert durch den SAP Cloud Connector und fertig war der Plan. Zusätzlich wurden die Mitarbeiter von Dentsu Aegis Network in der neuen Technologie geschult und ab den ersten Konzept- und Implementierungsworkshops eingebunden. Grundsätzlich können wir sagen: Der Projektplan konnte genauso umgesetzt werden.

Relativ schnell wurde klar, dass der JDBC-Adapter durch die SAP leider noch nicht zur Verfügung stand, und daran sollte sich auch bis zum geplanten Projektende nichts ändern. Also konnten wir die direkte Anbindung der externen Datenbank so nicht gewährleisten.

Ein Workaround musste her, sollte das Projekt doch im geplanten Zeitrahmen abgeschlossen werden. Dieser war schnell gefunden: ein SFTP-Server (Secure File Transfer Protocol) als Zwischenlösung, der in einem zweiten Schritt wieder ad acta gelegt und durch die ursprünglich geplante Lösung mit dem JDBC-Adapter ersetzt wird. Auch der RFC-Adapter war zum Projektstart durch die SAP noch nicht verfügbar, sodass wir hier die IDOCs per https an das SAP-ERP-System senden mussten.

dentsu aegis networksap, cloud platform

Es wird hier erkennbar, dass die ein oder andere Funktionalität noch nicht verfügbar ist. Die Roadmap der SAP auf dem DSAG-Jahreskongresses hat allerdings eindrucksvoll gezeigt, dass dieses Problem erkannt ist und mit den regelmäßigen Updates auf monatlicher Basis angegangen wird.

Im Projekt wurden auch die Vorteile einer Cloud-Lösung offenbar. Durch das monatliche (!) Update der Software durch die SAP, ohne dass sich die IT des Kunden um das Einspielen neuer Releases kümmern muss, stehen neue Funktionalitäten schnell zur Verfügung, werden verbessert oder erweitert.

Und das Ganze in einer im SAP-Umfeld so nicht bekannten Geschwindigkeit. So war zum Beispiel der RFC-Adapter während des Projektes verfügbar und konnte genutzt werden, das Key­store-Konzept zur sicheren Verwaltung von Systemzugängen wurde erweitert und war so wesentlich einfacher zu bedienen.

Ein weiterer Vorteil, den wir nutzen konnten, war die Erweiterung der Entwicklungsumgebung im Web, sodass nicht zwingend zusätzlich Eclipse eingesetzt werden musste, was eine Parallelbearbeitung ermöglichte. Die von der Cloud Platform zur Verfügung gestellte webbasierte Entwicklungsumgebung diente von nun an als Basis für die Implementierung.

So konnten die restlichen Aufgaben sehr schnell finalisiert und schrittweise vom Kunden in Eigenregie realisiert werden: Das Datenmapping war komplett im grafischen Editor möglich, die Verbindung via Cloud Connector zum On-premise-SAP-ERP war schnell hergestellt und die ersten IDOCs konnten im SAP-ERP-System geprüft und verarbeitet werden.

Auch die erforderlichen Datenmengen können nun mit der SAP Cloud Platform Integration in Echtzeit ohne Verzögerung oder Fehler in der Verarbeitung problemlos prozessiert werden. Auch bisherige Probleme bei der Datenverarbeitung konnten durch das Nutzen von BAPIs anstelle des Batch-Inputs mit behoben werden.

Nachbetrachtung

Pikon betrachtet Projekte immer auf den Ebenen Mensch, IT und BWL. So wollen wir auch die Nachbetrachtung in diesen Dimensionen vornehmen. Als Fazit muss man sagen: Wir haben auf all diesen Ebenen einen Mehrwert generiert.

Mensch: Durch den Coachingansatz im Projekt haben wir es geschafft, mit unserem Kunden Dentsu Aegis Network gemeinsam dieses Projekt zu realisieren und ihn zusätzlich in die Lage zu versetzen, zukünftig ähnlich gelagerte Anforderungen selbst zu lösen.

Die Sicherheit, die durch das starke Monitoring und Alerting der SAP Cloud Platform im Zusammenspiel mit den weitreichenden Tools im IDOC- Umfeld entsteht, war ebenso ein positiver Faktor wie die Aussicht auf die daraus resultierende deutliche Arbeitserleichterung. Eine starke Eigenmotivation beim Erlernen neuer Technologien und dem Arbeiten mit diesen war eine gute Basis für den Projekterfolg.

IT: Im Umfeld IT haben wir es geschafft, die Schnittstelle zu stabilisieren, ein wesentlich verbessertes Monitoring zu gewährleisten und damit ein stabiles Fundament für viele weitere Schnittstellen auf Basis der SAP Cloud Platform Integration zu legen.

Ein zentraler Punkt für die Implementierung zukünftiger Schnittstellen jeglicher Art. Dies unterstützt wirkungsvoll die Vision von Dentsu Aegis Network, in diesem Bereich agil, flexibel, schnell und sicher zu arbeiten.

BWL: Neben der Stabilisierung kann das Projekt auch eine deutliche Effizienzsteigerung im Bereich des Anwendungssupports vorweisen. Weniger Fehler, weniger Fehlerkorrekturen führen zu mehr Effizienz im Daily Business. So wird Zeit für Wichtigeres frei.

Fazit

Vergleicht man nun die SAP Cloud Platform Integration mit der SAP PI/PO, ergeben sich natürlich Vor- und Nachteile. Uns haben die Vorteile der SAP Cloud Platform überzeugt. Die doch etwas ältere SAP PI/PO hat aktuell naturgemäß noch einen deutlich größeren Umfang an Funktionen und Content.

Dies wird sich jedoch ändern. Die SAP Cloud Platform Integration ist bereits jetzt eine sehr gute Alternative zur SAP PO und wird im Gegensatz zur SAP-internen Konkurrenz SAP PI/PO mit hoher Priorität weiterentwickelt und ausgebaut.

https://e-3.de/partners/pikon-international-consulting-group-pikon-deutschland-ag/

Über den Autor

Daniel Bauer, Pikon

Daniel Bauer ist Bereichsleiter Customer Development bei Pikon Deutschland.

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