MAG 1710 Wirtschaft

Bei jedem Wetter

[shutterstock.com:334006277, theromb]
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Geschrieben von E-3 Magazin

Harvey und Irma haben gezeigt, welche zerstörerischen Kräfte bei Wirbelstürmen freiwerden. Doch auch weniger dramatische Wetterlagen bergen Gefahren in sich. Meteo Protect hat sich vom Start-up zu einem Leading Player in der Absicherung von wetterbedingten Risiken entwickelt.

Herr Koch, Weather Risk Management klingt spannend – wie kam es zur Idee und welche Hürden mussten Sie nehmen?

Michael Koch: Die Idee, Meteo Protect zu gründen, beruht auf der Erfahrung eines unserer Gründer im Bereich Fahrzeugbatterien.

Aufgrund von zwei ausgesprochen milden Wintern kam es zu einem dramatischen Verfall des Absatzes von Fahrzeugbatterien, der schlussendlich zur Insolvenz des Unternehmens führte.

Es war damals schon klar, dass der Klimawandel mit einer deutlichen Zunahme von Wetterschwankungen einhergeht, welche zu unerwartet hohen Umsatz- und Ertragsrückgängen einerseits und kritischen Kostenerhöhungen bei wettersensiblen Industrien führen können.

Aufgrund der in den letzten Jahren beeindruckenden Fortschritte in der Datenverarbeitung sowie in der Modellierung konnte Meteo Protect langersehnte Lösungen zur Absicherung von wetterbedingten Risiken auf Basis einer indexbasierenden Wetterversicherung entwickeln.

Heute ist Meteo akkreditierter Partner von Lloyds im Bereich Absicherung von wet­terbedingten Risiken. Das Start-up hat deutlich zur Entwicklung dieses Marktes beigetragen, welcher zuvor nur sehr eingeschränkt für die Energiewirtschaft in Form von Wetter-Derivaten zugänglich war.

Heute wird unser Markt mit dem Pre-2005-Katastrophen-Markt verglichen, welcher zur damaligen Zeit noch ein immenses Wachstumspotenzial geboten hat.

Michael Koch 1710

Welchen Beitrag leistet SAP Startup Focus?

Koch: SAP hat uns von Anfang an einen umfassenden Zugang zur deren Hana-Technologie ermöglicht. Mithilfe der Experten von SAP konnten wir auch rasch unsere Lösungen auf die äußerst kräftige Analyse- und Datenmanagement-Plattform von SAP migrieren.

Dieser Support hat es uns schlussendlich ermöglicht, in einem ersten Schritt die notwendigen Klimawandelanalysen rasch und problemlos durchzuführen. In einem zweiten Schritt konnten wir auf Basis dieser Erkenntnisse maßgeschneiderte Lösungen zur Absicherung von Wetterrisiken für verschiedenste Anwendungsbereiche entwickeln, welche wir heute in einer Plattform für Versicherungsunternehmen als umfangreiche Gesamtlösung anbieten.

Auf kommerzieller Ebene hat uns SAP von Anbeginn an tatkräftig mit ihren Kontakten im Bereich Versicherungen beziehungsweise Rückversicherungen, Makler, Genossenschaften sowie Corporate Clients massiv unterstützt.

Festzuhalten ist auch, dass diese Kontakte zu einem guten Teil uns deswegen anfänglich vertraut haben, da unsere Lösungen von SAP zertifiziert wurden.

Wettermodelle sind sehr komplex, gerade für Prognosen. Wie funktioniert Ihr Angebot?

Koch: Unsere Lösungen beruhen auf der Analyse der Auswirkungen des Klimawandels auf die spezifischen wetterbedingten Risiken unserer Kunden. Dies setzt ein umfassendes Verständnis der Wetterhistorie für eine enorme Vielzahl von Wetterrisiken voraus, welche einer spezifischen geografischen, Zeit- und Wetterdefinition unterliegen.

Im Grunde genommen muss für jeden Kunden das spezifische Risiko modelliert und abgestestet werden, um die optimal passende Absicherungsvariante und das entsprechende Pricing zu entwickeln.

Wir haben auch eine App in der Hana Cloud entwickelt, welche es den Nutzern ermöglicht, ihre Prämienspezifikationen, die Geo-Lokalisation, die Absicherungsperiode sowie die Wetter-Parameter selbst festzulegen.

Diese Plattform ermöglicht es, die notwendigen Wetterdaten zu aggregieren, Risiken zu analysieren, das Pricing zu ermitteln und schlussendlich eine Polizze zu erstellen – alles in Real Time. Darüber hinausgehend haben wir auch Prozesse und Tools entwickelt, um die Vielzahl an Verträgen zu verwalten und das Exposure für Versicherungen laufend darzustellen.

Welche Rolle spielt dabei SAP und Hana?

Koch: Obwohl die wetterbedingten Anomalien sowohl in ihrer Frequenz als auch in ihrer Intensität in den letzten 20 Jahren sich verdoppelt haben, hat sich die traditionelle wetterbedingte Versicherung größtenteils nicht weiterentwickelt, was sowohl ein großes Problem für die Unternehmen als auch die Versicherer darstellt.

Meteo Protect hat diesen Mangel erkannt und darauf mit der Entwicklung von Absicherungen reagiert, welche maßgeschneidert an die Bedürfnisse eines spezifischen Kunden angepasst werden können.

Um dieses Level an Anpassung zu ermöglichen, nutzt Meteo Protect SAP Hana, um riesige Daten bis zu zwölf Mal schneller abzuloaden als traditionelle Plattformlösungen.

Dies ermöglicht es uns, eine Vielzahl von Szenarien und Polizzen auszupreisen, um unseren Kunden ein Maximum an Flexibilität zu bieten, ohne dass unsere Kosten­struktur beziehungsweise Produktivität negativ davon betroffen wäre. Meteo Protect nutzt die SAP Hana Platform, um bis dato über 100 Billionen Wetterdaten aus verschiedensten Quellen zu aggregieren.

Welche Daten werden verwendet?

Koch: Wir sind bemüht, jene Daten zu nutzen, welche am deutlichsten das Risiko unserer Kunden abbilden. Es sind vor allem Daten von Wetterstationen, Satelliten, aber auch diverse Daten wie Ertrags-, Kosten-, Produktions- sowie Preisstatistiken, welche mit dem Geschäftsfeld unserer Kunden eng verknüpft sind.

Eine der Besonderheiten unserer Vivaldi Platform besteht darin, dass diese sehr limitierte Kunden- oder Userdaten benötigt, um ein Absicherungsprodukt zu entwickeln bzw. anzupassen.

Wir stellen unseren Versicherungspartnern eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Turn-Key-Lösung zur Verfügung, mit deren Hilfe diese größtenteils unabhängig von unserer Mithilfe eigene Produkte entwickeln können, welche mit nur ein paar Klicks an die speziellen Bedürfnisse ihrer individuellen Kunden angepasst werden können.

Mithilfe einer simplen API-Schnittstelle können das Kundenmanagement, das Reporting und die entsprechenden Transaktionen ohne sonstige größere Investitionen in die Infrastruktur unserer Partnern übernommen werden.

Was sind die nächsten Schritte?

Koch: Unser nächster Schritt ist in Richtung verstärkter Nutzung der IoT-Technologie zur Generierung noch präziserer Daten, um Unternehmen in verschiedensten Wirtschaftszweigen und Risikozonen die besten Absicherungen gegen wetterbedingte Risiken anbieten zu können.

Wir sind bemüht, durch die laufende Verbesserung unserer Produkte und die kontinuierlichen Anpassungen an den Klimawandel unseren Kunden immer feiner angepasste Absicherungslösungen in diversesten Industrien weltweit anbieten zu können.

Kurzinterview mit Manju Bansal

Manju Basal 1710

Herr Bansal, was genau ist Ihre Aufgabe beim SAP-Startup-Focus-Programm?

Manju Bansal: Als Vizepräsident & Global Head des SAP-Startup-Focus-Programms habe ich das Privileg, ein Team von intelligenten, motivierten und talentierten Kollegen zu führen, um ein lebendiges Ökosystem für Innovation zu ­entwickeln, das sich auf Startups konzentriert.

Jeden Tag hört man von jungen Startups, die den Status quo stören und dabei ganze Branchen aufbauen. In einer globalisierten, hyperkonkurrierenden Welt scheinen die alten Regeln nicht mehr zu gelten und „innovate or lose“ ist die Norm geworden, sogar für etablierte Unternehmen mit dominanter Marktpräsenz.

Allerdings ist Innovation ein kniffliges Konzept, das nicht einfach zu liefern ist. SAP ist engagiert, den beständigen Erfolg seiner Kunden zu unterstützen, und wir tun das durch den Aufbau eines Netzwerks von Startups der nächsten Generation, die innovative Lösungen haben, die unseren Kunden helfen können, in ihren Märkten zu gewinnen.

Daher ist es unsere Aufgabe, der Welt zu zeigen, wo diese nächste Generation an Innovationen (d. H. In der Start­up-Community) am dringendsten gebraucht und hoch geschätzt wird (d. H. bei unseren großen Unternehmenskunden). Einfach gesagt: Wir helfen, Innovationen in das Unternehmen zu bringen.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie konfrontiert?

Bansal: Es gibt externe und interne He­rausforderungen. Extern: Dies ist der Teil, an dem wir als Team mit individuellen Startups und dem größeren Start­up-Ökosystem arbeiten. Hier ist unsere He­rausforderung, Startups zu überzeugen, mit uns zusammenzuarbeiten und ihre Lösungen auf unserem Technologie-Stack zu bauen.

Trotz der Tatsache, dass unser Programm 100 Prozent kostenlos ist, sind Startups vorsichtig, es sich mit einem Technologieanbieter zu eng zu richten, um ihre Zugehörigkeit zu anderen nicht zu riskieren.

Was uns hilft, diese He­rausforderung hier zu lösen, ist ein angemessener Ansatz, der die Notwendigkeit der Startups zuerst setzt. Wenn wir uns zu sehr auf den Verkauf unserer Technologie konzentrieren, riskieren wir, die Startups zu verscheuchen.

Stattdessen haben wir den Fokus darauf, wie SAP unseren Kunden hilft und wie die Innovation vom Start­up in diese Erzählung passt. Wir arbeiten mit Startups in 65+ Ländern, und ihnen nahezubringen, wer wir sind und was wir tun, ist ein integraler Bestandteil unserer Arbeit.

Außerdem arbeiten wir eng mit einer ganzen Reihe von internen Stake­holdern und Kollegen zusammen. Die Verantwortung liegt in unserem Team, dass wir gemeinsam in einem breiten Spektrum von Funktionsbereichen innerhalb von SAP zusammenarbeiten und so unsere Startups für langfristigen Erfolg positionieren.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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