Die Meinung der SAP-Community E-Commerce Kolumne MAG 1710

Das gallische Dorf

Shopping Cart and Stars
Geschrieben von Michael Kramer, IBM

Wir befinden uns im E-Commerce-Zeitalter x Jahre von heute. Der ganze Handel ist von einem einzigen Handelsunternehmen dominiert. Der ganze Handel?

Nein! Eine von unbeugsamen Händlern bevölkerte Stadt hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Im Original sind es die unbeugsamen Gallier. Die letzten Tage ging durch die Presse, dass Günzburg mit seinem „Wir in Günzburg“-Projekt Amazon den Krieg erklärt hat.

Die Einschätzung geht natürlich fehl. Spannend ist das Projekt trotzdem. Ich bin sicher, spezielle E-Commerce-Projekte werden ihre Nischen finden. Hier geht es um ein Local-Commerce-Modell.

Alleine in DACH gibt es schon über 50 solcher Zusammenschlüsse lokaler Händler von Albstadt bis Zürich. Solche Modelle erlauben verschiedene Ausprägungen. Händler können die gemeinsame Plattform in der minimalen Ausbaustufe als reines Schaufenster verwenden.

Kunden sehen das Angebot, welches sie im Laden kaufen können. In einer großen Ausbaustufe werden die offline oder online bestellten Waren am selben Tag mit verfügbaren Fahrzeugen wie Taxis zum Kunden nach Hause gebracht.

Nun ist bekannt, dass man niemanden überholen kann, in dessen Schuhstapfen man läuft. Der Nutzen von Local Commerce ist hoch, wenn die Ziele richtig gesetzt werden.

Local Commerce kann das richtige Einkaufserlebnis setzen: den Kunden beraten, wenn er die Zeit dafür hat. Je nach Freigabe kann sich der Händler vorab informieren, was der Kunde online gesucht hat. Er wird offline beraten und die betrachteten Waren werden am selben Tag nach Hause geliefert.

Durch das Bewerben des Portals werden auch die lokalen Händler bekannt gemacht. Im Marketing kann eine E-Commerce-Initiative mit einfachen Mitteln mehr bieten als überregionale Onlinehändler.

Mit Nutzung von lokalen Medien, Vereinen und anderen Händlern entsteht eine Interessengemeinschaft. Übrigens ist eine Local-Commerce-Plattform auch nutzbar für lokale Dienstleistungen.

Auch eine Verknüpfung der Angebote mehrerer Händler ist machbar, wie auch Bonuskarten, lokale Angebote und individuellerer Service. Im Fall Günzburg entwickelt sich das Portal auch als Motor für den Tourismus und die Außendarstellung der Stadt.

Die technische Basis muss ein einfach anzubindendes System sein, das mit den Warenwirtschaftssystemen der Händler zusammenarbeitet, egal ob es sich „nur“ um ein Kassensystem handelt oder ein SAP-System. Auch die Bedienung und das Anbinden von Bildern, Produktinformationssystemen, Preisaktionen und Änderungen muss einfach sein.

Das gallische Dorf Aremorica ist einer der bekanntesten französischen Orte. Leider gibt es ihn nicht wirklich. Er wäre in der Bretagne angesiedelt, interessanterweise in der Nähe eines Areals mit Tausenden Hinkelsteinen, was wiederum etwas irritiert. Günzburg gibt es dagegen schon. Das lässt hoffen.

Über den Autor

Michael Kramer, IBM

Michael Kramer ist Channel Sales Leader DACH bei Cognitive Engagement Solutions - Watson Commerce & Marketing.

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