Editorial

[shutterstock:379587745, Brian A Jackson]

Early-Adopter-Dilemma

Die Letzten werden die Ersten sein. Die letzten R/3-Anwender, die jenseits von 2020 die versprochene Hana customizen, bekommen eine ausgereifte, stabile Version X. Alle anderen sind Versuchskaninchen.

Gefragt nach dem Potenzial von S/4, antwortet SAP-Chef Bill McDermott: „Gewaltig!“ Nach seiner Meinung steht SAP am Beginn eines einmaligen digitalen Erfolgs, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen wird.

McDermott bestätigte in einer Telefonkonferenz im Juli dieses Jahres, dass seine Gesprächspartner bei den globalen Unternehmen die SAP’sche „Run Simple“-Strategie nachfragen und begrüßen. Und er bestätigte, dass die existierenden S/4-Kunden naturgemäß zu den Early Adopters zu zählen sind – man steht erst am Beginn dieser gewaltigen, erfolgreichen digitalen Transformation!

Auch SAP-Finanzvorstand Luka Mucic definierte in derselben Pressekonferenz das neue ERP-Produkt „S/4“ als „Baby“, das noch großartig wachsen und der SAP viele Erfolge bescheren wird.

Der Umkehrschluss zu der euphorischen S/4- und Hana-Wachstumsprognose von CEO Bill McDermott und CFO Luka Mucic ist ernüchternd: Was der SAP-Chef als Early Adopters bezeichnete, sind in der gelebten ERP-Praxis die Versuchskaninchen der unfertigen ERP-Suite S/4.

Dieses desaströse Bild wird durch zahlreiche Experten aus der SAP-Community bestätigt: SAP entwickelt neue Software und verwendet die Bestandskunden als Versuchslabor.

Dieses desaströse Bild wird durch zahlreiche Experten aus der SAP-Community bestätigt: SAP entwickelt neue Software und verwendet die Bestandskunden als Versuchslabor. Die Datenbankplattform Hana soll im Durchschnitt zwei- bis dreimal pro Monat zum Stillstand kommen – Ursache unbekannt.

Ähnlich instabil läuft S/4, das zusätzlich durch eine inkonsistente „Simplification List“ viele betriebswirtschaftliche Funktionen vermissen lässt. (Mit der SAP’schen Simplification List soll es Bestandskunden möglich sein, das Funktionsdelta zwischen Business Suite 7 und S/4 zu beschreiben.)

Nichts ist gegen die Vision und den Erfindergeist von Professor Hasso Plattner einzuwenden. Seine Arbeiten am Hasso- Plattner-Institut der Universität Potsdam zur Vorbereitung von Hana waren genau richtig und perfekt!

Aber zu diesem Zeitpunkt war SAP in der Krise. Im Vorstand herrschte Panik. Man brauchte Erfolge und man hatte keine Zeit, eine sehr gute Idee reifen zu lassen. Somit kam die Datenbank und Plattform Hana viel zu früh auf den Markt – die Bestandskunden wurden zu Versuchskaninchen: Wer sich früh für SoH (S/7 auf Hana 1) entschied, steht heute vor dem Dilemma, weil es wahrscheinlich keinen Migrationspfad von Hana 1 zu Hana 2 bezüglich der Business Suite 7 geben wird.

Die bittere Erkenntnis: S/7 muss mit Hana 2, wenn von SAP freigegeben, neu aufgesetzt werden – dann kann ein Datentransport von SoH 1 auf SoH 2 eingeleitet werden.

Die bittere Erkenntnis: S/7 muss mit Hana 2, wenn von SAP freigegeben, neu aufgesetzt werden – dann kann ein Datentransport von SoH 1 auf SoH 2 eingeleitet werden. Hier stellt sich natürlich die Frage: Warum nicht gleich auf H 3, H 4 oder H X warten?

Um 2025 erwarten viele IT-Experten die erste umfassende und stabile Hana-Version. Leider geben die SAP’schen Roadmaps keine Auskunft über eine Zukunft jenseits von Hana 2.

Tatsache hingegen ist, dass die Early Adopters mit Hana 1 heftig gegen die Wand gefahren sind und SAP diesen Umstand nicht einmal negiert: McDermott sieht somit zu Recht ein gewaltiges Potenzial noch „vor sich“ liegen – jenseits 2025 – und sein CFO Luka Mucic betrachtet die aktuelle Situation von S/4 und Hana als „Baby“, das sich noch prächtig entwickeln wird.

Hätten die Bestandskunden gewusst, dass sie sich mit Hana und S/4 einen Kindergarten anschaffen und keine fertig ausgebildeten Akademiker, dann gäbe es momentan weniger Systemabstürze.

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