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Die digitale Tulpenzwiebel

Um 1630 wollte in den Niederlanden jeder mit Tulpenzwiebeln Geld verdienen. Wer sie für utopische Preise kaufte, war dumm. Aber clever, wenn er sie teurer an einen noch Dümmeren weiterverkaufte.

Die Blase platzte 1637, als für EINE Zwiebel umgerechnet 87.000 Euro bezahlt wurden. Woran erinnert Sie das? Wenn Sie an meine letzte Kolumne denken, fallen Ihnen sicher die Kryptowährungen ein. Ich habe für Sie noch einmal verglichen: Die Marktkapitalisierung der erfassten Werte auf www.coinmarketcap.com stieg in den beiden letzten Monaten auf 138 Mrd. USD (von 111), Bitcoin auf 70+5 (von 48).

In der Zwischenzeit hat sich Bitcoin gespalten, demokratisch so entschieden von den Marktteilnehmern. Noch steigen die digitalen Tulpenzwiebeln also im Preis.

Ob Bitcoin und Co. in der bestehenden Form sich mittelfristig halten, ist offen. Interessant für E-Commerce ist die Technik dahinter. Blockchains sind von jedem einsehbare Transaktionslisten. Die Ablage ist dezentral, also schnell und fälschungssicher.

Die Marktteilnehmer agieren anonym und identifizieren sich nur mit einer digitalen Signatur. Da in den Transaktionslisten alle Transaktionen fortlaufend niedergeschrieben werden, wird die Liste immer länger.

Daher wurde Bitcoin in zwei Währungen geteilt (die neue arbeitet nach SegWit2x). Gegen heutige Kryptowährungen spricht: Sie sind durch ihre Anonymität grundsätzlich anarchisch aufgebaut und umgehen staatliche Kontrolle.

 

Hier kann es zu Verboten oder Regulierungen kommen. Wie 1637, als die niederländische Regierung einschritt. Oder Marktteilnehmer verweigern sich: So hat die Handelsplattform Coinbase angekündigt, Bitcoin Cash nicht zu unterstützen. Freier Warenaustausch ist nur mit frei verfügbaren Währungen möglich. Die zweite Einschränkung liegt in der Praktikabilität.

Allerdings lösen inzwischen Start-ups die Einschränkungen wie Transaktionsdauer, Währungsschwankungen und Verfügbarkeit in Form von Bargeld. Die Frage der letzten Kolumne war, ob Kryptowährungen den Online-Handel unterstützen.

Kurzfristig sehe ich wenig Einfluss. Die Umsätze mit Kryptowährungen sinken aktuell. Mittelfristig sind sie unterstützend. Langfristig macht Blockchain als Technologie Teile des Handels und des Clearings (Banken) überflüssig. Sichere Transaktionen werden vermehrt zwischen den Marktteilnehmern direkt stattfinden. Ein Beispiel:

Das Wachstum von Uber, Airbnb oder HRS war nur möglich, da diese Anbieter eine gut funktionierende Plattform anbieten, selber aber keine Autos, Hotelzimmer oder Privatunterkünfte betreiben. Was, wenn sich die Marktteilnehmer direkt abstimmen? So gesehen sind die Kryptowährungen spekulativ, die dahinter liegende Blockchain-Technologie disruptiv.

Der Spruch „Die Revolution (ist wie Saturn), sie frisst ihre eigenen Kinder“ stammt von P. Vergniaud. Er wurde ca. 120 Jahre nach dem Platzen der Tulpenblase geboren. Zumindest Revolutionen wären heute disruptiv.

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