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Die Zukunft ist bunt – Datenbank-Roundtable mit IBM und Oracle

[shutterstock.com:390489310, stockphoto-graf]
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Geschrieben von E-3 Magazin

Eine Monokultur kann es in der SAP-Community nicht geben. Der Erfolg von SAP beruht auf einem einzig­artigen Partner-Ecosystem, dazu gehören auch die Datenbankanbieter IBM und Oracle. Die SAP-Bestandskunden haben immer die Wahlmöglichkeit bevorzugt.

Dieser Artikel steht im unteren Teil der Seite auf Englisch, Spanisch Chinesisch und Japanisch zum Download zur Verfügung. (Kostenlos)

Weltweit ist die Vielfalt und Stärke der SAP-Community einzigartig. Die Mischung aus stringentem betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Wissen mit einer großen Vielfalt an IT-Architekturmodellen hat die SAP-Lösungen erfolgreich gemacht.

Der SAP-Anwender hatte immer eine Wahlmöglichkeit hinsichtlich Infrastruktur, Betriebssysteme, Speicher, Datenbanken und Middleware. Diese Freiheitsgrade förderten den Wettbewerb und ermöglichten immer passgenaue Lösungen.

Die SAP Business Suite auf AnyDB – Oracle, IBM DB2, Microsoft SQL-Server, Sybase oder Hana – ist das Referenzmodell für betriebswirtschaftliche Standard-Software.

Und kaum jemand will daran etwas ändern – außer SAP selbst. Auch die SAP-Bestandskunden in Deutschland, der Schweiz und Österreich, organisiert in der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG e.V.), halten großteils an dem klassischen Modell fest, wie eine Umfrage vor 18 Monaten ergeben hat.

Dazu sagt der DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck:

„DSAG-Mitglieder haben großes Know-how im Bereich der Business Suite aufgebaut und vertrauen darauf, damit ihre Prozesse heute und in Zukunft effizient und möglichst vollständig abzubilden. Trotz innovativer Produkte muss die Zukunftssicherheit bei der Business Suite bestehen bleiben,“

Aufgrund der bekannten Pläne von SAP, bis 2025 eine Monokultur auf Basis von S/4 und Hana einzuführen, entstehen berechtigte Sorgen in der SAP-Community.

Strategische Relevanz

Das E-3 Magazin hat IBM und Oracle zu einem Datenbank-Roundtable in die Redaktion nach München eingeladen. Es diskutierten Martin Mezger, SAP Business Development Executive – IBM Analytics, und Gerhard Kuppler, Vice President SAP Alliances, Oracle Corporation, mit Chefredakteur Peter M. Färbinger.

Welche Optionen und welche Strategie hat der SAP-Bestandskunde in den kommenden Jahren? Denn ein von der DSAG e.V. veranstaltetes Hana-Symposium zeigt einen desaströsen Zustand der momentanen Entwicklung der In-memory-Computing-Datenbank Hana von SAP.

Mit monatlichen Updates und Fehlerbehebungen versucht man der Situation gerecht zu werden, aber die Bestandskunden sind aufgrund des fehlerhaften Hana-Software-Codes völlig überfordert.

Über Alternativen zu S/4 und Hana wird somit intensiv diskutiert – auch auf dem E-3 Datenbank-Roundtable:

Herr Gerhard Kuppler, die Datenbankpartnerschaft mit SAP währt nunmehr seit fast 30 Jahren. Was bedeutet das für Oracle sowie für die SAP-Bestandskunden?

Gerhard Kuppler, Oracle: Erstens ist es unsere Absicht, nach wie vor die Zehntausenden SAP-on-Oracle-Datenbankkunden mit besten Technologien zu beliefern.

Unsere gemeinsame Arbeit war seit jeher von einem ständigen Wunsch geprägt, den gemeinsamen Kunden effiziente Service- und Support-Lösungen für ihre Applikationsanforderungen zur Verfügung zu stellen. Und zwar, um Kunden einen zusätzlichen Nutzen und einen optimalen Schutz ihrer Investitionen zu bieten.

Zweitens, die kontinuierliche Zusammenarbeit verfolgt das Ziel, optimierte Datenbanktechnologien für unternehmenskritische Anwendungsumgebungen zur Verfügung zu stellen, die den Einsatz von SAP sicherer, zuverlässiger und hoch skalierbar machen sowie für die Cloud vorbereiten.

Und drittens, SAP profitiert von einer sehr erfolgreichen Service- und Supportpartnerschaft mit der Oracle Corporation – wobei dies in erster Linie den gemeinsamen Kunden zugutekommt.

Die Oracle-Teams in Walldorf bzw. St. Leon-Rot, die mit den SAP-Kollegen im Support, Development und im Alliance Team eng zusammenarbeiten, sind sozusagen eingespielte Teamplayer.

Zusammengefasst heißt das für die SAP-Community?

Kuppler: Oracle ist einer der wichtigsten Infrastruktur-Technologiepartner, die an der Entwicklung und am Erfolg von SAP R/3 maßgeblich beteiligt waren.

SAP begann 1988 mit der R/3-Entwicklung. Die Datenbanktechnologien von Oracle und die SAP-Applikationen sind sehr eng miteinander verbunden und optimal aufeinander abgestimmt.

Wir haben es geschafft, unsere Oracle-Datenbank-Technologien als Nummer-eins-Datenbank unter SAP-Kunden rund um den Globus zu etablieren. Die sehr große gemeinsame Kundenbasis erwartet einen Kostenvorteil von unseren beiden Unternehmen; also Technologien, die auf lange Sicht erstklassig zusammenarbeiten.

Die Oracle Corporation setzt beim SAP Headquarter in Walldorf und in St. Leon-Rot, Palo Alto und Tokio eine beträchtliche Menge an Support-Ressourcen ein, um eine sichere, zuverlässige und skalierbare Datenbank-Nutzung zu gewährleisten.

Gerhard Kuppler

Herr Martin Mezger, die IBM’sche Datenbankpartnerschaft mit SAP ist nur unwesentlich kürzer im R/3-Umfeld, im R/2-Umfeld natürlich noch länger – wie beurteilen Sie diese Zeit für IBM-Kunden?

Martin Mezger, IBM: Wir haben unsere seit vielen Jahrzehnten gewachsene Partnerschaft konsequent auf Kundennutzen ausgerichtet. Bereits nach der Gründung der SAP durch ehemalige IBM-Mitarbeiter war das SAP-Produkt R/2 für den Betrieb auf Mainframe auch mit DB2 ausgelegt.

Bei den Nachfolgeprodukten R/3 und SAP Business Suite wurde speziell im Datenbank-Umfeld viel in die gemeinsame Entwicklung investiert, auch um DB2 für den Einsatz für SAP-Software zu optimieren.

Ich kann bestätigen: Das setzt sich fort. Mit unseren aktuellen Investitionen in die DB2-Entwicklung haben wir die Zukunft der SAP-Kunden im Blick. Natürlich hat jede Partnerschaft ihre Höhen und Tiefen, von denen sich unserer Kunden nicht beirren lassen sollten.

Mit Hana als Datenbank und speziell mit S/4 hat SAP faktisch die eigenen Lösungen zur AnyDB-freien-Zone erklärt. Wie geht ein langjähriger enger SAP-Wegbegleiter wie IBM und Oracle damit um?

Mezger: Die Ausrichtung auf eine pro­prietäre Strategie halten wir langfristig für falsch. Das haben wir bei IBM schon verstanden. SAP hatte bisher ein gutes Gespür für Wettbewerb und die Vorteile, die SAP-Kunden dadurch erhalten. Es gab ein Partner-Ökosystem, mit dem gemeinsam immense Werte geschaffen wurden.

Ist das jetzt noch so? Mittlerweile spricht die SAP über Partner, behandelt diese überwiegend als „routes-to-market“.

Immerhin ist SAP für IBM ein wichtiger Partner, nicht nur im Datenbankmarkt?

Mezger: Was DB2 angeht, stehen wir zu unseren Kunden: Wir sind jederzeit bereit, in weiten Bereichen mit SAP zu kooperieren, und unsere Investitionen sind auf diese neuen Felder ausgerichtet, auch weil die Kooperationen mit anderen ERP-Anbietern von den neuen Investitionen in DB2 genauso profitieren.

Kuppler: Mehr als zwei Drittel der Mid­size- und High-End-SAP-Kunden haben ihre SAP-Anwendung auf Oracle laufen und vertrauen Oracle-Technologien. Somit sind Oracle-Datenbanken im SAP-Umfeld faktisch „gesetzt“.

Beide Konzerne – Oracle Corporation als auch SAP – haben logischerweise eine gemeinsame Verantwortung gegenüber der überwältigenden SAP-Kundenbasis, die auf Oracle-Datenbanktechnologien vertraut.

Und muss man nicht auch über die SAP-Grenzen hinwegschauen?

Kuppler: Ja, praktisch alle SAP-Kunden greifen auf ganz unterschiedliche Non-SAP-Applikationen zurück. Das bedeutet, selbst wenn ein SAP-Kunde etwa sein Business Warehouse in Richtung Hana migriert, verwendet er nach wie vor Oracle-Datenbanken, um andere Applikationen zu nutzen.

Darüber hinaus hat Oracle eine sehr große Verbreitung mit anderen Applikationen in genau diesen und anderen Märkten.

Und wie steht es um die Marktanteile?

Kuppler: Mit dem Markteintritt von Hana, auch in Verbindung mit der Sybase-Übernahme, gab SAP das Ziel aus, zur Nummer zwei im weltweiten Datenbankmarkt zu avancieren.

Das ist nun bereits mehrere Jahre her. Markterhebungen von Gartner zum weltweiten Datenbankmarkt zeigen, dass SAP davon nach wie vor sehr weit entfernt ist, über den SAP-Markt hinaus im Datenbankmarkt mit Hana zu punkten.

Tatsache ist: Oracle ist erwiesenermaßen nach wie vor unangefochtener Marktführer im weltweiten Datenbankmarkt. Hana ist eine SAP-proprietäre Umgebung und die Kunden wollen Offenheit.

Mezger: Ich finde, genauso wichtig ist es, an die überwiegende Mehrheit der existierenden SAP-Kunden zu denken. Also die Kunden, die die Business Suite im Einsatz haben und am technologischen Fortschritt partizipieren möchten, ohne die Vernichtung von Mannjahren an Beratungsleistungen in ihre Systeme vor Ort zu riskieren.

Ich denke hier an die großflächigen Anpassungen, die SAP-Kunden für ihre Systeme durchführen müssen, um angepasste Funktionalitäten für ihr individuelles Geschäftsmodell zu erhalten.

In diesem Bereich haben wir viel geleistet, wie mit DB2 BLU im SAP-BW-Umfeld, das ist unsere In-memory-Technologie.

Mit unserer neuen HTAP-Strategie, Hybrid Transactional Analytical Processing, haben wir noch einiges vor. Wir setzen auf die hybride Datenbank, die transaktionale als auch analytische Workloads gleich gut kann – also DB2 mit HTAP.

Das ist Teil unserer Roadmap und ist unser Ansatz für Kunden, die direkt auf ihrer Business Suite komplexere analytische Abfragen ausführen wollen.

Wir sind der Ansicht, dass es Vorteile bringt, wenn Kunden durch HTAP ihre seit vielen Jahren auf ihre speziellen Geschäftsanforderungen angepasste Business Suite beschleunigen können. Und zwar ohne radikale Änderungen in der Systemarchitektur.Metzger Faerbinger

Marketing- und vertriebstechnisch führt SAP seine Bestandskunden seit geraumer Zeit in Richtung Hana oder Hana-basierte Systeme wie S/4. Herausgestrichen werden vom Walldorfer Softwarekonzern die Erfolge, die man erzielt habe. Was ist die Wahrnehmung von Oracle aus dem Kreis der SAP-Bestandskunden?

Kuppler: Welches der vielen Hana ist damit gemeint? SAP NetWeaver BW oder SAP BW/4 Hana, Business Suite on Hana oder S/4 Hana?

Die SAP-Kunden sind verunsichert! Sie wissen im Augenblick nicht, wohin die Reise geht. Es wurde jahrzehntelang in Oracle-, Microsoft- oder IBM-Datenbanktechnologien investiert – und nun soll es künftig nur noch eine Datenbank geben?

Kundenprojekte werden hinausgezögert und oftmals ist – nicht zuletzt aufgrund des erzeugten starken Drucks durch den SAP-Vertrieb – Hana zwar „erfolgreich“ beim Kunden verkauft, aber weder produktiv gesetzt noch im Planungsrahmen für die nähere Zukunft etabliert.

SAP war immer eine offene Technologie, die nun durch Hana und insbesondere durch S/4 sozusagen „geschlossen“ wird – sogenanntes Vendor-Lock-in.

Mezger: Wir sehen das marktübliche Bild: Einerseits gibt es die Kunden, die etwas anderes ausprobieren möchten, und es gibt sehr viele Kunden, die sich auf ihr eigenes Business konzentrieren und erwarten, dass sich ihre IT-Partner dementsprechend ausrichten.

Immerhin besteht durch Wartungszahlungen auch ein unmittelbarer Anspruch der Kunden auf Innovation im existierenden Produkt. Wir sehen das mit DB2 zumindest so.

Aus dieser Haltung entstehen die DB2-Roadmap und die Bereitschaft, in regelmäßigen Abständen die DB2-Welt mit unmittelbar nutzbaren Innovationen zu versorgen.

Ein Beispiel hierfür ist die sehr hohe Verfügbarkeit durch DB2-pureScale-Systeme für eine 24/7 Datenverfügbarkeit, die mit DB2 V11.1 noch einfacher im SAP-Umfeld einsetzbar ist. Und das ohne Kostenexplosion.

Und wie steht es um die Innovationen beim Anwender selbst?

Mezger: Dieser Punkt ist mir genauso wichtig. Der von Ihnen erwähnte vertriebsgesteuerte Ansatz der SAP führt viel zu oft dazu, dass ganz einfach das Thema verfehlt wird.

Wie soll ich mich als Mittelstandskunde oder DAX- oder Swiss-Market-Index-Konzern-Entscheider orientieren, wenn ich mein Busi­ness fit für die Zukunft machen will?

Hier geht es um eine Innovationsagenda, die viel mehr von kognitiven Systemen geprägt ist, vom Internet of Things, von neuen agilen Dev- Ops-getriebenen Software-Projekten, von mobilen Endgeräten und so weiter.

Hier beliefert IBM die Industrie bereits mit Watson-Lösungen, mit Watson IoT, mit IBM Bluemix – in der Cloud aber übrigens auch on premise. Oder aktuell mit neuen IBM-Produkten und Projekten im Bereich des maschinellen Lernens.

All diese Themen ermöglichen unseren Kunden eine ganz neue Agilität.

Wir sehen: Sich nur auf ein Produkt zu konzentrieren klappt vielleicht in anderen Märkten, in unseren deutschsprachigen und anderen hochentwickelten Märkten findet man da kein Gehör…

Mehrfach haben SAP-Anwendervereinigungen wie etwa die DSAG gefordert, S/4 auch für andere Datenbanken verfügbar zu machen; damit Bestandskunden in der Lage sind, ihre Investitionen in beispielsweise Oracle- und IBM-Technologien zu schützen. Wie ist der Stand der Dinge?

Mezger: Meiner Meinung nach ist SAP in diesem Bereich wohl sehr schnell vorangeprescht. Und hat bisher die Chance nicht genutzt, ihre Datenbankpartner einzubeziehen.

Bei Innovationen zählt jedoch immer noch der Wettbewerb als unmittelbare Messgröße. Diesem Wettbewerb stellt sich IBM als Datenbankanbieter aktiv und die DB2-Leistungsfähigkeit kann öffentlich anhand von DB2-Benchmarks verifiziert werden.

Bei SAP kann man aus einer großen Auswahl von Datenbank-Angeboten auswählen, solange sie nur Hana heißen. Das sollte niemandem gefallen. Bei fehlendem Wettbewerb sind SAP-Kunden und letztendlich die Verbraucher die Leidtragenden.

Deshalb sage ich, Kunden- und Interessenvereinigungen spielen bei der Beeinflussung von Produktstrategien eine wesentliche Rolle. Die Benutzervereinigungen müssen aktiv ihre Bedürfnisse widerspiegeln und ihr Gewicht als Marktteilnehmer nutzen, sonst haben sie ihre Rolle verfehlt.

Bei DB2 klappt diese Einflussnahme sehr gut. Wir haben eine vitale DB2-Community, besonders auch in der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). Dafür sind wir unseren Kunden sehr verbunden!

Kuppler: Mit der Zeit haben sich die SAP-Usergroups weltweit offensichtlich emanzipiert. Nach und nach wurden kritischere Töne in der Community vernehmbar, die offensichtlich beim SAP-Vorstand aufgeschlagen sind.

Meine Einschätzung ist, dass der Tenor der DSAG in Deutschland und vor allem der ASUG in den USA weiterhin in das gleiche Horn blasen wird, das da lautet: S/4 AnyDB!

Beim Launch von Hana respektive S/4 wurden Bestandskunden mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Markt wird über die Zukunft der „neuen“ SAP-Technologien entscheiden.

Wenn die Umwandlungsgeschwindigkeit von AnyDB nach Hana beziehungsweise S/4 im gleichen Tempo weitergeht wie bislang, gehe ich von einem De-Support des SAP-NetWeaver-Stacks nach 2030 aus.

Mit der Database Oracle 12c stellt Oracle ebenfalls wie Hana In-memory-Funktionalität bereit. Wie nehmen SAP-Oracle-Bestandskunden diese Option auf?

Kuppler: Oracle Database In-memory hat sich vielfach bewährt. In einem – von SAP nicht zertifizierten – Benchmark hat diese Option bewiesen, dass sie die mit Hana erzielten Werte übertrifft.

Darüber hinaus erspart sich der SAP-Kunde, der Oracle Database In-memory einsetzt, teure neue Hardware, aufwändige Migrationen sowie die zweite Datenbanklizenz.

Im Non-SAP-Umfeld wird Oracle In-memory sehr oft und seit Längerem zur großen Zufriedenheit der Kunden eingesetzt – natürlich auch von SAP-Kunden, siehe die Kundenvorträge zu den DSAG-Technologietagen in Mannheim dieses Jahr sowie zu Asug/Sapphire Orlando im Mai 2016.

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass SAP-Kunden Tausende von Modifizierungen im SAP-NetWeaver-Stack gemacht haben. Diese laufen jetzt mit Oracle Database In-memory hoch performant – ohne eine einzige Code Änderung – und zwar auf OLTP und BW.

Schon 2013 führte IBM mit DB2 Blu eine spaltenorientierte Version ihrer Datenbank ein. Wie wurde diese Technologie im SAP-Markt aufgenommen?

Mezger: Die DB2-Blu-In-memory-Technologie wurde tatsächlich vom Markt sehr schnell und umfassend angenommen, da wir auf die sofortige Nutzung in existierenden SAP-Anwendungen geachtet haben.

Blu ist bereits Bestandteil der DB2-AESE-Lizenz, deshalb setzen mittlerweile sehr viele DB2-Kunden die Blu-In-memory-Technologie ohne weitere Lizenz- und Wartungskosten ein.

Wir erhalten viele positive Rückmeldungen und investieren aktiv in die Weiterentwicklung der Technologie als Teil unserer DB2-Road­map, auch im Hinblick auf SAP Core Data Services.

Und die Lizenzkosten?

Mezger: Aus meiner Sicht sind Lizenzkosten nur ein Teil der Gesamtkosten, deshalb ist es unser Ziel, Kunden-Investitionen zu schützen und Innovationen mit möglichst geringem Ressourcen-Aufwand zu ermöglichen.

Zusätzliche Aufwände für den SAP-Systembetrieb versuchen wir mit DB2 zu minimieren, existierende Hardware kann überwiegend weiterverwendet werden. Der Kunde hat die Wahl, die Blu-In-memory-Technologie auf Windows, Linux oder AIX einzusetzen.

Ähnliche Möglichkeiten bieten wir auch mit DB2 zOS auf Mainframes. Unsere Kunden bestätigen uns Beschleunigungen von Faktor 55 für SAP-BW-Abfragen und hohe Platzeinsparungen durch effiziente Komprimierung von zusätzlichen 63 Prozent auf bereits komprimierten Daten bei attraktiven Lizenz- und Betriebskosten.

Das ist der Vorteil des offenen Wettbewerbs, und das ist meine Aufforderung an die Community: Vergleichen Sie!

Faerbinger

Die Deadline für die SAP-NetWeaver-basierte Business Suite mit der Verwendung von AnyDBs hat SAP benannt. Demnach soll die Suite auf AnyDB nach 2025 nicht mehr unterstützt werden. Was passiert bis dahin, was können die Kunden unternehmen Ihrer Meinung nach?

Kuppler: SAP hat mit dem De-Support-Datum eine gewisse Marke gesetzt. Wie bereits ausgeführt: Der Markt wird entscheiden, ob die Ziele mit 2025 erreicht werden oder nicht.

Wenn sich die Umwandlungsrate von AnyDBs zu Hana bzw. S/4 nicht nachhaltig beschleunigt, ist von einem wesentlich späteren Zeitpunkt auszugehen.

Was sind Ihre Pläne?

Kuppler: Oracle wird auf jeden Fall die SAP Business Suite oder SAP BW so lange supporten, wie SAP dies beabsichtigt. Oracle kann bestätigen, dass SAP ebenfalls in der Lage sein wird, die Oracle-Datenbank für SAP-Kunden bis 2025 und darüber hinaus zu supporten.

SAP wollte mit Hana diverse Applikations-Alleinstellungsmerkmale schaffen, also Funktionalitäten, die ausschließlich Hana-Nutzern zugutekommen. Fakt ist, dass SAP-Kunden mit Nachdruck diese Funktionalitäten auch im „Non-Hana-Umfeld“ haben wollten.

Und was ist passiert? Die Core Data Services und Hana-­SAP-BW-optimierte InfoCubes – bei Oracle auch FlatCubes genannt – können in Verbindung mit Oracle Database In Memory Option genutzt werden, siehe SAP Note 2335159

Mezger: Meiner Ansicht nach werden die Kunden beziehungsweise deren Bedürfnisse bestimmen, wann sie ihre Business Suite nicht mehr einsetzen. Wir sehen 2025 als „Statement of Direction“ und sind selbstverständlich bereit, unsere DB2-Kunden so lange zu unterstützen, solange sie dies wünschen.

Selbst bei Kunden, die keine Business-Suite-Systeme mehr im Einsatz haben wollen, wird der Zugriff auf Alt-Daten auf Anforderungen von Wirtschaftsprüfern notwendig sein. Auch hier bieten wir flexible Lizenzierungsmodelle an, um diese Anforderungen erfüllen zu können.

Ein Großteil der SAP-Kunden nutzt Oracle-Lösungen wie die Database, die Exadata Database Machine oder Oracle SuperCluster sowohl für SAP wie auch für viele Non-SAP-Anwendungen. Wie ist das Miteinander geregelt, die Nutzung etwa der Oracle Database und Hana?

Kuppler: Viele Kunden setzen beides ein – sowohl Oracle Database auf Exadata im ECC-Umfeld als auch SAP BW mit Hana. Ein und derselbe Kunde ist sowohl Referenzsprecher auf der Oracle Open­World mit Oracle Exadata und 12c für sein SAP-System als auch für Hana mit SAP BW auf der Sapphire in Orlando, USA.

SAP-Kunden, die sowohl ECC als auch BW mit Hana betreiben, sind sehr, sehr selten und stellen sich als eine Art „weißer Rabe“ dar. Weitere informationen finden Sie sehr gerne hier: www.oracle.com/sap

Metzger Und Kuppler

Herr Kuppler, herzlichen Dank für das Gespräch. Herr Mezger, bei IBM gibt es noch die Möglichkeit eines Zusammenspiels von IBM Power und DB2. Wie sehen Sie hier die Perspektiven?

Mezger: Unter den großen Unix-Anbietern ist IBM Power unsere Hausmarke. Unsere „Co-Innovation Road­map“ mit IBM Power ist prall gefüllt. Diese Roadmap enthält Zukunftsthemen, ich denke an Blockchain als wichtiges Zukunftsthema.

Hier werden geschäftliche Transaktionen auf digitaler Ebene neu definiert und IBM Blockchain wird auch bei SAP-Kunden Einzug halten. Wir pflegen ganz selbstverständlich eine enge Zusammenarbeit zwischen den IBM-Bereichen.

Unsere Entwickler im IBM Forschungs- und Entwicklungszentrum in Böblingen haben den Power8-Befehlssatz maßgeblich für SAP DB2 mit beeinflusst und unsere AIX-Kunden wissen das seit Langem zu schätzen.

Ein Beispiel hierfür ist die beschleunigte hardwaregestützte Komprimierung NX842 von Backup- und Log­files durch Power8-Prozessoren. In internen Tests war die NX842-Komprimierung die ressourcenschonendste und schnellste Variante für SAP-Backups.

Die Komprimierungsrate und somit Platzersparnis lag bei 40 Prozent. Zukünftig werden Kompressions- und Verschlüsselungstechnologien immer wichtiger und dort besteht diese tiefe Integration bereits. Dadurch werden unsere Systeme sicherer.

Und: Durch die Virtualisierungstechnik ­PowerVM von IBM Power kann die Pri­vate-Cloud-Strategie, die IBM-Analytics verfolgt, besonders gut verwirklicht werden.

Wir wollen unseren Kunden im eigenen Rechenzentrum langfristig genau die gleichen Vorteile bieten, die sie von der Public Cloud schon kennen.

Zum Schluss noch ein Spezialthema, das aber die SAP-Community momentan sehr bewegt: Die Tücken der SAP-Lizenzierung – indirekte Nutzungskosten?

Wer nicht im Blick hat, welche Daten zwischen SAP- und Nicht-SAP-Systemen ausgetauscht werden, kann böse Überraschungen erleben. Gerade die indirekte Nutzung kann hohe Nachlizenzierungen zur Folge haben.

Anwender sollen also neben den Lizenzmetriken der SAP vor allem die eigenen Systeme im Griff haben, oder?

Mezger: Ich bin der festen Überzeugung, dass Kunden die Lizenzierung ihrer Systeme priorisiert beachten sollten. Im Zusammenspiel mit SAP-Systemen wird das zu einem Fulltime-Job und zum Bestandteil des Wissensschatzes eines jeden IT-Endscheiders.

Da heißt es „aufpassen“ bei jeder noch so kleinen Lizenz-Veränderung. Wir wollen hier Möglichkeiten für Lizenzmodelle aufzeigen, damit Daten aus Systemen freikommen und nicht durch künstliche Beschränkungen in Silos festgehalten werden. Weil langfristig fließen Daten in Hadoop-Architekturen und in offene Apache-Spark-Systeme.

Eines ist zukünftig klar: Die dort vorherrschenden neuen Berufszweige wie Data Scientists und die Chief Data Officers haben wirklich kein Verständnis mehr für diese Silos. Dieses Feedback haben wir aus der IBM Data Science Experience Community, DSX, bekommen.

Herr Mezger, auch Ihnen herzlichen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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