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Die Büchse der Pandora

Als vor vielen Jahren Professor Hasso Plattner und Ex-Technikvorstand Vishal Sikka das „revolutionäre“ Hana präsentierten, hieß es: Keine Versionsnummern, ewige Kompatibilität, nie wieder Releasewechsel.

Seit Herbst vergangenen Jahres schaut die SAP-Welt anders aus: Hana hat die Versionsnummer 2 bekommen und die Releasewechsel gestalten sich zum Albtraum. Die Büchse der Pandora wurde geöffnet!

Ältere Semester in der SAP-Community erinnern sich noch an die erste Freigabe des Microsoft-SQL-Servers für R/3 – ein Desaster.

SAP-Experten flogen in die Microsoft-Zentrale nach Seattle. Es gab stundelange Telefonkonferenzen. Auf beiden Seiten des Atlantiks wurde hektisch der SQL-Server-Code analysiert.

Fehler wurden gefunden. Missverständnisse zwischen SAP und Microsoft ausgeräumt. Nach mehreren Neustarts gab es eine weitere, stabile Datenbank für R/3-Bestandskunden.

Und Hana?

Nach Aussagen von Hasso Plattner und SAP war Hana vom ersten Momentan an in Echtzeit stabil und robust genug für jede erdenkliche ERP-Aufgabe – ein Wunder ist geschehen:

Jeder Informatiker weiß, dass auch Software einen Reifeprozess braucht. Neuanwendungen haben demnach Versionsnummern mit einer Null vor dem Punkt, Hana startete ohne allem Beiwerk und überraschte Ende vergangenen Jahres mit einer 2 hinter dem Produktnamen.

Nun nahm das Desaster seinen Lauf. Kann man von Hana auf Hana 2 wechseln? Im Prinzip ohne Problem, wenn das ERP-System die richtige Versionsnummer zeigt. Voraussetzung für einen Hana-Re­leasewechsel ist das Enhancement Package (EhP) 7 – so verlautete es SAP.

Dann aber kam das große „Aber“ und SAP präzisierte, dass der Umstieg auf Hana 2 nur mit EhP 7.49 möglich ist. Eine Enttäuschung, weil so weit sind nur die wenigsten in der Community.

Hana-Projekte wurden verschoben, zurückgestellt und abgesagt. SAP musste reagieren und schrieb in einer SAP Note, dass die Büchse der Pandora nun doch allgemein mit EhP 7 unterstützt wird – man braucht nur noch einige Zeit mehr für die notwendigen Tests.

Jeder versteht, dass getestet werden muss, aber niemand versteht das Kommunikationschaos. Wenn Sie, verehrter Leser, diese Juli/August-Ausgabe vor sich liegen haben, dann sollte auch SAP ihre Tests abgeschlossen haben und eine allgemeine Verfügbarkeit für Hana 2 auf EhP 7 existieren.

Das Problem:

Anfangs Datenbankprodukt, später Plattform, war Hana vorrangig ein politisches Werkzeug zusammen mit Intel gegen den Rest der IT-Welt. Es galt primär Oracle und IBM auszubremsen.

Aber die Welt ist wesentlich komplexer, als man sich offensichtlich in Walldorf vorzustellen gewillt ist. Auch Oracle und IBM besitzen In-memory-Computing-Technologie und Intels Prozessoren müssen nicht die beste Basis für In-memory-Computing-Datenbanken sein.

Politisch versuchte SAP alle Tricks, um Hana auf IBM-Power zu verhindern. Das Erfolgsduo musste nach Meinung der Walldorfer „SAP und Intel“ sein.

Mittlerweile weiß die ganze SAP-Community, dass Hana on Power die bessere Lösung ist. Intel schaut zu und verliert Marktanteile, aber das ist eine andere Geschichte.

Platzgummer

Erstmals wurde die Karikatur von Robert Platzgummer (1975 bis 2016) in der E-3 Ausgabe Juli/August 2007 veröffentlicht. Vor zehn Jahren war Professor Henning Kagermann der Chef bei SAP in Walldorf. Die Karikatur zeigt das damals neue SAP-Release ERP/ECC 6.0 und links neben Pandora Herrn Kagermann. Wie alles Neue war damals die Version 6.0 nach R/3 Enterprise (Ver. 4.7) eine Büchse der Pandora für die SAP-Bestandskunden.

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