[shutterstock.com:432081307, Omelchenko]

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Wenn die Cloud zur Integrationsfrage wird

Unternehmen wollen mithilfe der Cloud ihre digitalen Geschäftsmodelle aufbauen. Dafür müssen aber viele IT-Systeme erst einmal miteinander sprechen lernen. Hier wird Integrationsfähigkeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Es ist keine Frage des Ob, eher des Wie: Das Gros der Unternehmen, Analysten und IT-Anbieter glaubt fest an die Cloud als technischer Katalysator dafür, ihre Firmenprozesse mittelfristig in die Wolke zu verlagern. Auch in Deutschland hat ein Gutteil der Unternehmen den Betrieb in der Wolke bereits aufgenommen.

Hybrid Cloud spiegelt das Geschäft besser

Die Unternehmen starten meist mit der Evaluierung bestimmter Cloud-Services. Auf Basis dieser Erfahrungen wissen sie dann meist konkreter, welche Daten auch in weiteren Unternehmensbereichen in die Cloud wandern könnten.

Dieses Vorgehen ist damit häufig die Grundlage für das Entstehen hybrider Szenarien sowie einer generellen Öffnung gegenüber Cloud-Konzepten. Die Firmen möchten einerseits direkt von den wirtschaftlichen Vorteilen der Cloud wie mehr Agilität, einer schnelleren Time-to-Market sowie einer höheren Skalierbarkeit profitieren.

Andererseits können sie die gewachsenen, schwerfälligen Systemstrukturen, die aus dem eigenen Rechenzentrum heraus betrieben werden, nicht von heute auf morgen abschalten. Das haben auch die großen Softwarehersteller mittlerweile realisiert.

Erst kürzlich verkündete SAP-Deutschland-Chef Daniel Holz auf der CeBIT, noch bis einschließlich 2025 an der On-premise-Welt weiterentwickeln zu wollen. Denn trotz aller Lockrufe der Anbieter zur erhöhten Produktivität durch Lösungen aus der Cloud löst die rein wirtschaftliche Betrachtung beim Umstieg in die Wolke nur einen Teil der Aufgabe.

Schlüsselfaktor Integrationsleistung

Wer beispielsweise SharePoint Online als Kollaborationsplattform aus der Cloud einsetzt, profitiert zwar von mehr Flexibilität und den Kostenvorteilen des „kurzfristigen Sizings“ dieser Lösung. Aber:

„Wenn 12.000 User während ihrer Kernarbeitszeit viele Projektlisten und Dokumente über die Plattform austauschen, ist das mit großer Last verbunden“

weiß Alexander Umek, Managing Partner bei der SAP-Managementberatung Fuchs Senior Advisors.

Doch wie sieht es aus, wenn zusätzliche Daten aus dem SAP-ERP-System innerhalb des Kollaborations-Workflows benötigt werden? Wenn man beispielsweise eine Schnittstelle zwischen SharePoint-Liste und SAP-Tabelle braucht? Bleibt hier alles so schnell und dynamisch? Nicht ganz.

„Soll ein Datentransfer zwischen den Geschäftsdaten aus dem proprietären ERP-System und dem Projektteam, das über SharePoint Online arbeitet, hergestellt werden, wird es erst einmal komplexer“

meint Peter Wohlfarth, Prokurist des Stuttgarter Softwarespezialisten Theobald Software.

Denn müssen SAP-Daten sofort für den Zugriff aus der Microsoft-Cloud verfügbar gemacht werden, behelfen sich die Unternehmen gemeinhin mit dem Bau eines Interfaces, was genau diese Transferleistung erbringt.

„Sollen unterschiedliche Applikationen miteinander sprechen, muss immer eine Integrationsleistung erbracht werden“

weiß auch Alexander Umek aus seiner Beratungspraxis.

Und das bedeutet in erster Linie zusätzlichen Aufwand, der sich bei der Konnektivität zwischen allen Systemen, die on premise und in der Cloud laufen, noch potenzieren könnte. Zunächst muss sich die IT genau den Anwendungsfall sowie den Workflow vergegenwärtigen, und dann überlegen, welche Daten sie braucht bzw. auf welche Datenbanken sie zugreifen muss.

Im Fall des Datentransfers zwischen SAP ERP und SharePoint Online sollte sie also genau abschätzen können, wo die benötigten Daten im SAP-Modell liegen und wie diese dynamisch für die Kollaboration verfügbar gemacht werden könnten.

Diese zunehmend wichtige Integrationsleistung wird allerdings seitens der Cloud-Provider in ihrer Kommunikation nach außen oft und gern unterschlagen. Für Peter Wohlfarth steht ein Grund dafür außer Frage:

„Nur die wenigsten haben hierfür wirklich markttaugliche Lösungen am Start.“

Gerade weil am Ende jede IT ihr hybrides Einsatzszenario immer noch selbst zusammenbauen muss, hat sein Unternehmen sich auf fehlende Systemanbindungen zwischen den stationären und virtuellen Softwarewelten von SAP und Microsoft spezialisiert.

Integrationsinstanz Enterprise IT

Die Konstellationen von Datenintegrationen zwischen den Systemen und Plattformen werden immer individueller. Und jede Lösung hat ihre Stärken und Schwächen. So verfügt Microsoft Azure beispielsweise über andere Vorteile als AWS oder S/4.

Je nach Anwendungsbedarf brauchen die Unternehmen unterschiedliche Services und damit einhergehend auch unterschiedliche Applikationen, die unterstützt werden müssen. Und da das Produktportfolio vieler Anbieter noch nicht deckungsgleich mit der Unternehmenspraxis ist, muss die Integrationsfront kräftig nachhelfen.

„Die Enterprise IT muss umdenken und sich stärker als Integrationsinstanz begreifen“

fordert Wohlfarth.

Denn schließlich hängt dauerhaft die Implementierung eines hybriden Szenarios wie SAP ERP mit SharePoint Online ganz entscheidend von dessen Mehrwert für das Business ab. Und der wird bei der Kollaboration über die Cloud blitzschnell sichtbar.

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