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Run simple

Während seiner Sapphire-Keynote lobte dieses Jahr Professor Hasso Plattner seinen CEO Bill McDermott für eine Run-Simple-Kampagne – überzeugend war das Lob aber nicht.

Offensichtlich ist SAP-Mitgründer Hasso Plattner ein großer Fan des Automobilherstellers Tesla. Mehrfach erwähnte er das amerikanische Unternehmen während seiner Keynote auf der Sapphire 2017 in Orlando.

Er sprach von der Einfachheit der Bedienung. Während es in europäischen Autos mannigfaltige Knöpfe und Schalter gibt, die sich ohne einschlägiges Studium einer Bedienungsanleitung kaum bewältigen lassen, kommt der Tesla mit einem großen berührungsempfindlichen Bildschirm und einer ziemlich guten Benutzeroberfläche aus – wie Plattner meinte.

Abermals legte er seine Abneigung gegen technische Geräte dar, die nur nach Hinzuziehen einer Anleitung bedient werden können. Er liebt es einfach und er fordert auch für SAP-Software einen Zugang, der einfach und logisch zu sein hat.

Dicke Handbücher zu studieren gehört seiner Meinung nach der Vergangenheit an. Somit war es nicht verwunderlich, dass er in seiner Keynote auch die aktuelle Kampagne seines CEO Bill McDermott in höchsten Tönen lobte: Run simple.

Es soll die Reduzierung auf das Wesentliche sein, die uns das Leben erleichtert. Ein intuitiver Zugang zu den Funktionen eines technischen Geräts ohne Verwendung einer Betriebsanleitung ist demnach das ultimative Ziel.

„Run simple“ zeigt sich demnach aber nicht nur im Bildschirm eines Teslas, sondern auch in der schlanken Struktur von Hana und S/4, wo viele Abap-Tabellen und Aggregate eliminiert werden konnten.

Dieser Weg zurück zum Ursprung, zu einer neuen Einfachheit und vielleicht Bescheidenheit, kann eventuell zum Erfolg führen. Im Fall von komplexen globalen IT-Systemen, die vernetzte, betriebswirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen haben, erscheint jedoch der Ruf nach „Simplicity“ ein wenig übertrieben.

Die meisten Experten sind sich nämlich einig, dass komplexe Aufgaben ebenso komplexe IT-Systeme bedingen. Diese neuen Lösungen dürfen nicht kompliziert sein, aber sollen alle Erwartungen erfüllen. Damit ergibt sich unweigerlich eine gewisse Komplexität, die offensichtlich McDermott nicht sieht.

Auch Hasso Plattner scheint sich seiner Sache noch nicht ganz sicher zu sein: Öfter erwähnte er lobend das Tesla-Konzept und verglich den eleganten Bildschirm mit den unterschiedlichen Schaltern, Rädern und Knöpfen eines „europäischen Armaturenbretts“.

Letztendlich bekannte aber auch er, dass sich das ergonomische Design eines europäischen Autos mit seinen vielen Schaltern durchaus blind bedienen lässt, während der berührungsempfindliche Bildschirm eines Teslas immer die Aufmerksamkeit des Fahrers verlangt.

Die Fähigkeit, gewisse Funktionen auch ohne Blickkontakt zu steuern, erscheint somit als nicht unerheblicher Sicherheitsgewinn. „Run simple“ mit Tesla und SAP mag somit eine ästhetische Eleganz haben und einen schlichten Geist wie Bill McDermott beeindrucken – aber Professor Hasso Plattner hat ganz sicher recht, dass sich dedizierte Schalter und Knöpfe, für die man manchmal auch eine Betriebsanleitung braucht, sicherer und damit auch komfortabler bedienen lassen.

„Run simple“ kann vielleicht für SAP-Software gelten. Ein komplexes Auto lässt sich damit ganz sicher nicht einfacher und sicherer bedienen. Der Wettkampf um die beste „User Experience“ geht somit in die nächste Runde – vielleicht hat die Sapphire 2018 darauf eine Antwort? (pmf)

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