luenendonk text in front of 2 men shaking Hands

Wie die Digitalisierung den Beratungs- und IT-Markt verändert

Die letzten fünf Jahre waren von der Konvergenz der Märkte geprägt. Managementberatungen haben sich weit in die IT-Umsetzung hineinbegeben und IT-Dienstleister in die Managementberatung. Derzeit beobachten wir erneut starke Bewegungen, die den IT-Dienstleistungsmarkt nachhaltig verändern werden.

Die gegenwärtigen Entwicklungen sind sowohl durch die Kunden der Dienstleister getrieben als auch durch die Strategien der Dienstleister, Wachstum in neuen Märkten beziehungsweise Themen zu erzielen. Wir haben einige der wichtigsten Themen zusammengestellt.

Daten verändern alles

Egal ob Informationen über Kundenverhalten, Marktentwicklungen, Prozess-Performance oder Produkt- und Servicequalität, Unternehmen sammeln in jeder Sekunde Millionen von Daten.

Probleme haben Unternehmen jedoch beim Herausfiltern der relevanten Informationen und der Ableitung von Erkenntnissen. In der Konsequenz sitzen viele Unternehmen zwar auf einem riesigen Datenberg, können ihn aber nur unzulänglich nutzen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Unternehmen organisatorisch immer noch sehr stark siloorientiert aufgestellt sind und häufig schlechte Stammdaten haben. So ist es sehr schwer bis unmöglich, Geschäftsmodelle so aufzubauen, dass alle Prozesse und Funktionen so integriert sind, dass sie automatisiert gesteuert werden können und alle relevanten Informationen vorhanden sind.

Aus diesem Grund sind erfolgreiche und ganzheitliche Big-Data-Projekte, aus denen innovative Geschäftsmodelle entstehen, noch immer die Seltenheit, wenngleich es aber erfreulicherweise immer mehr werden.

Die Kundenschnitte dominieren die großen Internetkonzerne Google, Amazon, Facebook und Apple, da sie den Wert von Daten und Analytics sehr früh erkannt und ein Geschäftsmodell daraus gemacht haben, ihren Kunden durch automatisierte Abläufe einen hohen Mehrwert und Usability zu bieten.

Interessanterweise glauben aber immer noch viele Topmanager, dass die neuen großen vier keine wirkliche Relevanz im Wettbewerb darstellen. Unternehmen werden zwar immer besser darin, neue digitale Lösungen, beispielsweise neue Kunden-Touchpoints oder Business-Anwendungen auf Cloud-Basis, einzuführen, bekommen aber deren Integration in das Backend und den Aufbau einer digitalen und damit modernen Customer Journey häufig nur unzureichend hin.

Daher übertragen immer mehr Kunden die Verantwortung für ganze Geschäftsprozesse, inklusive Plattformaufbau, die Datensammlung und -analyse, auf Dienstleistungspartner.

Große Beratungs- und IT-Dienstleister wie Accenture, BearingPoint, Capgemini, IBM, Deloitte oder KPMG haben in den letzten Jahren riesige Datenbanken aufgebaut, in denen sie Informationen über die Märkte ihrer Kunden vorhalten, regelmäßig aktualisieren und den Kunden als „As a service“-Angebot zur Verfügung stellen.

Darüber hinaus werden sie auch immer häufiger damit beauftragt, die Datenbanken ihrer Kunden „anzuzapfen“ und nach relevanten Datenzusammenhängen zu untersuchen.

Um solche Themen bearbeiten zu können, müssen Beratungs- und IT-Dienstleister enorme Investitionen in ihre eigene IT stemmen und ihre Prozesse und auch die Unternehmenskultur verändern. Denn je mehr Beratungsmandate auf der Analyse von Daten basieren, umso weniger kommen klassische Methoden (Beratung, Konzept, Umsetzung) zum Einsatz.

Cloud ist commodity – Plattformen sind das Öl

In engem Zusammenhang zu den Daten stehen die Plattformen. Dieses Thema beherrscht die Digitalisierungsstrategien der Unternehmen extrem stark, weil digitale Geschäftsmodelle flexible und hochskalierbare IT-Prozesse benötigen sowie in Kooperation mit anderen Unternehmen entwickelt und vermarktet werden.

Plattformen, wie sie Siemens (Mindsphere), General Electric (Predix) oder Bosch (Bosch IoT Suite) anbieten, um darauf ihre IoT-Strategien umzusetzen, basieren komplett auf dem Cloud-Modell und hochleistungsstarken Analytics-Systemen.

Solche Plattformen sind die Basis für entweder komplett digitale Geschäftsmodelle (wie sie im Handel beispielsweise erprobt werden) oder für die Ergänzung klassischer Geschäftsmodelle und -prozesse um digitale Komponenten (IoT, Industrie 4.0).

Entsprechend können sich mithilfe von Plattformen folgende Mehrwerte aufbauen: hohe Skalierbarkeit durch Cloud, hoher Automatisierungsgrad durch die Integration aller relevanten Geschäftsprozesse, absolute Schnittstellenoffenheit  und daher Integration sämtlicher relevanter Kooperationspartner, um für den Kunden einen zentralen Touchpoint für sämtliche Geschäftsvorfälle zu haben und den Gesamtprozess End-to-End steuern zu können, sowie die automatisierte Datensammlung und -auswertung durch hohen Automatisierungsgrad und durch den Einsatz von Big-Data-Technologien.

Da jedoch nur wenige Unternehmen die Finanz- und Transformationsstärke besitzen, solche Plattformen zu entwickeln, sind Unternehmen mittlerweile sehr offen gegenüber Wertschöpfungspartnerschaften mit Beratungs- und Dienstleistungspartnern.

Auch in der Beraterbranche hat ein Umdenken eingesetzt, denn Strategieberater wie McKinsey oder BCG drängen in den Markt der Umsetzung und bieten ihren Kunden an, anstelle von Beratungsmandaten Solutions zu verkaufen und ganze Geschäftsprozesse zu betreiben.

Die Umsatzverantwortung des Dienstleistungspartners nimmt folglich zu und es treten (zumindest in der internationalen Perspektive) mehr Joint Ventures zwischen Dienstleister und Kunde auf.

Auf die Geschäftsmodelle der Beratungs- und IT-Dienstleister hat diese Entwicklung eine sehr große Auswirkung, denn sie müssen nun häufiger in Vorleistung gehen und Innovationen für den Kunden mit eigenen Mitteln entwickeln und hoffen, dass sich die Investitionen amortisieren beziehungsweise die neuen digitalen Geschäftsmodelle erfolgreich sind.

Die Chance, dass diese Rechnung aufgeht, ist aus Sicht von Lünendonk hoch, denn im Gegensatz zu vielen Kunden verfügen einige der großen Beratungs- und IT-Dienstleister über enorme Erfahrung in der Innovationsentwicklung, Transformation sowie der Entwicklung und Vermarktung von Geschäftsmodellen.

Customer Experience und Customer Journey

An diese Stelle schließt das dritte große Thema an. Nur sehr wenige Unternehmen der „alten Welt“ haben es geschafft, das Erfolgsmodell der GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple) zu adaptieren und ihre Geschäftsmodelle, Organisationsstrukturen und IT-Landschaften zu modernisieren.

Große Schwierigkeiten bestehen vor allem etwa bei der Innovationsentwicklung, der Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle, dem Umbau der hierarchischen Unternehmensstrukturen hin zu agilen Teams und bei der Vernetzung der Vielzahl an digitalen Initiativen und Lösungen zu einem Gesamtsystem, um ein End-to-End-Kunden­erlebnis zu bieten.

Während viele Unternehmen und Beratungs- und IT-Dienstleister in einzelnen dieser Themen gut aufgestellt sind, decken nur die wenigsten alle dieser Wertschöpfungsfelder gut ab.

In den vergangenen Jahren haben allerdings einige wenige Beratungs- und IT-Dienstleister ihr Portfolio konsequent auf alle diese Themen hin so weiterentwickelt, dass sie einen ganzheitlichen Ansatz von kreativer Agenturleistung, Innovationsentwicklung, Geschäftsmodellaufbau, Operationalisierung, Change Management und IT-Umsetzung aus einer Hand anbieten.

Besonders im Agenturgeschäft wurde die letzten Jahre viel hinzugekauft: bei Accenture die Übernahme von Fjörd, D-Group und zuletzt SinnerSchrader und Gründung des Digitalbereichs „Accenture Interactive“. Deloitte hat durch diverse Übernahmen (u. a. Heat) Deloitte Digital Marke etabliert. IBM kombiniert seine Watson-Intelligence mit diversen Agenturen zu IBM Interactive Experience (IBM IX).

SapientRazorfish, Reply und Valtech sind erfolgreiche Beispiele für IT-Beratungsunternehmen, die bereits sehr frühzeitig (und vor den ganz großen Dienstleistern) den veränderten Kundenbedarf in Richtung Customer Experience erkannt und sich als integrierter Anbieter von Kreativ-, Geschäftsmodellaufbau- und Organisations- und IT-Umsetzungsleistungen erfolgreich etabliert haben.

Ein neues Marktsegment hybrider Beratungs- und IT-Dienstleister, die signifikante Umsätze in der Kreativberatung, im Front­end-Design, im Geschäftsmodellaufbau und in der IT-Umsetzung erzielen, ist damit entstanden. Für den Kunden eine echte Alternative, da die klassischen Agenturen zwar eine extrem hohe Expertise bei Kreativität, Design und Web- und Mobile-Technologien haben, ihnen aber die Manpower und Skills fehlen, die Ideen und digitalen Lösungen beim Kunden vollständig zu integrieren und auch globale Rollouts stemmen zu können.

Derzeit finden sich am Markt etwa 20 Beratungs- und IT-Dienstleister, die all diese Themen vereinen und als Gesamtdienstleister auftreten. Mit dieser Positionierung haben sich diese Dienstleister aus der Marktperspektive durchaus einen Wettbewerbsvorteil geschaffen, denn der Bedarf und damit die Budgets für die Digitalisierung der Geschäftsmodelle durch Digital Marketing, Customer Experience und Social-Media-Aktivitäten werden kurz- bis mittelfristig massiv ansteigen.

Davon werden sowohl die klassischen Agenturen profitieren als auch diejenigen Gesamtdienstleister, die ihren Kunden helfen, den Abstand zu den Internetkonzernen und digitalen Vorreitern zu verkürzen. Es bleibt also weiter spannend!

Das könnte Sie auch interessieren

0 Kommentare

Dein Kommentar

Möchten Sie uns Ihre Meinung zum Thema sagen?
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.