Editorial

[shutterstock:379587745, Brian A Jackson]

Plan B – Eine AnyDB Strategie?

Eine DB-Monokultur „Hana“ wird es nicht geben. Executives aus der SAP-Community bestätigen: Eine AnyDB-Strategie ist in Evaluierung. Mit diplomatischen Worten wird eine SAP-Niederlage zum Erfolg der Community verklärt: DB-Wahlfreiheit für alle!

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Hier sind sich aber die Szenekenner einig: Eine Datenbank-Monokultur mit SAP Hana wird es nicht geben.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Mehrheit der SAP-Bestandskunden ihr erworbenes Wissen und die stabilen Anwendungen auf Basis von Oracle, IBM DB2 und SQL-Server aufgeben will oder kann.

Niemand argumentiert gegen die junge Hightech-Datenbank Hana. Die Innovation von Professor Hasso Plattner, Ex-SAP-CTO Vishal Sikka und Accenture-Manager Alexander Zeier, entstanden am HPI in Potsdam, kann nicht hoch genug gewürdigt und geschätzt werden. Aber Hana ist ein neuer Ansatz im ERP/BW-Bereich, der sich erst beweisen muss.

Oracle, DB2 und der SQL-Server sind durch das Tal der Tränen gegangen und präsentieren sich nun als die stabilste Plattform für R/3 bis ECC 6.0.

Die SAP Business Suite mit Oracle oder IBM ist erprobt und leistungsfähig. Abap-Modifikationen aus dem Z-Namensraum funktionieren – auch wenn auf die neueste DB-Generation von Oracle und IBM inklusive In-memory Computing gewechselt wird.

Niemand spricht dem jüngsten Datenbankkind von SAP eine erfolgreiche Zukunft ab. Aber diese Zukunft ist noch weit. Noch sind die Hörner nicht abgestoßen und die Bugs nicht eliminiert. Noch werden Anomalien beim Virtualisieren beobachtet.

Natürlich gibt es eine Roadmap – aber selbst namhafte SAP-Partner empfehlen, mindestens bis 2020 zu warten, wenn es den ersten vollständigen und konsolidierten Hana-Release gibt: Momentan ist Hana wie ein Bastelprojekt aus dem Zeitschriften­laden – jede Woche gibt es eine neue Ausgabe mit weiteren Teilen zum Hinzufügen.

SAP hat offiziell eine Deadline gesetzt: Mit 2025 soll jeder SAP-Bestandskunde auf S/4 und Hana umgestellt sein. Bei einer DSAG-Keynote relativierte SAP-Vorstand Michael Kleinemeier bereits dieses ambitionierte Ziel und meinte: „Frühestens 2025.“

Mittlerweile wurde bekannt, dass sich SAP bei Oracle und IBM die Zusage hat geben lassen, dass es eine Zusammenarbeit auch jenseits von 2025 geben kann, um die „verbliebenen“ SAP-Bestandskunden auf AnyDB und der Business Suite zu pflegen und zu warten. Es könnte aber auch ganz anders kommen: Plan B.

SAP-Technikvorstand Bernd Leukert hat während einer Pressekonferenz zum DSAG-Jahreskongress 2014 ausdrücklich betont, dass es technisch möglich wäre, auch DB2 mit Blu (das IBM’sche In-memory Computing) für S/4 zu konfektionieren.

Mittlerweile sprechen Experten von der Möglichkeit, nach 2025 das neue S/4 auch auf Oracle und DB2 betreiben zu können. Gerüchte aus Walldorf deuten an, dass es für diesen technischen Meilenstein bereits Vorbereitungen und erste Tests gibt.

Damit wäre dann auch eine langjährige Forderung der DSAG erfüllt: den Bestandskunden auch unter S/4 in Zukunft die Wahlmöglichkeit bei der Datenbank zu lassen.

Dennoch ist aktuell die Wahrscheinlichkeit von Plan B nicht mehr als 50 Prozent. SAP sitzt zwischen zwei Stühlen: Auf der einen Seite will man zufriedene Kunden – und diese fordern eine Datenbankwahlmöglichkeit; auf der anderen Seite will und muss man die Marge erhöhen, das geht am schnellsten und einfachsten durch Senkung der eigenen Kosten:

SAP will und kann somit nicht mehr zurück in die alte heterogene Welt, wo der Support aus Walldorf Hunderte von Kombinationen aus Hardware, Betriebssystemen und Datenbanken betreuen musste.

Die Monokultur „Intel, Linux und Hana“ wäre für das Gewinnstreben optimal. Nun gibt es schon zwei Hardware-Plattformen, Intel Xeon und IBM Power, zwei Linux-Derivate, Suse und Red Hat, neben Hana dann auch noch zwei weitere Datenbanken – das würde das neue SAP-Support-Modell de facto korrumpieren.

Plan B wird sich demnach entscheiden zwischen: „ein Herz für die Bestandskunden“ und „ein analytischer Kopf für mehr Profit“. (pmf)

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