MAG 1704 Szene

Alles oder nichts

[shutterstock.com:268258625, Annotee]
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SAP scheint die Gesetze der Wirtschaft außer Kraft setzen zu wollen: Man eliminiert die eigenen Innovationen und versucht sich selbst zu überholen – zum Nachteil der Bestandskunden und der Community.

In diesen Tagen fragt man sich: Was will SAP? Will SAP zu viel? Die Zahl der Versprechungen, Ankündigungen, Projekte, Ideen, Innovationen scheint keine Grenzen zu kennen.

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass neue Apps, Kooperationen und Versionen angekündigt werden. Gleichzeit regt sich Unmut in der SAP-Community, weil der Software-Code immer schlechter wird.

Entwickelt wird viel, aber getestet wird demnach bei den Anwendern – oder auf Kosten der Anwender.

Offensichtlich hat SAP-Chef Bill McDermott die Losung ausgegeben, die ganze IT-Welt zu beglücken und zu erobern. Kein Fachgebiet der Informatik wird ausgelassen, obwohl bei existierenden und laufenden Projekten noch genug Reparaturbedarf vorhanden ist.

Fiori, das hübsche und bunte User Interface (UI) der SAP, ist nicht nur spektakulär, sondern verlangt auch am PC nach entsprechender Hardware: Noch nie zuvor mussten sich IT-Verantwortliche und Anwender über die Grafikkarte eines SAP-Arbeitsplatzes Gedanken machen.

Mit Fiori ist im Back-Office nicht nur Hana gefordert, sondern im Front-Office am Bildschirm auch die PC-Hardware.

Es ist nicht so, dass sich die SAP-Community nun keine besseren Grafikkarten leisten könnte, aber der organisatorische Aufwand rechtfertigt kaum die nun sich bewegende und bunte Oberfläche.

Ein Sachbearbeiter will effizient und fehlerfrei arbeiten. Am Tablet und Smartphone mögen animierte Business-Grafiken erlaubt sein.

Der Fluch der Version 2:

Es gibt ein Hana 2, es gibt Fiori 2 und es gibt SolMan 7.2 – berechtigte und begrüßenswerte Innovationen aus Walldorf. Was man aber offensichtlich in Walldorf vergessen hat, ist die notwendige Vorbereitung, Organisation und Schulung bei den Bestandskunden, sodass vielleicht schnell entwickelt, aber kaum schnell implementiert werden kann.

SAP will alles und das sofort – nur die SAP-Community hat ihren eigenen Fahrplan. Zwischen den theoretischen Vorstellungen eines Bill McDermott und den praktischen Beschränkungen eines SAP-Bestandskunden klafft eine immer größere Lücke.

Hana Enterprise Cloud und Hana Cloud Platform finden langsam den Weg auf die Roadmaps der Bestandskunden, schon werden die beiden Clouds durch eine SAP-Cloud-Plattform abgelöst.

Bei den einschlägigen SAP-Vorträgen und Keynotes haben die Sprecher selbst schon größte Mühe, die immer richtigen und aktuellen Namen parat zu haben – wie hieß noch mal das Produkt gestern und wie heißt es heute?

Der ERP-Konzern macht einen äußerst nervösen Eindruck und scheint sich selbst überholen zu wollen. Kann das gut gehen?

Naturgemäß hat das Internet unser Leben erheblich beschleunigt, aber noch hat die SAP-Community mit ihrer Verantwortung für Millionen von Anwendern ihren eigenen Takt.

Auch wenn SAP immer mehr aufs Tempo drückt, die Deadline 2025 wird nicht zu halten sein. Auch nach 2025 wird es noch ERP-Systeme mit Datenbanken von Oracle, Microsoft und IBM geben.

Eine singuläre Hana-Welt liegt noch in weiter Ferne – egal wie hektisch und ungeduldig sich Bill McDermott gebärdet. Weniger ist mehr und Qualität ist wichtiger als Quantität, was für Hana 2, Fiori 2 und viele andere SAP’sche Innovationen gilt.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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