Mister No/Name

So(u)l Man @ Blues Brothers

Der SolMan 7.2 hat den Blues und S/4 entwickelt sich nicht homogen. Die weltweiten SAP-Märkte sind heterogen, was eine konsolidierte Produktentwicklung und Roadmap erschwert. In Europa beginnt zaghaft das S/4-Geschäft, in den USA verharrt man in R/3 und repariert mit Cloud-Diensten, in Asien stehen viele Systeme nicht unter Wartung. SAP hat den Blues.

Die Blues Brothers 1978 auf ihrem Album „Briefcase Full of Blues“: I am a soul man, I am a soul man, I am a soul man etc. etc. Natürlich zu hören auf YouTube und seit dem vergangenen SAP-Stammtisch unsere inoffizielle Hymne.

Unser Gesang klingt traurig, was auch genau der Stimmung entspricht – oder soll ich Skandal schreiben?

Das Thema SAP SolMan 7.2 ging anfangs an mir vorbei. Ich habe hier schon öfter erwähnt, dass ich ausgezeichnete Basismitarbeiter, sehr gute CCC-Leiter und auch engagierte SAP-Partner in meinen Rechenzentren habe – somit machte ich mir über den teils begonnenen und teils noch ausstehenden SolMan-Release-Wechsel wenig Gedanken.

Natürlich war der Start für ausgewählte Basiseinheiten ein SolMan-Ramp-up mit allen Vor- und Nachteilen. Ende vergangenen Jahres sah ich beiläufig das Protokoll eines CCC-Meetings und konnte erfahren, dass eine fertige, stabile und empfehlenswerte SolMan-Version immer noch nicht vorlag – zu einem Zeitpunkt, als bereits die gesamte Community wusste, dass Ende 2017 Schluss mit lustig ist:

Der notwendige Java-Stack steht dann vonseiten Oracles nicht mehr zur Verfügung und es ist nicht anzunehmen, dass hierbei Larry Ellison seinem Intimfeind Hasso Plattner einen Gefallen tun wird.

Die SAP-Community erlebte den Jahreswechsel mit einem unfertigen SolMan. Erst mit SPS 4 gibt es eine Version, von der meine Mitarbeiter sagen:

„Man kann sie schon verwenden …“

Alle Korrekturen aus dem Ramp-up werden erst im Mai mit SPS 5 zur Verfügung stehen – ich bezweifle aber, dass der SolMan 7.2 SPS 5 die große Sapphire-Show werden wird.

Es passt niemals in das Run-simple-Konzept von Bill McDermott. Aber unsere DSAG hätte das Thema energischer am Jahreskongress 2016 in Nürnberg aufgreifen können.

Es war unverantwortlich, das neue Jahr ohne stabilen SolMan zu starten. An unserem SAP-Stammtisch sind einige Mitglieder der Verzweiflung nahe, es fehlt an Ressourcen und Zeitfenstern in der zweiten Jahreshälfte, um dann noch seriös den Release-Wechsel durchzuführen.

Die SAP-Partner hingegen reiben sich die Hände, denn für sie ist der Stress bei uns Bestandskunden wahrer Umsatz. Viele Nacht- und Wochenendstunden werden die IT-Budgets wieder sprengen und am Ende bleibt alles gleich.

Es wird also wieder die Frage von der Geschäftsleitung kommen: Was haben wir für das Geld bekommen? Welche funktionalen Änderungen sind zu erwarten? Wo liegt der Mehrwert des SolMan 7.2?

Meine CCC-Leiter können einen ganzen Tag lang über die neuen Funktionen und Optionen des SolMan 7.2 debattieren und zur Vorbereitung auf Hana und S/4 ist die neueste Version natürlich dringendst zu empfehlen. Aber betriebswirtschaftlich und organisatorisch sollte man nicht auf einen Mehrwert setzen. Unser SAP-Stammtisch wird demnach noch mindestens bis Jahresende singen: I am a soul man!

Und wie jedes Jahr dieselbe Diskussion: Auf nach Orlando zu Hasso Plattner, Bill McDermott und Bernd Leukert?

Und wie jedes Jahr die gleiche Antwort: Nein!

Ich bin gespannt, wie lange SAP diesen monolithischen Ansatz noch durchhält. USA und Europa entfernen sich immer mehr voneinander. Während in „good old Europe“ vorsichtige Gehversuche Richtung Hana und S/4 im produktiven Umfeld zu beobachten sind – ich rede hier nicht von den unzählbaren PoCs –, verharren die US-Bestandskunden im stabilen R/3 (ohne Wartung und Pflegegebühr) und haben keine Scheu vor der Cloud.

S/4 ist bei meinen Kollegen in den USA kein nachhaltiges Thema. Dafür gibt es im asiatischen Raum eine lebhafte Diskussion über die nicht sichtbare Notwendigkeit einer Pflegegebühr.

Traditionell werden in China und anderen Ländern kaum Wartungskosten entrichtet. Vor vielen Jahren berichtete ich bereits von R/3-Raubkopien, die offensichtlich auch bei unseren Zulieferern im Einsatz sind.

Es schaut demnach nicht gut aus für die SAP-Pläne 2020 und 2025. Die S/4-Adaption in Europa ist zu langsam, ein breites SAP-Wissen für das Customizing von Hana und S/4 ist in den USA nicht vorhanden und die schlampigen Verhältnisse in Asien verhindern einen zügigen Release-Wechsel auf S/4.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass SAP vorsichtig bei Oracle und IBM angefragt hat, ob man nicht die Datenbank-Verträge über 2025 hinaus verlängern könnte.

SAP-Vorstand Michael Kleinemeier hat im DSAG-Kreis erwähnt, dass eine finale Hana- und S/4-Landschaft „frühestens“ 2025 zu erwarten ist. „Never change a running system“ und die digitale Transformation gelingt auch mit ECC 6.0.

Zu befürchten ist, dass SAP in den kommenden Jahren den Überblick verliert: Das ERP-Kerngeschäft läuft nicht von selbst und die Ränder wie SuccessFactors, Ariba, Hybris, IoT, Fiori, KI etc. machen viel Arbeit.

Man muss bewahren und innovativ sein. Man muss wettbewerbsfähig sein und die eigene Kernkompetenz pflegen. Es gilt mitzuspielen und einzigartig zu sein.

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