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SAP Cloud

[shutterstock.com:253547293, Your Design]
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Cloud Computing kann eine gute Antwort sein, aber fürs Erste ist SAP mit Hana Enterprise Cloud und Hana Cloud Platform gescheitert. Jetzt versucht man mit der SAP Cloud einen weiteren Anlauf.

Pech für SAP und die Bestandskunden, die all ihre Hoffnung auf die Hana Cloud Platform (HCP) setzen. Der Misserfolg zwang nun SAP, dem Kons­trukt einen neuen Namen zu geben, um die alten Probleme vergessen zu machen.

Aber auch die Innovatoren unter den SAP-Bestandskunden haben nun ein Problem: Es gibt keine Exit-Strategie.

Die Exit-Strategie

Bernd Martin, Area Director bei Larsen & Toubro Infotech, antwortet auf die Frage: Welche Chancen geben Sie HEC und HCP in Europa?

„Das ist eine besonders schwierige Frage, da hier einige unklare Faktoren eine Rolle spielen.

Natürlich machen Cloud-Szenarien Sinn und die Cloud wird sich im Laufe der Zeit an immer mehr Stellen durchsetzen. Die Risiken sind aber nicht zu übersehen. So gibt es beispielsweise seitens SAP kein Angebot für einen Weg zurück bezüglich der Lizenzen bei HEC und HCP.

In beiden Fällen verliert der Anwender ein ganzes Stück Autonomie. Auf längere Sicht kann jedoch kein Zweifel daran bestehen, dass Hana in der Cloud und Hana als integrierende Cloud-Plattform auch in Europa gute Chancen haben.“

Bei SAP selbst scheint man sich über die Chancen HEC und HCP nicht sicher zu sein: Noch Mitte September vergangenen Jahres verlautete SAP, dass man mit einer Aktualisierung für die Hana Cloud Platform die Unternehmen mit einer Reihe neuer Funktionen beim digitalen Wandel unterstützt.

Hierzu gehört die Personal Edition von Web Integrated Development Environment (SAP Web IDE) zur Offline-Entwicklung von Anwendungen, welche sich zukünftig bei der Verbindung zur Cloud automatisch synchronisiert.

Mit einem Software Development Kit für Web IDE können neue Anwendungsvorlagen einfach erstellt und über Partnertools in Web IDE integriert werden.

Außerdem gibt es eine Open-Source-Vorlage für den HCP Portal Service, um Inhalte und Erfahrungen innerhalb der Community zur Verfügung zu stellen.

„Durch die neuesten Funktionen der Hana Cloud Platform ist unser Platform-as-a-Service-Angebot für Kunden und Partner noch attraktiver geworden.

Denn mit dieser Innovationsplattform sind sie in der Lage, schnell und flexibel benutzerfreundliche Unternehmensanwendungen zu entwickeln“

sagte Björn Goerke, Executive Vice President und Corporate Officer bei SAP, vergangenes Jahr auf der TechEd in Barcelona.

„Indem sie in kürzester Zeit neue Anwendungen und Services in der Cloud bereitstellen und gleichzeitig mehr aus On-premise-Lösungen herausholen, können Unternehmen auch besser den digitalen Wandel vorantreiben.“

Nur wenige Monate später kam auch wieder in Barcelona der Relaunch: Die SAP Cloud Platform – bisher unter dem Namen Hana Cloud Platform (HCP) bekannt – umfasst zahlreiche neue Business Services und deckt die wichtigsten Geschäftsanforderungen ab.

HEC/HCP-Relaunchs

Sie soll die Entwicklung neuer Anwendungen vereinfachen und kann die Basis für innovative Szenarien für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) bilden.

Die neue und alte Plattform soll Big-Data-Projekte beschleunigen und unterstützt Anwendungen für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Dies wurde auf dem Mobile World Congress Ende Februar dieses Jahres angekündigt.

„Seit der Markteinführung unseres PaaS-Angebots vor drei Jahren hat es sich zur bevorzugten digitalen Unternehmensplattform entwickelt. Auf dieser Basis können Kunden, Partner und Entwickler spezielle Lösungen erstellen, die Personen, Geräte und Unternehmen auf intelligente Weise miteinander verknüpfen.

Um den Leistungsumfang der Plattform besser widerzuspiegeln, wurde sie nun in SAP Cloud Platform umbenannt“

definierte SAP-Technikvorstand Bernd Leukert die neue Cloud aus Walldorf.

„Die SAP Cloud Platform ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Digitalisierung, um immer mehr intelligente Geräte und Maschinen mit Personen und Prozessen zu verknüpfen.“

Laut SAP sind bereits eine Vielzahl von SAP-Unternehmensanwendungen und über 1000 Partneranwendungen entstanden. Die neue SAP Cloud soll kontinuierlich um neue Services ergänzt werden. Diese können die Grundlage für SAP Leonardo bilden, das SAP-Portfolio von IoT-Anwendungen, das intelligente Geräte mit Personen und Prozessen verbindet.

Leonardo wiederum ist die logische Weiterentwicklung des Angebots von Plat.One, einem IoT-Plattform-Anbieter, den SAP in der zweiten Hälfte vergangenen Jahres übernommen hat. Demnach ist das SAP-Leonardo-Angebot identisch dem Plat.One-Portfolio.

Viel Innovation, wenig Sicherheit

Das SAP Cloud Platform SDK for iOS soll am 30. März ausgeliefert werden. Entwickler, Designer und Unternehmen erhalten so die erforderlichen Tools und die Skalierbarkeit, um schnell und effizient leistungsstarke Unternehmensanwendungen für iPhone und iPad zu entwickeln. Diese basieren auf der SAP Cloud Platform und werden mit der Programmiersprache Swift von Apple erstellt.

Die mobile Anwendung Project Companion soll ebenfalls am 30. März verfügbar sein. Die native iOS-Anwendung ist über die SAP Cloud Platform in die Lösung S/4 Professional Services Cloud integriert. Sie nutzt Echtzeitdaten und erleichtert Beratern, Projektmanagern und anderen mobilen Nutzern deutlich die Arbeit.

Die SAP Cloud Platform Virtual Machines wurden im November 2016 in der Region EMEA eingeführt und sollen im ersten Quartal in den USA verfügbar sein. Kunden können damit umfassende Lösungslandschaften einrichten, indem sie Workloads hinzufügen, die auf vorhandener On-premise-Software oder Sprach- und Laufzeitversionen basieren und jetzt direkt auf der SAP Cloud Platform ausgeführt werden können.

Nach Vorstellung von SAP soll die neue Cloud Platform eine flexible Lösung für Cloud-Anwendungen zur Erweiterung des digitalen Kerns von SAP sein, darunter S/4, SuccessFactors, Ariba, Fieldglass, Concur.

Mit über 1.000 Anwendungen, die von SAP und mehr als 600 Partnern auf der Cloud Platform entwickelt wurden, sollen sowohl SAP-Kunden als auch Partner von der Cloud und der Anbindung an Geschäftsnetzwerke profitieren.

IaaS: Cloudflare

Auch wenn offensichtlich HCP nun abgekündigt und tot ist, so wird aller Wahrscheinlichkeit die Infrastruktur für das SAP’sche PaaS-Angebot weiterhin Cloudflare bleiben.

Dieser weltweite Anbieter von Cloud- und Hosting-Diensten ist natürlich als amerikanisches Unternehmen an die Vorgaben der US-Regierung und Behörden gebunden.

Anders als bei der Kooperation zwischen Microsoft und der deutschen T-Systems kann sich hier der Anwender nie sicher sein, wo seine Daten landen. Warum SAP einen Infrastruktur-Anbieter wie Cloudflare wählte, wollte man gegenüber dem E-3 Magazin nicht kommentieren.

Somit gewinnt die bereits erwähnte Exit-Strategie für SAP-Cloud-Anwender eine noch höhere Brisanz. Ein intimer Kenner der Szene und langjähriger Weggefährte der SAP kommentierte:

„Schau selbst, wie du bei Ablauf des Vertrags wieder an deine Daten kommst, falls es dafür überhaupt ein Werkzeug gibt.“

Grundlage dieser Skepsis und Warnung sind die Cloud-AGB der SAP:

Customer may export and retrieve its Customer Data during a Subscription Term, which will be subject to technical limitations caused by factors such as (i) the availability of self-service extraction tools compatible with the Cloud Service, (ii) the size of Customer’s instance of the Cloud Service; and (iii) the frequency and/or timing of the export and retrieval.

If an Order Form for Cloud Services expires or is terminated, Customer’s access to the Cloud Service will be terminated. At Customer’s request upon termination or expiration of the Order Form, SAP shall, within a reasonable time period, remove, delete, purge, overwrite or otherwise render inaccessible all Customer Data still remaining on the servers used to host the Service (excluding any Customer Data in the Ariba Network) to the extent possible based on the then-current technology available within the Service, unless and to the extent applicable laws and regulations require further retention of such data.

Offensichtlich betreibt SAP ihr Cloud-Angebot nicht nur auf einer schwer zugänglichen und kaum kontrollierbaren Infrastruktur, sondern man macht sich auch nur geringe Mühe, die Kundendaten von der Festplatte zu putzen, wenn dieser explizit danach fragt, und auch nur, wenn nicht irgendein Gesetz dagegen ist.

Für den Bestandskunden bedeutet dies, dass er sich nicht nur darum kümmern muss, seine Daten wiederzubekommen, solange sein Account noch gültig ist – wie Bernd Martin, Area Director bei Larsen & Toubro Infotech, als Erster öffentlich feststellt –, sondern auch, dass bei SAP selbst auch wirklich nichts zurückbleibt.

Hier beginnt dann ein neuer Diskurs: Wie steht es um das Intellectual Property von Kunden-Apps in der SAP Cloud?

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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