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Furcht und Zittern

Ist es Furcht vor einer drohenden Gefahr, weiß Hasso Plattner etwas, das wir noch nicht wissen? Oder ist es Angst vor einer unsicheren, undefinierbaren ERP-Zukunft?

Von Hasso Plattner ist das Protokoll einer internen Besprechung über­liefert, in dem er sinngemäß ausführte, er sei von unfähigen Mitarbeitern umgeben und die wenigen, die in seinen Augen nicht unfähig wären, würden das Falsche machen.

Hasso Plattner fürchtet sich vor dem Scheitern seiner SAP. Das ist eine konkrete Furcht, die ihn erzittern lässt. Angst hingegen machen ihm seine „Nachbarn“ im Silicon Valley:

Die vielen Start-ups und Konzerne wie Google, Apple, Amazon, Facebook etc. bewegen sich seiner Ansicht nach wesentlich schneller, erfolgreicher, agiler als seine „europäische“ SAP in Walldorf.

Es ist eine diffuse, subjektive Angst, die aus einer amerikanischen Sichtweise entsteht. Das Ergebnis sind Unruhe und Stress. Hasso Plattner treibt die SAP-Mitarbeiter vor sich her, als gäbe es kein Morgen, und heute gilt es die SAP vor dem Untergang zu bewahren.

Hasso Plattner

Robert Platzgummer (1975 bis 2016) fertigte diese Illustration im Oktober 2013 an. Sie erschien erstmalig im E-3 Magazin November 2013 auf Seite 95.

Bei einer Eröffnungsfeier eines SAP-Forschungszentrums in Potsdam kritisierte er sogar die Gebäudearchitektur in Walldorf und verglich diese mit dem vermeintlich offenen Lebens- und Arbeitsstil im Silicon Valley:

Es könne nichts Produktives und Innovatives in Walldorf entstehen, wenn sich in jedem kleinen und engen Büro lediglich zwei SAP-Mitarbeiter gegenübersäßen – man müsste alle Wände einreißen, war sein Vorschlag.

Verständlich, dass sich viele verunsichert fühlen und getrieben von Angst die kommende Revolution fürchten. Noch aber steht Walldorf, so wie es aufgebaut wurde – und ist erfolgreich wie immer!

Furcht und Zittern“, wie es der dänische Philosoph Sören Kierkegaard (1813 bis 1855) in seinem gleichnamigen, unter dem Pseudonym Johannes de Silentio erschienenen Buch beschreibt, ist religiös erklärbar, aber wahrscheinlich nicht passend für den Zustand der SAP:

Es gibt nichts zu fürchten!

SAP ist und wird es bleiben: der Weltmarktführer für betriebswirtschaftliche Standardsoftware.

Keine andere Software-Suite ist ähnlich umfassend, komplett und ausgetestet wie die SAP Business Suite 7. Das europäische ganzheitliche Wissen und Handeln wird noch sehr lange jeder singulären Spezialisierung überlegen bleiben.

Vielleicht hat Apple gegenüber Fiori die schönere Benutzeroberfläche, vielleicht hat Google oder Amazon das effizientere und preiswertere Cloud Computing, aber in Summe aller Eigenschaften – betriebswirtschaftlich, organisatorisch, technisch – ist und bleibt SAP ungeschlagen.

Wovor ängstigt sich Hasso Plattner? Was fürchtet er konkret?

Naturgemäß kann man sich vor Mobile und Cloud Computing fürchten, weil es andere besser können. Angst haben muss man aber so lange nicht, solange man seiner eigenen Kernkompetenz treu bleibt:

Einen „Cloud-Wettkampf“ hingegen muss SAP verlieren, weil Microsoft, IBM, Amazon und Google den besseren Skaleneffekt haben. Es ist ein Massengeschäft, wo sich ein ERP-Anbieter nur die Finger verbrennen kann.

Eine enge Kooperation mit der deutschen Telekom könnte SAP viel Kopfzerbrechen ersparen und den Konzern ohne Angst in die Zukunft schreiten lassen.

In „Der Begriff der Angst“ diskutiert Sören Kierkegaard unter dem Pseudonym Vigilius Haufniensis den Zustand des Menschen als „lebensgefährliche“ Synthese aus Seele und Leib bzw. aus Ewigem und Zeitlichem. Die Angst erscheint als Symptom für die krisenhafte Genese der menschlichen Freiheit.

„Fürchtet euch nicht und bleibt eurer Kernkompetenz treu – auch damit lässt sich sehr gut die digitale Transformation verwirklichen“

will man den SAP-Mitarbeitern zurufen. Es gilt ohne Angst die Freiheit zu nutzen.

Ein angstmachender Hasso Plattner ist vielleicht verständlich, aber sicher nicht notwendig: Eine ERP-Welt ohne SAP ist nicht denkbar!

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