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IoT versus HCP

Mit katastrophalen Messergebnissen hat das neue Jahr begonnen. Ein erster IoT-Feldversuch mit Hunderten von Sensoren hat gezeigt, dass die SAP’sche Hana Cloud Platform auf Big Data nicht vorbereitet ist. Schuster, bleib bei deinem Leisten!

Optimistisch betrachtet ringt einem SAP Bewunderung und Staunen ab. Es gibt kaum ein IT-Anwendungsfeld, wo SAP nicht versucht, den Fuß in der Tür zu haben.

Der Community wird es als Innovation verkauft, dahinter steckt aber das Unvermögen einer transparenten, logischen, stringenten Unternehmenspolitik.

Schon Ende vergangenen Jahres hörte ich auf Meetings: SAP tanzt auf zu vielen Hochzeiten. Diesen Eindruck kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: Auf der SAP Select in Berlin wurde jedes nur erdenkliche IT-Thema angeschnitten.

Damit wurde die Veranstaltung zu einer Aneinanderreihung von Schlagwörtern.

Man könnte nun deren Auftreten quantifizieren und daraus eine Rangordnung ableiten, diese Aufgabe will ich jedoch unseren Werkstudenten überlassen.

Die Hana- und S/4-geprägte SAP hat ein fundamentales Problem: Die Anliegen der Bestandskunden werden theoretisch auf PowerPoint-Niveau behandelt.

Während früher SAP neben dem ERP-Anwender stand und mit ihm gemeinsam die Herausforderung analysierte und dann löste, werden nun im Schnellschuss „Lösungen“ mit Design Thinking produziert, die anschließend „kostenpflichtig“ beim Bestandskunden reifen sollen.

SAP verkauft zusehends lizenzpflichtige Prototypen, die der Anwender auf eigene Kosten testen muss.

In der digitalen Transformation scheint keine Zeit mehr für Tests und Qualitätssicherungsmaßnahmen vorhanden zu sein.

Realitätsverlust

Weil der Bezug zur Realität fehlt, Design Thinking im ersten Schritt hervorragend funktioniert, dann aber an Nachhaltigkeit vermissen lässt, werden die IoT-Szenarien und Industriebeispiele immer obskurer.

Von meinen Mitarbeitern musste ich mir erzählen lassen, dass Technikvorstand Bernd Leukert auf der TechEd (!) 2016 in Barcelona einen mit Sensoren bestückten Kaffeeautomaten mit der SAP’schen Hana-Cloud-Plattform über eine Fiori-Oberfläche koppelte.

Und genau das ist das Problem: Jeder Informatikstudent aus dem ersten Semester kann ein paar Sensoren aus dem Heimwerkermarkt mit einem kostenlosen Account bei AWS koppeln.

Wir haben aber in unseren Fabrikhallen nicht ein paar Kaffeeautomaten stehen, sondern Hunderte CNC-Maschinen mit jeweils Hunderten Sensoren. Dieser Datenstrom muss in echter Echtzeit und ausfallsicher verarbeitet werden!

Die wirklichen Probleme sind in den SAP’schen PowerPoint-Präsentationen nicht einmal am Rande erwähnt: Wie sortiert und konsolidiert man das Big-Data-Phänomen der Tausenden IoT-Sensoren, sodass es nicht nur einem theoretischen Business-Modell, sondern auch einer realen Produktionsumgebung gerecht wird?

Wenn Sensordaten einer Lokomotive der Italienischen Staatsbahn – eines der IoT-Lieblingsbeispiele von Bernd Leukert – nicht in „Echtzeit“ im Speicher der In-memory-Computing-Datenbank Hana landen, ist das bei Weitem keine Katastrophe.

Wenn eine unserer CNC-Maschinen nicht in Realtime reagiert, ist das 50.000-Euro-Werkstück ruiniert. Ich würde nie ein solches Werkstück einer Internetverbindung in die Hana Cloud Platform anvertrauen.

IoT ist kein Thema für HCP!

Um die wahren IoT-Herausforderungen zu lösen, tut SAP gut daran, Partnerschaften mit Siemens und Bosch zu schließen – was der Walldorfer ERP-Anbieter aber vergisst: Wir als produzierende SAP-Bestandskunden sind nicht erst seit gestern, sondern schon seit vielen Jahren mit Siemens und Bosch in Kontakt.

Unsere Produktions- und Fabrikleiter kennen die Siemens- und Bosch-Experten und diese kennen die Wünsche und Herausforderungen unserer Mitarbeiter in der Produktion und Logistik.

SAP ist hier naturgemäß willkommen, ist aber der Letzte, der nun bei der Tür hereinkommt.

Ohne Tests keine Ergebnisse

Ich habe es schon öfter an dieser Stelle erwähnt: Die Richtung stimmt, im Detail fehlt es an Antworten.

Ob IoT, HCP oder Hana – diese SAP’schen Innovationen sind zu begrüßen, man sollte aber auch Zeit einräumen zum Testen und Reifen.

Hana ist eine hochinteressante Datenbanktechnologie, aber eine produktive Datenbank für einen globalen Konzern muss mehr sein als nur schnell.

Auch der Reifegrad von Hana 2 erscheint mir für einen produktiven Einsatz ungenügend.

Die Herausforderung liegt nicht in der Geschwindigkeit, sondern in der Stabilität, in der Beherrschbarkeit der Technik. ERP, SCM, HCM brauchen eine robuste, absolut sichere Datenbank.

Diese operativen Anforderungen wird Hana sicher einmal erfüllen. Momentan ist Hana bei uns das spannendste Proof-of-Concept.

Wir bekennen uns zur digitalen Transformation, können aber nicht disruptiv vorgehen. Es gilt das Erprobte und Installierte zu bewahren.

Natürlich experimentieren wir mit Hana, AWS, S/4, Fiori, HCP, IoT. Was wir uns wünschen, ist eine SAP, die wieder an unserer Seite steht und gemeinsam mit uns entwickelt.

Wir brauchen keine ERP-Prototypen-Entwicklung, die halbfertige Produkte teuer lizenziert und den Bestandskunden die Fehlersuche und Qualitätssicherung überlässt.

Zurück ins reale Leben wollen wir SAP holen, damit die abstrakten Präsentationen bar jeder Wirklichkeit aufhören – dann trinke ich wieder gerne einen Kaffee aus der IoT-Maschine mit den Walldorfern.

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