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SAP Insider-Handel

Wer die Personalentwicklung des SAP-Vorstands nach Henning Kagermann analysiert, kommt zu dem Schluss, dass es drei Persönlichkeiten sind, die über den Erfolg entscheiden: Hasso Plattner, Werner Brand und Gerd Oswald. Aber wie geht es weiter?

Hasso Plattner hält die Zügel bei SAP fest in der Hand, aber die Königsmacher Ex-Finanzvorstand Werner Brand und Universalgenie „SolMan“ Gerd Oswald sind von Bord gegangen.

Der erfolgreiche Werner Brand hat seinen Nachfolger Luka Mucic bestens vorbereitet und eingeführt – manche Beobachter meinen sogar zu gut, denn das Können und Wissen von Luka Mucic würden ihn auch zum Vorstandsvorsitzenden befähigen.

Mit seinem umfassenden SAP-Know-how erscheint er als „Gefahr“ für Bill McDermott, denn Mucic weiß mehr über SAP-Produkte, als ein durchschnittlicher CFO wissen müsste.

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Aber für den tollpatschig agierenden Amerikaner Bill McDermott kommt Gefahr auch noch aus einer anderen Richtung: Michael Kleinemeier hält sich taktisch geschickt im Hintergrund. Jeder, der das SAP-Urgestein kennt, weiß aber um seinen Ehrgeiz, der eigentlich nur den Posten des CEOs als Ziel haben kann.

So, wie CFO Luka Mucic durch Werner Brand ausgewählt und geformt wurde, wurde Michael Kleinemeier von Gerd Oswald als Nach­folger aufgebaut – seit Ende 2016 ist Oswald im Ruhestand.

Und schon im März 2011 war im E-3 Editorial zu lesen:

„Kleinemeier war ein hinreichend erfolgreicher Geschäftsführer des SAP-Partners Itelligence. Auch wenn er nach seinem Ausscheiden dort einige Leichen im Keller zurückließ, so sammelte er dennoch umfangreiche Erfahrungen in der wichtigen SAP-Partnerlandschaft.

Als SAP-Deutschland-Chef verlor er den Kampf gegen Ex-SAP-Manager Ferri Abolhassan, was ihm aber heute niemand als Schwäche oder Versagen anlastet.

Im Versuch, selbstständig zu werden und im deutschen Mittelstand Fuß zu fassen, konnte er abermals viel Praxis erlangen. Zurück bei SAP als DACH-Chef macht er, seit etwa einem Jahr, einen hervorragenden Job.

Und Michael Kleinemeier genießt hohes Ansehen bei den SAP-Bestandskunden. Hinzu kommt, dass er die Walldorfer Verhältnisse bestens kennt. SAP hat weltweit viele erfahrene Manager, kaum einer ist aber mit den „deutschen“ Idealen des ERP-Weltmarktführers aus Walldorf ähnlich gut vertraut wie Kleinemeier.

Die zahlreichen Aufgaben und Pflichten von Gerd Oswald sind komplex und anspruchsvoll. Kaum vorstellbar ist, dass auf diesem Posten ein von extern kommender SAP-Vorstand überlebt.

Man muss einen hervorragenden Draht zu den SAP-Bestandskunden haben, hohes Ansehen bei den eigenen Mitarbeitern und viel Erfahrung mit dem deutschsprachigen und globalen SAP-Ecosystem, um nur annähernd einen so gewissenhaften und nachhaltigen Job wie Gerd Oswald zu machen.

SAP

Michael Kleinemeier könnte es schaffen. […] Vieles hängt an Gerd Oswald. Er ist das Mastermind in Walldorf.

Oswald ist auch die Schnittstelle zu den SAP-Eigentümern, wenn er sich am Fußballplatz mit Dietmar Hopp trifft. […] Gerd Oswalds Weg wird den Weg der SAP bestimmen.

Das Mastermind braucht einen würdigen Nachfolger. Michael Kleinemeier ist ihm schon ein treuer Weggefährte, möglicherweise erfolgt die Staffelübergabe bald.

Es ist eine Notwendigkeit für den SAP-Vorstand und es wäre eine Bereicherung für die gesamte SAP-Community. Das wertvolle Erbe und Lebenswerk von Mastermind Gerd Oswald darf nicht verloren gehen.“ (aus: E-3 März 2011, Seite 4)

Gerd Oswald hat aber auch Bernd Leukert „erschaffen“. Der aktuelle Technikvorstand kam direkt von der Universität zu SAP und legte eine beispielhafte Karriere vor.

Unmittelbar beerbte er Ex-Technikvorstand Vishal Sikka, der eine „Erfindung“ von Hasso Plattner war. Die beiden kannten sich aus Palo Alto und Stanford, wo Sikka studierte und seinen Doktor in Mathematik machte.

Lange Zeit stand Sikka für die neue SAP, die ihr Handeln an der Economy der kalifornischen Start-ups ausrichtete. Hasso Plattner, der einen Großteil seiner Zeit in Kalifornien zwischen Los Angeles und Palo Alto verbringt, bewunderte und fürchtete seine Nachbarn: Amazon, Google, Apple etc.

Seit Langem hatte er Angst, dass „seine Walldorfer“ von den neuen Business-Regeln überfordert und überfahren werden. Da war der indischstämmige Sikka mit einigen Start-up-Gründungen und solidem akademischen Hintergrund eine optimale Wahl.

Nur Insider wussten es besser, denn Geschichte wiederholt sich: Viele Jahre zuvor in ähnlicher Konstellation hievte Plattner sehr schnell und direkt Shai Agassi in den Vorstand, wo es natürlich mit dem damals noch unumstrittenen Technikvorstand Peter Zencke schnell zum Eklat kam.

Den Wunsch von Agassi, auch noch Henning Kagermann zu beerben und CEO zu werden, konnte Hasso Plattner aber nicht erfüllen. Shai Agassi verließ SAP. Und auch die Beziehung Hasso Plattner und Vishal Sikka zerbrach unter ähnlichen Umständen. Bernd Leukert war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz.

Was bis 2020 geschehen könnte:

Wenn die SAP-Wette auf das Cloud Computing aufgeht, wird wahrscheinlich alles wie gehabt bleiben. Wenn aber der Amerikaner Bill McDermott aus strategischen, politischen oder operativen Umständen ins Schleudern kommt, wird es auf einen Zweikampf zwischen Luka Mucic und Michael Kleinemeier hinauslaufen.

Werner Brand und Gerd Oswald können sich dieses Schauspiel dann aus sicherer Position anschauen – Hasso Plattner aber wird wieder einmal Feuerwehrmann spielen müssen: Shai Agassi wollte Henning Kagermann nachfolgen und keine Doppelspitze mit Léo Apotheker eingehen. Agassi ging und bald darauf auch Apotheker.

Die neue Doppelspitze war Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott, der erfolgreich seinen Partner verabschiedete. (pmf)

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