Hausmitteilung

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Bildungsarbeit für Bots

In den letzten Wochen standen die Wahlen in den USA im Zentrum der medialen Öffentlichkeit. Eines der vieldiskutierten Themen war, inwieweit computergenerierte Posts einen Einfluss auf das Wahlergebnis hatten. Die wahlwerbenden Parteien warfen sich genau das gegenseitig vor.

So wurde behauptet, dass ein Großteil von Hillary Clintons Posts in sozialen Medien computergeneriert wäre.

Auf der anderen Seite wurden unmittelbar nach den TV-Konfrontationen auffällig viele ähnlich lautende Twitter-Meldungen abgesetzt, die Donald Trump als Sieger der Fernsehdebatten sahen.

Der Umstand, dass Meinungsforscher soziale Medien als Forschungsgegenstand für ihre Analysen der Stimmungslage in der Bevölkerung entdeckt hatten, befeuerte die Spindoktoren, Bots einzusetzen, um die veröffentlichte Meinung in ihrem Sinne zu drehen.

Wie großflächig das passierte, zeigt auch eine geplante Untersuchung der Wochenzeitung Die Zeit.

Sie startete eine Onlineumfrage zur Wahlpräferenz außerhalb der USA und musste das Unterfangen abbrechen, nachdem in Österreich unmittelbar nach dem Aufsetzen der Umfrage bereits 1000 Stimmen für Trump abgegeben wurden.

Die mit stärkeren Filtern neu aufgesetzte Umfrage ergab, dass ein knappes Drittel der Votes von Bots abgesetzt wurde.

Inwieweit das Wahlergebnis wirklich von computergenerierten Posts in sozialen Medien beeinflusst wurde, sei dahingestellt. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zeigte sich vom Wahlergebnis überrascht.

Er stellte aber in Abrede, dass Falschmeldungen auf Facebook die entscheidenden Wählerstimmen gebracht hätten, und redete somit auch die Wirkungsweise seiner eigenen Plattform klein.

Was bedeutet der Trend nun für ein Printmedium wie das E-3 Magazin? Sind computergenerierte Tweets eine neue Spielart der Digitalisierung, die auch in der Medienbranche Arbeitsplätze vernichten wird?

Das kann man auch anders sehen. Bots eignen sich sehr gut, um mit einfachen Inhalten den Traffic zu stimulieren und Bedeutung sowie Aufmerksamkeit zu generieren.

Man könnte dann auch gleich noch einen Schritt weiter gehen und die Webstatistik frisieren und Visits und Page Impressions gleich mit automatisieren. Wie man den eigenen Webauftritt am besten auch für die strengen Vorgaben der Auflagenkontrolle IVW optimiert, lässt sich schnell mittels Google-­Suche recherchieren.

Letztlich bewegt man sich dabei aber in der eigenen Blase und am Ende sollten die verbreiteten Informationen doch (derzeit noch) Menschen erreichen.

Computergenerierte Inhalte sind nicht viel mehr als eine neue Werbeform und wie bei anderen Formen der Werbung in der Vergangenheit lernen die Rezipienten sehr schnell, wie sie diese einordnen können.

Als Printmedium im traditionellen Sinn stellen wir diesem Trend Bildungs- und Informationsarbeit entgegen.

Wir bemühen uns in jeder Ausgabe des E-3 Magazins von Neuem, unsere Leser dort abzuholen, wo sie mit ihren komplexen Herausforderungen Orientierung und Lösungen suchen – mit Autorinnen und Autoren aus Fleisch und Blut ohne kryptische Pseudonyme. Simplifizierung ist auch hier notwendig.

Sie bedeutet für uns, Antworten in verständlicher Sprache auf komplexe Probleme zu geben, wo Marketingversprechen zu kurz greifen.

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