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Neuausrichtung der Sourcing-Strategien

Was genau planen CIOs in Deutschland in den kommenden Monaten, um ihre Unternehmen fit für das digitale Zeitalter zu machen? Für nicht wenige IT-Leiter steht die Bedrohung im Raum, durch die IT-Kompetenz der Fachbereiche überflüssig zu werden. Sie müssen also gegensteuern.

Bei den 2017 geplanten Maßnahmen der IT handelt es sich um eine Reihe an Einzelthemen zur Modernisierung der IT-Systeme.

Dazu gehören die Optimierung des Stammdatenmanagements, Altsoftware-Modernisierung, immer noch die Virtualisierung, die fortschreitende Standardisierung der Applikationsebene und eine Neujustierung der Make-or-BuyStrategien.

Diese Projekte binden enorme Ressourcen und Projektmitarbeiter, die an anderer Stelle, zum Beispiel bei Digitalisierungsthemen und der Innovationsentwicklung, fehlen.

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Entsprechend heiß läuft derzeit auch der Markt für IT-Dienstleistungen, der laut den Planungen der Anbieter im kommenden Jahr erneut um rund 7 Prozent zulegen soll.

Nur: Projektmitarbeiter und IT-Spezialisten sind trotzdem knapp und die Nachfrage nach externer IT-Unterstützung übersteigt seit einiger Zeit – in gewissen Themen – das Angebot.

Die Anbieter sind dennoch optimistisch, auch weil die Kunden für viele Themen keine andere Wahl haben, als sich extern Unterstützung hinzuzukaufen.

Diese Situation wird noch weiter verschärft. Denn parallel zum Kraftakt einer IT-Modernisierung müssen CIOs als Busi­nesspartner ihre internen Kunden, die Fachbereiche, bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategien unterstützen.

Dabei geht es um die Integration von digitalen Lösungen in die Backend-IT, aber auch um den Aufbau von Cloud-Infrastrukturen, auf denen digitale Geschäftsmodelle entwickelt und vermarktet werden sollen.

Beispiele hierfür sind IoT-Plattformen oder E-Commerce-Plattformen, auf denen diverse Marktteilnehmer angebunden sind.

Die Zusammenarbeit mit den Fachbereichen wird sich in Zukunft folglich noch weiter ausweiten beziehungsweise es wird sich aus meiner Sicht eine noch stärkere Demand-Supply-Trennung vollziehen als bisher.

Denn die Fachbereiche ziehen immer mehr ITBudget für ihre Digitalisierungsprojekte an sich.

Und das ist aus Sicht der CIOs und der ITAbteilung auch gut so.

Warum?
Die Fachbereiche sind deutlich näher an den Anforderungen ihrer Kunden und an Entwicklungen, die ihre Bereiche betreffen, als die ITAbteilung.Daher sind sie auch diejenigen, denen die Entwicklungshoheit zugesprochen werden soll.

Die Diskussion um den CIO, der eigentlich der Chief Digital Officer sein sollte, ist für die Positionierung der ITAbteilung ein Störfeuer, eher kontraproduktiv und weckt Erwartungen an CIOs und die ITAbteilung, die nicht erfüllt werden können und auch nicht erfüllt werden sollen.

Jedoch haben auch viele CIOs beziehungsweise IT-Leiter in den letzten Jahren sich nicht weiterentwickelt und sind in ihrer alten Welt „verhaftet“.

Wer die neuen Themen mitgestalten möchte, muss sich auch mit ihnen beschäftigen und sich nicht auf die alten Commodity-Themen konzen­trieren.

Commodity wird ausgelagert; an dieser Entwicklung kommt niemand vorbei. Die Digitalisierungswelle wird so schnell nicht abnehmen, aber viele IT-Leiter kaufen sich gerade Zeit und versuchen sich davor zu schützen.

Getreu dem Vogel Strauß, wenn mein Kopf im Sand ist, sieht mich keiner.

IT-Leiter müssen sich mehr aktiv darum bemühen, in die Sitzungen des Topmanagements reinzukommen, denn dort wird regelmäßig über Digitalisierung, und damit über IT, gesprochen.

In viel zu vielen Fällen interessanterweise ohne den IT-Leiter. Das sollte jedem Betroffenen ernsthaft zu denken geben.

Aber zurück zum Thema, womit sich CIOs aktuell in Sourcing-Fragen beschäftigen.

Eine Bestandsaufnahme:
Fast jedem zweiten Unternehmen fehlt regelmäßig Personal für Digitalisierungs– bzw. ITProjekte.

Über ein Drittel der Unternehmen hat laut LünendonkAnalysen große Schwierigkeiten, den passenden Dienstleistungspartner für Digitalisierungsprojekte zu finden.

In der Konsequenz richten Unternehmen ihre Sourcing-Strategien neu aus. Welche Maßnahmen das konkret sind, hat Lünendonk in seiner aktuellen Studie „Der Markt für IT-Sourcing in Deutschland“ erhoben.

CIOs erwarten Umbau ihrer IT-Abteilung

Maßnahmen zur Anpassung der IT an den digitalen Wandel wie „Two-speed-IT“, die Einführung eines Chief Digital Officer oder die komplette Auflösung der ITAbteilung werden bereits seit Jahren kontrovers in der Branche diskutiert.

Fakt ist, dass CIOs die Entwicklungen in ihren Unternehmen rund um die Digitalisierung genau beobachten müssen, um Maßnahmen für ihren Bereich abzuleiten.

Wie diese konkret aussehen, hängt von der jeweiligen Unternehmensstrategie und dem aktuellen Digitalisierungsreifegrad ab.

In jedem Fall sind 43 Prozent der von Lünendonk befragten IT-Entscheider der Auffassung, dass sich im Zuge der digitalen Transformation „große Auswirkungen“ ergeben werden, die zum Umbau ihres Bereichs führen.

Jedoch sind 18 Prozent der Auffassung, dass die Digitalisierung nicht zu einem kompletten Umbau der ITAbteilung führen wird bzw. sie haben diesen Umbau bereits hinter sich.

Die Neuorganisation der ITAbteilung betrifft im Wesentlichen die Neuregelung der Zusammenarbeitsprozesse zwischen den Fachbereichen und der ITAbteilung.

So sind die IT-Entscheider auch überzeugt, dass künftig mehr Sourcing-Strategien von den Fachbereichen entwickelt und umgesetzt werden (müssen).

Ebenso steigen die IT-Budgets der Fachbereiche für Digitalisierungsthemen wie Cloud-Plattformen, Automatisierungsvorhaben und datenbasierte Geschäftsmodelle zur Vermarktung der Produkte stark an.

Mehr Fremdleistungen

Möglicherweise als Reaktion auf den digitalen Wandel planen die von Lünendonk untersuchten Kundenunternehmen, künftig mehr ITLeistungen an externe Partner zu vergeben.

Der Anteil der bezogenen Fremdleistung (Basis: Gesamt-ITBudget) wird sich laut den Planungen der befragten IT-Entscheider von 29,7 Prozent (2016) auf 35,7 Prozent (2017) erhöhen.

Insbesondere die analysierten mittelständischen Unternehmen mit weniger als einer Milliarde Euro Umsatz planen, deutlich mehr ITLeistungen extern auszuschreiben.

Der Anteil der IT-Eigenleistung soll von 76,2 Prozent (2016) auf 67,5 Prozent (2017) zurückgehen.

Mehr Nearshore

Die IT-Produktion findet im Jahr 2016 noch überwiegend in Deutschland statt. Durchschnittlich 69,4 Prozent der erbrachten ITLeistungen werden in allen der untersuchten Kundenunternehmen von Deutschland aus erbracht.

Den geringsten Onshore-Anteil haben mit durchschnittlich 65,8 Prozent die analysierten Kundenunternehmen mit mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz.

Insbesondere die Großunternehmen und Konzerne haben seit Jahren globale IT-Strukturen mit entsprechenden Delivery-Centern und arbeiten mit internationalen IT-Providern zusammen, die von Near- und Offshore-Standorten wie Indien, Ungarn oder Polen IT-Services wie Anwendungsentwicklung, Testservices oder Fernwartungsleistungen übernehmen.

IT-Beratungsprojekte (ITStrategie, IT-Architektur etc.) und Systemintegration sowie Softwareeinführung werden in der Regel lokal erbracht.

Dagegen weisen die untersuchten mittelständischen Unternehmen mit weniger als einer Milliarde Euro Umsatz noch den höchsten Onshore-Anteil aus (72,1 Prozent im Durchschnitt).

Allerdings planen 20 Prozent der befragten IT-Entscheider aus den mittelständischen Unternehmen, bis zum Jahr 2018 deutlich mehr ITLeistungen auf Nearshore-Standorte zu verlagern.

Die Antworten aller befragten IT-Entscheider zeigen darüber hinaus, dass in den kommenden Jahren die Delivery-Modelle stark angepasst werden.

Es wird eine Verschiebung von ITLeistungen von Onshore-Standorten zu Near­shore-Regionen geben. So planen 26 Prozent der analysierten Unternehmen, ihre lokal in Deutschland erbrachten ITLeistungen zu reduzieren.

23 Prozent der Unternehmen werden in den kommenden zwei Jahren in größerem Umfang Nearshore-Standorte nutzen, jedoch auch 16 Prozent möchten Leistungen aus Nearshore-Regionen abziehen.

Dagegen planen nur 15 Prozent der untersuchten Unternehmen, in den nächsten zwei Jahren mehr Offshore-Regionen zu nutzen.

Allerdings bleibt die Bedeutung der OffshoreStandorte für die IT-Leistungserbringung in etwa gleich hoch, da 81 Prozent der analysierten Unternehmen keine Veränderungen in ihrem Offshore-Anteil planen.

Fazit

Es ist viel Bewegung in den Unternehmen, teilweise werden lange Jahre funktionierende Modelle komplett verändert.

Für die ITAbteilung bedeutet dies einen radikalen Wandel im Service-Verständnis gegenüber den internen Kunden, im Qualitätsbewusstsein, da IT nicht mehr nur die Geschäftsprozesse unterstützt, sondern direkt als Produkt oder Service beim Endkunden ankommt und über die Kundenzufriedenheit entscheidet.

Das Partner-Ökosystem wird ebenfalls größer und muss orchestriert werden; auch dazu müssen in den IT-Abteilungen Steuerungskompetenzen vorhanden sein. Es bleibt spannend.

 

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