Coverstory 1611 MAG 1611

Hana, SoH, S/4 und Hybris

Interview
[shutterstock:448046341, AH86]

Interview mit Frank Scharpenberg, Head of SAP bei Atos Deutschland, zum Thema SAP Hybris:

Hana, SoH und S/4 sind und bleiben das Kernsystem. Wie erfolgt die Anbindung an SAP Hybris?

Frank Scharpenberg: Generell gilt für die SAP-Hybris-Anbindung: nahtlos und prozessorientiert. Ob man bei der technischen Anbindung eines SAP Hybris C4C nun eine HCI – Hana Cloud Integration aus das SAP Cloud – oder NetWeaver PI einsetzt, ist hier nicht entscheidend.

Also ist es für den SAP-Bestandskunden mehr als eine technische Anbindung?

Scharpenberg: SAP hat die Erfahrungen aus der SAP CRM Middleware eingebracht, und dies mit dem Anspruch, den Anwendern eine Prozess-
integration anzubieten. Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich nicht nur um eine Anbindung handelt. Die Walldorfer liefern hier eine Standardintegration für Stammdaten und für Transaktionen, die auch kontinuierlich durch den Hersteller weiterentwickelt wird.

Wo liegt demnach das Zentrum?

Scharpenberg: Per Definition das ERP-Back­end als Kernsystem bzw. als führend zu definieren ist zu einfach. Informationen, die in der Kundeninteraktion entstehen, werden auch in einer Cloud-4-Customers, C4C, führend erfasst. Dass Produkte, Preise und Verfügbarkeiten aus dem ERP genutzt werden, ist klar. Hier gilt es prozess- und objektorientiert Festlegungen zu treffen. Die Anbindung bzw. Integration ermöglicht damit einerseits die Konvergenz von ERP-Prozessen und damit auch Governance im Hybris C4C. Andererseits haben Vertrieb und Service alle benötigten Informationen benutzerrollenspezifisch im Zugriff, um den Kunden die Customer Experience zu bieten, mit der die neuen As-a-Service-Geschäftsmodelle funktionieren werden.

Ist nun S/4 oder Hybris das führende System im ERP-Umfeld?

Scharpenberg: Die Stärke eines SAP Hybris Commerce liegt wie beim C4C in der Experience. Steht beim C4C primär die User Experience im Marketing, Sales und Service durch den Anwender wahrnehmbar im Vordergrund, so bietet Hybris Commerce die oft zitierte Customer Experience. An dieser Stelle kann ich auf meine Aussage zum SAP Hybris C4C verweisen. Hier gilt das Gleiche, wenn wir von einer SAP-ERP-Kopplung sprechen. Wenn Sie kundenindividuelle oder sogar channelspezifische Preise definiert haben, dann bilden Sie diese nur einmal ab, an einer Stelle. Die vertikale Integration, vom ERP zum Kunden, in Verbindung mit der durch Hybris möglichen horizontalen Channel-Integration über Marketing, Commerce, Sales bis hin zum Service lässt aus meiner Sicht hier keinen Spielraum. Ich sehe auch nicht die Notwendigkeit, dies zu tun, da die angebotenen Integrationskomponenten von SAP Hybris mit Blick auf ein ECC oder S/4 Hana eine klare Sprache sprechen: nahtlos und prozessorientiert. SAP hat hier ihre Stärke und spielt diese gegenüber anderen Marktteilnehmern dadurch aus, dass diese Integration aus Walldorf mitgeliefert wird.

Ist S/4 und Hybris bereits in der Praxis angekommen – oder stehen wir wie bei Industrie 4.0 am Beginn einer Entwicklung?

Scharpenberg: Ja und nein. Der Schlüssel liegt im zunehmenden Integrationsumfang der Komponenten, welcher den SAP-Hybris-Abdeckungsgrad determiniert. Die Integration von C4C Sales hat vieles, was ein SAP CRM heute bietet. Mit dem C4C 16/08 und dem S/4 Hana 16/10 werden viele offene Lücken wie etwa im Vertrag und der Ibase geschlossen. Ähnliches gilt für Hybris Commerce. Die Funktionalität deckt bereits im hohen Maße Industriestandards ab.

Also den Kinderschuhen entwachsen?

Scharpenberg: SAP Hybris ist reif für den Einsatz und wird mit Best Practice bzw. Acceleratoren bereitgestellt. Industrie 4.0 und die vorhin erwähnten neuen digitalen As-a-Service-Geschäftsprozesse brauchen eine Customer-Experience-Plattform, die einerseits mitwachsen kann und andererseits darin nicht durch die Governance eines ERP-Backends ausgebremst wird, jedoch integriert ist.

In welchen Industrien lässt sich Hybris aus Sicht von Atos einsetzen?

Scharpenberg: Natürlich reden wir hier von den klassischen Branchen, in denen ein SAP ERP bereits heute für die wertschöpfenden Prozesse eines Unternehmens im Einsatz ist. Produzierendes Gewerbe, Maschinen und Anlagenbauer – hier laufen gerade unsere Projekte bzw. sind mit SAP Hybris produktiv. Aber auch in der reinen Serviceindustrie wird sich mit der Erweiterung der ERP-Integration die Lösung einsetzen lassen.

Danke für das Gespräch.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, München, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel +49(0)89/210284-21

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