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Enabling S/4 und Hana

SAP hat das größte Projekt ihrer über vierzig Jahre langen Unternehmensgeschichte begonnen: den Versionswechsel von einem „Blackbox“-ERP zu einem offenen ERP mit der In-memory-Computing-Plattform Hana. Für einen Trusted Advisor wie Atos gilt nun: Enabling S/4 und Hana. Darüber sprach Frank Scharpenberg, Head of SAP bei Atos Deutschland, mit E-3 Chefredakteur Peter M. Färbinger.

Der Startschuss für ein neues ERP-Zeitalter wurde von SAP gegeben. Der Widerhall in der SAP-Community ist ambivalent, weil es gilt, erfolgreiche R/3-Enterprise-, ERP/ECC-6.0- und Business-Suite-7-Systeme abzulösen – noch gilt der Informatik-Sager: Never change a running system!

Aber die digitale Transformation und Enabling von IoT, Cloud und Mobile Computing erfordert neue Plattformen und Technologien. Hier kam SAP mit der In-memory-Computing-Plattform Hana und dem Realtime-Enterprise-Konzept S/4 gerade zur rechten Zeit.

Naturgemäß diskutiert die SAP-Community den Umstieg auf eine neue ERP-Generation mit großem Engagement – aber nicht immer freiwillig: Die Welt der Geschäftsprozesse ändert sich. Branchen bilden „Business- Eco-Systeme“ und verschmelzen. Das Resultat, wie es von DSAG e.V. auf dem diesjährigen Jahreskongress in Nürnberg dargestellt wurde: Verschiedene Geschäftsmodelle treffen sich und ergeben eine 360-Grad-Sicht auf die Märkte. Erzeugte Daten werden immer mehr zum Geschäftsmodell. Die Voraussetzungen, um diesem Wandel zu begegnen, schafft die Technologie. Welche Rolle wird SAP in diesem Szenario besetzen? Was bedeutet die Position als Softwarehersteller von integrierten Geschäftsprozessen, Business Networks und hybriden Geschäftsplattformen? Welche Bedeutung haben andere Player auf dem Softwaremarkt?

S/4-Kick-off

„Wir haben in Deutschland und Europa einige aktive S/4-Hana-Kunden oder Kunden, die kurz vor der Produktivsetzung stehen“ „Der größte Teil der aktiven Kunden sind aber Neukunden, welche die Chance genutzt haben, jetzt auf die neue ERP-Generation aufzuspringen.“

Frank ScharpenbergAtos Director im E-3 Gespräch

Der digitale Wandel betrifft aber alle SAP-Bestandskunden, was Scharpenberg bestätigt: „S/4 Hana ist bei allen unserer Kunden ein wichtiges Thema. Im mittelständischen Bereich arbeiten wir an konkreten Einführungs- und Rollout-Szenarien. Die größeren Kunden sind noch etwas verhaltener und beschäftigen sich zurzeit eher mit ihrer generellen S/4-Hana-Roadmap und setzen konkrete Proofs of Concept auf.“
Frank Scharpenberg ist optimistisch für 2017: „Nächstes Jahr erwarten wir eine exponentielle Steigerung der Akzeptanzkurve.“ Eines ist klar: Neue digitale Prozesse brauchen stabile Kernsysteme, die sich erweitern, modifizieren oder ergänzen lassen. Wie sehen die Lösungen von SAP dazu aus? Der Anwenderverein DSAG meint dazu, mit der Business Suite ist bei den SAP-Bestandskunden eine gereifte Plattform im Einsatz, für die über Jahre umfassendes Know-how angereichert wurde.

Hier erwartet die DSAG eine adäquate Weiterentwicklung der Bestandslösungen, die nicht zugunsten von Neuprodukten wie S/4 Hana ausfällt. Damit einher geht die Qualität der gelieferten Systeme. „Wir brauchen mehr Prozessqualität in Form von fehlerfrei gelieferten Lösungen, das hilft Unternehmen bei ihrer Digitalisierungsstrategie“, erklärte Marco Lenck, DSAG-Vorstandsvorsitzender, in Nürnberg. Und er ergänzt: „In Zukunft müssen Softwarelösungen einfach zu betreiben sein, sonst werden Unternehmen bei ihren Digitalisierungsvorhaben zu sehr aufgehalten.“

Hana, SoH und S/4

Zeitlich gesehen gab es zuerst Hana, dann SAP Business Suite on Hana (SoH) und dann S/4. Was ist der Stand von SoH? Wie viele produktive SAP-Bestandskunden gibt es hier? „Hier ist die Anzahl deutlich höher, da eine technische Migration viel leichter ist, als die Prozesse anzufassen“, beschreibt Frank Scharpenberg den Schritt der SAP-Community in eine Zukunft mit Hana, SoH oder S/4.

„Viele Bestandskunden haben in den frühen Phasen die Rabattaktionen der SAP genutzt und sich mit den entsprechenden Lizenzen für die Hana-DB oder im vergangenen Jahr mit S/4 Hana ausgestattet.“

Frank ScharpenbergAtos Director im E-3 Gespräch

Aber, meint Scharpenberg gegenüber E-3, bei SoH kann man von erprobter Praxis sprechen, damit ist der Atos Director auf einer Linie mit Marco Lenck.

Vor diesem Hintergrund ist es unter dem Strich für SAP-Kunden wesentlich, dass sie mit unterschiedlichen Lösungen die Digitalisierung vorantreiben können. In einem Tempo, das nicht durch das Auslaufen der Wartung bestimmt wird. Dazu Marco Lenck: „Auf Basis der neuen SAP-Technologien und im Hinblick auf die Bestandslösungen erwarten wir mehr Funktionalität und eine bessere Integration der Lösungen. Zudem fehlen uns aussagekräftige Roadmaps, um die nächsten Jahre planen zu können.“ Somit scheint SoH für den Bestandskunden eine interessante Herausforderung zu sein, weil er seine Business Suite mit allen Geschäftsprozessen behalten kann und eine schnelle In-memory-Computing-Datenbank bekommt.

Wer und warum soll man den Schritt von Business Suite mit AnyDB auf SoH machen?

„Zum einen bietet die Hana-DB in verschiedenen Bereichen eine deutliche Beschleunigung der Geschäftsprozesse im System, was sich auf die Produktivität der Unternehmen auswirkt. Beispielsweise haben wir für einen großen Kunden nachweisen können, dass sich auf Basis von SoH seine durchschnittliche Prozess-Performance um das 2,9-Fache verbessert hat – in einzelnen Bereichen sogar deutlich höher.

Des Weiteren haben viele Unternehmen die Lizenzen bereits erworben. Somit ist es allein aus Kostengründen für sie interessant. Hinzu kommt ein deutlich reduzierter Speicherbedarf. Es lässt sich somit kundenindividuell ein konkreter Business Case errechnen. Zu guter Letzt halte ich den Weg über SoH bei größeren und komplexeren Installationen für einen guten Zwischenschritt auf dem Weg zu S/4.“

Frank ScharpenbergAtos Director im E-3 Gespräch

Mit einem ähnlichen Ansinnen argumentierte Bernd Leukert, Technikvorstand der SAP, bereits 2015 auf der Sapphire in Orlando, USA:

„Für Kunden von heute sind kontinuierliche Prozesse und die Möglichkeit zur Personalisierung eine Grundvoraussetzung. Sie erwarten von Unternehmen, dass diese die neuesten Technologien einsetzen.“

Bernd Leukert

Welche Herausforderungen ergeben sich mit SoH und was sind die Services von Atos für diesen Datenbankwechsel? „Zunächst muss eine Business-Case-Betrachtung angestellt werden und darauf basierend sind dann die entsprechend erforderlichen SAP-Lizenzen zu erwerben“, definiert Scharpenberg das prinzipielle Vorgehen. Die Lizenzen kann der Kunde, sofern er kein SAP-Bestandskunde ist, bei Atos kaufen. Zusätzlich ist die notwendige Hardware vom Kunden auszuwählen und zu beschaffen. Je nach Release-Stand der bestehenden ERP-Lösung des Kunden ist eventuell noch ein Software-Upgrade auf ERP/ECC 6.0 und EhP 7 (Enhancement Package) durchzuführen, damit das System überhaupt auf SoH migriert werden kann. Danach kann dann die Code Conversion stattfinden.

„Hier nutzt Atos seine Migration Factory in Indien mit entsprechend teilautomatisierten Tools und führt die Datenbankmigration auf Hana durch“

Frank ScharpenbergÜber die Umsetzung und den Mehrwert von Atos

Abschließend unterstützt Atos den Kunden beim Testen des neuen SoH- Systems sowie den Go Live. „Mit unseren Hana-zertifizierten Bullion-Servern sind wir in der Lage, dem Kunden ein End-to-End-Paket für seinen Umstieg auf Hana anzubieten, wenn gewünscht inklusive Hosting und Application Management“, beschreibt Frank Scharpenberg den Atos-Weg und er ergänzt stolz: „Hier können wir mit der Hana-Migration bei Siemens und anderen Kunden auf umfangreiche Erfahrungen zurückgreifen.“

Ziel 2025

Wie erklärt Atos einem potenziellen SoH-Kunden den Release-Wechsel? Als ERP-System für die kommenden zehn Jahre oder als Zwischenschritt mit dem Endziel S/4 bis 2025?

„Das Ziel ist natürlich der S/4-Hana-Umstieg in den nächsten Jahren“„S/4 Hana bietet ja neben der schnellen Datenbank noch weitere deutliche Vorteile wie die integrierte Datenhaltung, die neuen User-Interfaces oder den Einstieg in IoT als Plattform in die digitale Welt. Zudem werden Neuentwicklungen im Wesentlichen nur noch im S/4-Umfeld stattfinden. Der Zeitraum bis 2025 mag aus Wartungssicht lange erscheinen, aber ich glaube, dass allein durch die inhaltlichen Vorteile eine größere Adaptionswelle in den nächsten Jahren einsetzen wird.“

Frank Scharpenberg

Damit ist sich der Atos Director dem Sinn nach vollkommen einig mit den Aussagen von SAP-Technikvorstand Bernd Leukert. „Wir haben eng mit unseren Kunden zusammengearbeitet, die sich in der digitalen Wirtschaft weiterentwickeln und herausfinden wollen, wo ihnen digitalisierte Prozesse den größten Mehrwert bieten“, sagte Leukert auf der Sapphire 2016 „Das Ergebnis ist eine völlig neu konzipierte Suite, die S/4 Hana zum ersten digitalen Kern für digitale Geschäftsprozesse macht. Unternehmen können dadurch mithilfe innovativer Anwendungsszenarien in zentralen finanziellen und operativen Bereichen wie der Logistik einen einzigartigen Mehrwert erzielen. Dabei profitieren sie von vereinfachten Datenmodellen und einer flexiblen Benutzeroberfläche.“

Time-to-Market

Die DSAG hat kürzlich verlautet, dass auch eine SAP Business Suite mit AnyDB bereits ein sehr gutes System für die digitale Transformation, IoT und Industrie 4.0 ist. Stimmt das?

„Im Kern halte ich diese Aussage nicht für falsch. SAP ist für viele Kunden der ,Backbone‘ in ihren Geschäftsprozessen und wird es zukünftig auch bleiben. Oft handelt es sich hier jedoch um historisch gewachsene, höchst individualisierte Systeme. Im Zeitalter der digitalen Transformation benötigen Unternehmen aber auch eine erhöhte Flexibilität und Anpassungsgeschwindigkeit – Stichwort: Time-to-Market. Wer kann jetzt schon genau sagen, welche Herausforderungen sein Unternehmen im Rahmen der Digitalisierung in drei Jahren genau zu bewältigen hat und welche Wettbewerber mit welchen innovativen Geschäftsmodellen sein Kerngeschäft angreifen?“

Frank Scharpenberg

Mit dieser Aussage erklärt Scharpenberg die Verbindung zwischen Alt und Neu, zwischen den Strategien der SAP-Community und den Visionen von SAP. Der Atos Director sieht wie Bernd Leukert den Mehrwert: „Darüber hinaus wird bei den zunehmenden Datenmengen zum Beispiel durch IoT- und Industrie-4.0- Anwendungsfälle die Skalierbarkeit eine entscheidende Rolle spielen. Deshalb halte ich es für richtig, den Wechsel auf die neue ERP-Generation als Sprungbrett zu sehen und sich hier entsprechend aufzustellen. IT und Technologie dürfen dabei nicht zum Flaschenhals werden. Deswegen darf man bei der ganzen SoH-Diskussion nicht vergessen, dass ein direkter Sprung – Greenfield mit S/4 Hana – die einmalige Chance bietet, alte Zöpfe abzuschneiden und sich komplett neu für das digitale Zeitalter aufzustellen.“

Und welche Einschränkungen oder Vorteile ergeben sich somit für SoH-Anwärter? Welche Erkenntnisse gibt es aus der Implementierungspraxis? „In der Praxis konnten wir in vielen Bereichen die von SAP propagierten deutlichen Performance-Gewinne  und den reduzierten Speicherplatzbedarf bestätigen“, sagt Scharpenberg im E-3 Gespräch. „Als Einschränkung gegenüber S/4 Hana ist sicherlich zu nennen, dass ich zwar meine alten Prozesse beschleunige, aber die weiteren prozessrelevanten Nutzenvorteile – etwa Wegfall der Datenfortschreibung für Reporting-Zwecke – nicht abgeholt werden.

Hier muss man allerdings schauen, ob bereits alle benötigten logistischen Funktionalitäten voll zur Verfügung stehen und ausgereift sind. Hier macht SAP aber einen guten Job, die Lücken schnell zu schließen“, weiß Scharpenberg aus seiner beruflichen Praxis und er ergänzt: „Natürlich habe ich beim zweistufigen Approach – erst SoH, dann irgendwann S/4 Hana – erst mal höhere Aufwendungen aufgrund der zwei Projekte. Das kann aber aus Risikominimierungssicht sinnvoll sein!“

Alternativen

Was ist die Alternative zu SoH? Warten bis 2020, wenn S/4 wahrscheinlich über einen ähnlichen Funktionsumfang verfügen wird? Oder heute mit den S/4-Add-ons Finance und Logistics beginnen?„Dies ist natürlich von der individuellen Ausgangssituation und Zielstellung jedes Unternehmens abhängig“, definiert Scharpenberg.

„Wenn ich Hana-DB-Lizenzen bereits habe, die Geschwindigkeitsvorteile nutzen will und vor einem Wechsel zu S/4 schon mal Erfahrungen mit der neuen Technologie sowie der notwendigen Anpassungen – z. B. Code Conversion – machen will, ist man mit einem SoH sehr gut beraten.Wer für sein Geschäft die weiteren inhaltlichen und funktionalen Vorteile im Bereich Finanzen nutzen will, kann mit den neuen S/4-Finance-Funktionalitäten starten. Diese sind schon deutlich ausgereifter und erprobter als der logistische Part, dessen Funktionsumfang aber über die nächsten Versionen stetig wachsen wird. Da wird niemand bis 2020 warten müssen, da es ja bereits erste Kunden gibt, die vollumfänglich auf S/4 Hana Enterprise Management gewechselt sind. In Summe kann ich empfehlen, sich jetzt mit dem Thema S/4 Hana zu beschäftigen. Das bedeutet ja nicht zwangsläufig, sofort die Conversion oder einen Greenfield-Ansatz durchzuführen, auch organisatorische und prozessuale Änderungen gehören dazu.“

Treiber: IoT

Gibt es Argumente bezüglich der digitalen Transformation, schnell auf SoH zu wechseln? Ein klassisches Beispiel sind IoT-Szenarien und die damit verbundenen Datenmengen, meint Frank Scharpenberg. Mit SoH ist ein technischer Eintritt in die IoT-Welt möglich.

„Und dies ist ein guter Schritt“„Jede Technik aber wird von einem Prozess begleitet. Und solange das jeweilige SAP-System die IoT-Szenarien speist und wir in E2E-Prozessen denken, macht es auch Sinn, auf S/4 Hana zu schwenken und die Prozesse danach auszurichten.“

Frank Scharpenberg

Die digitale Transformation ist demnach für alle eine Herausforderung. „Mit dem Voranschreiten von Industrie 4.0 eröffnen sich Produktionsunternehmen neue Geschäftschancen durch Softwaresysteme, die Sensordaten analysieren“, so Bernd Leukert, der als Vorstandsmitglied der SAP für den Bereich Produkte und Innovationen zuständig ist.

„Firmen, die jetzt anfangen, über Innovationen in der Fertigung nachzudenken, werden einen Wettbewerbsvorteil haben. Mit unserem Kooperationsprojekt möchten wir dem produzierenden Gewerbe helfen, sich schneller auf veränderte Geschäftsanforderungen einzustellen und Produkte anzubieten, die den Erwartungen der Kunden entsprechen.Gemeinsam wollen wir Personen, Geräte, Maschinen, Produkte und Services rund um die Welt vernetzen. So können unsere Kunden Daten in Echtzeit sammeln und informierte Entscheidungen treffen – die besten Voraussetzungen, die Zufriedenheit und Treue der Kunden zu erhöhen.“

 

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