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Die Zeit des agilen Wandels

Agil sein, Ballarina mit kleid springt
[shutterstock:360361025, Eugene Mynzul]

Unternehmen müssen agiler werden, wenn sie die Chancen, die der digitale Wandel bietet, ergreifen wollen. Die künftige Rolle von SAP darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Agile Softwareentwicklung und DevOps ermöglichen SAP-Systemänderungen in einem Tempo, das dem Gesamtunternehmen wirklich zugutekommt.

Digitaler Umsturz und Disruption beschreiben den aktuellen Geist der Zeit. Einige Branchen, wie die Hotelbuchung oder die Taxivermittlung, werden durch digitale Plattformen derzeit komplett auf den Kopf gestellt, während andere nur geringfügige Auswirkungen wahrnehmen. Dennoch ist jedes Unternehmen gezwungen, schnell auf die sich wandelnden Erwartungen von Kunden und Mitarbeitern zu reagieren.

Agilität in Unternehmen wird angesichts dieses tief greifenden Umbruchs immer mehr zum entscheidenden Faktor für das Überleben am Markt und zahlreiche IT-Teams stehen unter hohem Druck. Selbst SAP-Fachleute sind davon nicht ausgenommen.

Um jedoch wirkliche Agilität für Unternehmen bieten zu können, müssen „Systems of Record“ wie SAP im gleichen Tempo wie die zur Kundeninteraktion genutzten „Systems of Engagement“ (also Websites, Mobil-Apps etc.) aktualisiert werden – eine Aufgabe, die in traditionellen Herangehensweisen unmöglich scheint. Diesem Problem kann nur mit einer Weiterentwicklung der bestehenden Entwicklungs- und Testing-Methoden beigekommen werden. Dank agiler Softwareentwicklung und DevOps für SAP kann man die heutigen Möglichkeiten bestmöglich ausschöpfen.

Was sind agile Entwicklung und DevOps?

Agile Entwicklung und DevOps sind moderne Methoden, die die althergebrachte Entwicklung schwerfälliger SAP-Projekte endlich vergessen lassen. Ziel dieser beiden Ansätze ist es, schneller auf die Bedürfnisse im Unternehmen einzugehen, die Kosten zu senken und dabei die Qualität entscheidend zu verbessern.

Die schnelle Auslieferung von Software-Änderungen ist dabei ein entscheidender Faktor für mehr Agilität im Unternehmen. Die Anforderungen bei der agilen Softwareentwicklung und DevOps werden in viele kleine Storys aufgeteilt, die blitzschnell geliefert (transportiert) werden können, ohne dass vorab eine Spezifikation definiert werden muss. So können schnelle Anpassungen mittels direkter Feedbackschleifen vorgenommen werden. Neue Anforderungen können leichter erfüllt werden, und was nicht funktioniert, wird bereits im Anfangsstadium des Arbeitsprozesses sichtbar.

Agile Entwicklung

Agile Entwicklung stellt mittels iterativer Sprint-Zyklen stets neue, funktionierende Lösungen bereit, immer entsprechend dem Bedarf des Unternehmens. Agile Softwareentwicklung ist ein relativ formeller Ansatz, der darauf abzielt, die Entwicklung und die Qualitätssicherung enger an die Betriebstätigkeiten zu binden. Viele gebräuchliche Einsatzmöglichkeiten wie Scrums oder Kanban existieren bereits.

Ein Nachteil ist jedoch, dass IT-Betriebsteams bisweilen außen vor gelassen werden, was zu einem Aufgabenstau bei neuen Entwicklungstätigkeiten führt und diese nicht in die Produktivsysteme übergehen können. Diese nicht ausgelieferten Änderungen schaffen nicht nur keinen Mehrwert, sondern sorgen zudem für ein großes Durcheinander in der IT-Landschaft. DevOps ist ein Ansatz, diesem Problem beizukommen.

DevOps: Ein neuer Ansatz

DevOps ist keine streng definierte Methode. Bei diesem Arbeitsansatz wird ein breiteres Feld an Stakeholdern in den Produktlebenszyklus einbezogen, darunter auch die Testing-, Betriebs- und IT-Sicherheitsteams. Ziel ist ein kontinuierliches Testen, eine Integration, Auslieferung und Bereitstellung von stabiler, hochwertiger Software.

Die Implementierung von DevOps ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, doch gelten einige gemeinsame Prinzipien, wie die Umstellung auf agile Softwareentwicklung, ein hohes Maß an interdisziplinärer Zusammenarbeit und Kommunikation, der Einsatz von Tools zur größtmöglichen Automatisierung der Prozesse und schnellere Feedbackschleifen. Agile Entwicklung ist zwar eine Voraussetzung für DevOps, umgekehrt ist dies jedoch nicht der Fall.

Agile Entwicklung und DevOps für SAP

Die Gründe für agile Softwareentwicklung und DevOps für SAP liegen auf der Hand: Sie ermöglichen eine schnelle Auslieferung von geschaffenem Mehrwert und erhöhen die Agilität im Unternehmen. Die Gründe für die traditionelle, groß angelegte SAP-Entwicklung sind nicht von der Hand zu weisen, doch aufgrund des Wirtschaftsklimas von heute überwiegen die Nachteile dieses bisherigen Arbeitsansatzes immer mehr.

Agile Entwicklung und DevOps ermöglichen es, auf umgehend sichtbare Mängel schnell reagieren zu können. Durch die zügige Auslieferung formulierter Anforderungen sind sofortiges Feedback und konstante Verbesserung möglich. Risiken und Auswirkungen lassen sich reduzieren – das Aufsplitten von Releases in kleinere Batches ermöglicht eine einfache und schnelle Auslieferung wichtiger Funktionen. Außerdem lassen sich temporäre Workarounds vermeiden – mit einem schlanken Arbeitsansatz werden Lösungen effizienter und kostengünstiger. Wenn alle Beteiligten in die tagtäglichen Abläufe involviert werden, gewährleistet dies eine verbesserte Sichtbarkeit und sorgt dafür, dass Prioritäten konstant überwacht werden können.

Risiken und Unwägbarkeiten, die bei großen Bereitstellungen unvermeidbar sind, können so fast gänzlich beseitigt werden, was wiederum Freiräume schafft, um neue Funktionen und weiteren Mehrwert für das Unternehmen zu schaffen.

Tabelle Agile Entwicklung

SAP ist anders

Sind agile Softwareentwicklung und Dev­Ops für SAP überhaupt nutzbar? Wir von Basis Technologies hören bisweilen, dass die agile Softwareentwicklung und Dev­Ops für SAP nicht genutzt werden können. Häufig heißt es, dass die mit diesen Ansätzen einhergehenden Risiken das zulässige Maß übersteigen, dass man SAP-Entwicklung aufgrund der weitreichenden Integration und der hohen Zahl an Abhängigkeiten nicht in kleinere Teile aufgespalten kann und dass verteilt arbeitende oder aus vielen unterschiedlichen Fachleuten zusammengesetzte Teams nicht für die agile Softwareentwicklung genutzt werden können.

In der Realität können jedoch all diese Herausforderungen mit den geeigneten Anpassungen an der Unternehmenskultur, an den Prozessen und an den eingesetzten Tools bewältigt werden, um sich die vielen Vorzüge dieser Arbeitsansätze zunutze zu machen.

Es gibt durchaus noch Beispiele, für die ein Wasserfall-Projekt in SAP geeigneter ist – z. B. bei einigen „Greenfield“-Installationen –, doch selbst diese Projekte können durch die Integration von Elementen der agilen Softwareentwicklung effektiver durchgeführt werden. Tatsächlich werden agile Softwareentwicklung und DevOps für SAP in immer größerem Umfang eingesetzt, denn mehr Agilität in den Unternehmen stellt nunmehr eine grundlegende Voraussetzung für das Bestehen im Wettbewerb dar.

Sowohl DevOps als auch die agile Softwareentwicklung liefern zahlreichen Unternehmen der verschiedensten Sektoren bereits greifbare Vorteile. Und trotz seines erst kurzen Bestehens wurde Dev­Ops bereits von international führenden Marken wie Facebook, Walmart, Sony Pictures und Zalando übernommen.

Fazit

Mit dem technologischen Fortschritt steigen auch die Kundenerwartungen immer weiter. Neue Geschäftsmodelle stellen bisherige Arbeitsweisen und Branchen regelrecht auf den Kopf und zwingen bestehende Unternehmen zum Wandel. In einem solch unvorhersehbaren Umfeld wird der Bedarf an mehr Flexibilität im Unternehmen eher wachsen. Agile Softwareentwicklung und DevOps bieten bereits vielen IT-Teams die Mittel, um Änderungen schnell auszuliefern, um Kundenbedürfnisse zu erfüllen und sich im Markt von der Konkurrenz abzusetzen. SAP-Systeme sollten in diesem Prozess keine Ausnahme bilden.

Agile Softwareentwicklung und DevOps bieten die Mittel, um sicherzustellen, dass die langwierigen und behäbigen SAP-Release-Zyklen nicht den gesamten Betrieb aufhalten. Wir von Basis Technologies sind der festen Überzeugung, dass es für Unternehmen keinen Grund gibt, auf die Vorteile dieser Ansätze zu verzichten.

Über den Autor

Jörg Landwehr, Basis Technologies

Jörg Landwehr ist Geschäftsführer bei Basis Technologies und blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Software-Branche zurück. Mit seinen umfassenden SAP-Kenntnissen treibt er agile Softwareentwicklung täglich voran.

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