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Hyperkonvergente Systeme – Motor für Digitalisierungsstrategien

Interview
[shutterstock:448046341, AH86]

Hyperkonvergente Systeme als Grundlage für Enterprise Clouds – diese Alternative zur klassischen Rechenzentrumsinfrastruktur ist in der deutschsprachigen SAP-Community noch weithin unbekannt. Patrick D. Cowden, Vice President Central Europe & Emerging Markets bei Nutanix, will das ändern.

Herr Cowden, hyperkonvergente Systeme – was steckt hinter diesem technisch-sperrigen Begriff?

Patrick Cowden: Hyperkonvergente Systeme sind eine Softwareplattform zur Steuerung aller Komponenten einer Rechenzentrumsinfrastruktur. Die Betonung liegt dabei auf Software.

Früher dachte man beim Thema Infrastruktur sofort an Hardware wie Storage-Arrays, Festplatten oder physische Server. Hardware ist natürlich weiterhin in hyperkonvergenten Systemen vorhanden, doch die Hauptrolle spielt die Software.

Das senkt die Kosten und den Administrationsaufwand erheblich.

Welche Infrastrukturkomponenten bietet Nutanix in seiner Software?

Cowden: Unsere Software ist als Plattform konzipiert und vereint insbesondere die früher getrennten Bereiche Speicher, Server und Hypervisor.

Speicherplatz oder RAID-Konfiguration zum Beispiel oder auch die Frage, auf welchem Hypervisor eine virtuelle Maschine laufen soll, sind nur noch Funktionen innerhalb der Software und erfordern keine Spezialkenntnisse mehr aufseiten der Administratoren.

Die Infrastruktur wird sozusagen unsichtbar für die Anwender in der IT.

Hinzu kommt: Innovationen wie etwa Leistungsverbesserungen, Metro-Availability oder die Anbindung von Altsystemen, die nicht virtualisiert werden können, werden einfach als Software-Update eingespielt.

Der Wert der Investitionen nimmt also nicht ab, sondern steigt.

Sie bewerben Ihre Lösung eher als Enterprise Cloud denn als hyperkonvergentes System. Was ist damit gemeint?

Cowden: Das neue Paradigma in der IT heißt Cloud, verstanden als die bequem und einfach von Privatanwendern wie Unternehmenskunden nutzbaren Angebote der öffentlichen Cloud.

Das setzt die internen IT-Organisationen der Unternehmen enorm unter Druck. Die Anwender erwarten heute denselben Grad an Einfachheit, Schnelligkeit, linearer Skalierbarkeit, Automatisierung und kontinuierlicher Innovation am Arbeitsplatz wie zu Hause.

IT-Abteilungen können diesen Erwartungen dann am besten nachkommen, wenn sie ihre interne Infrastruktur genauso einfach verwalten können, so als ob sie ein Angebot der öffentlichen Cloud nutzen würden.

Mit unserer Software kümmern sich Administratoren praktisch nur noch um Dienste und Applikationen, nicht mehr um die Infrastruktur selbst.

Die Unternehmen müssen sich also zwischen Nutanix und der öffentlichen Cloud entscheiden?

Cowden: Nein, auf keinen Fall. Wir bieten den Nutzern eine Cloud-analoge Erfahrung, stellen sie aber nicht vor ein Entweder-oder.

Zwar schätzen wir den Anteil an Workloads in den Unternehmen, die planbar und deren Nutzung vorhersehbar sind, durchschnittlich auf rund 75 Prozent. Das restliche Viertel aber unterliegt so heftigen Nutzungsschwankungen, dass es sinnvoll ist, hierfür auf die Ressourcen der öffentlichen Cloud zurückzugreifen.

Wir bieten Standardanbindungen an die öffentliche Cloud, insbesondere zu AWS und Microsoft Azure.

Die dadurch entstehende hy­bride Umgebung lässt sich aber vollständig von unserer Managementkonsole Prism aus verwalten.

Wenn Sie der öffentlichen Cloud so ähnlich sind, bieten Sie dann ihr gegenüber überhaupt Vorteile?

Cowden: Die Vorteile sind vor allem zweifach: Erstens sparen die Unternehmen mit uns bares Geld. Dies gilt nicht nur im Vergleich zu traditionellen Infrastrukturen, wie eine umfassende IDC-Studie gezeigt hat.

Vielmehr nehmen die Kostenvorteile der öffentlichen Cloud sehr schnell ab, wenn komplexe, hochgradig angepasste und mit Drittlösungen integrierte Kernsysteme – die typische Situation von SAP-Bestandskunden – migriert werden sollen.

In solchen Situationen „dürfen“ Sie als Administrator zwischen Hunderten proprietären Schnittstellen und Diensten in der öffentlichen Cloud auswählen, was die Kosten sehr schnell in die Höhe treibt.

Außerdem werden Sie dann von diesen proprietären Technologien abhängig, Sie können also nicht mehr so einfach und schnell den öffentlichen Cloud-Anbieter wechseln.

Wenn Sie mehrere Jahre in einer Stadt wohnen, kaufen Sie eher eine Immobilie, als dass Sie sie mieten. Wenn Sie hingegen nur ein paar Wochen an einem Ort verbringen, nutzen Sie wahrscheinlich eine Ferienwohnung.

Wir sind sozusagen das Eigenheim für die planbaren Workloads, die Kernsysteme der Unternehmen.

Und der zweite Vorteil?

Cowden: Die Unternehmen müssen ihr geistiges Eigentum schützen und für den im DACH-Markt strengen Datenschutz sorgen.

Das schaffen sie am besten dadurch, dass die wichtigen Systeme und Daten im eigenen Rechenzentrum bleiben.

Als Alternative kommen auch noch lokale Hosting- oder Managed-Services-Partner infrage, aber auch die sollten Nutanix in der eigenen Infrastruktur nutzen, um das Kosten– und Komplexitätsproblem im Zaum zu halten.

Das ist unbedingt nötig, denn nur wenn die Unternehmen es schaffen, Einsparungen innerhalb ihres ITBudgets zu realisieren, haben sie wieder Freiräume für Investitionen. Und die sind dringend nötig, um die digitale Transformation zu meistern.

Was bedeutet das alles für die SAP-Community im deutschsprachigen Raum?

Cowden: Die SAP-Bestandskunden stehen in unserer Region vor drei großen Herausforderungen: Sie müssen ihre IT nach dem Cloud-Paradigma modernisieren.

Sie müssen zweitens – zumindest mittel- und langfristig – der Technologie– und Cloud-Strategie der SAP folgen.

Drittens müssen sie unter Berücksichtigung der ersten beiden Anforderungen die für sie am besten geeignete Digitalisierungsstrategie formulieren und die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen.

Unsere Lösung kann, wie ich bereits erläutert habe, zur Meisterung aller dieser Herausforderungen einen wertvollen Beitrag leisten.

Welche Rolle spielt dabei Ihre Partnerschaft mit Lenovo?

Cowden: Die kurze Antwort lautet: eine wesentliche.

Lenovo genießt einen ausgezeichneten Ruf als Anbieter von Infrastrukturlösungen für Unternehmen. Das gilt für alle wichtigen Softwarebereiche wie ERP, CRM oder Big Data.

Unsere Software ist auf den Lenovo Appliances der HX-Serie implementiert. Außerdem ist die Nutanix Enterprise Cloud Platform für SAP NetWeaver zertifiziert.

Die Unternehmen können also ihre SAP-Systeme zuverlässig auf unserem kombinierten Angebot betreiben.

Außerdem verfügen wir über ein Support-Ab­kommen mit SAP, sodass unsere Lösung auch von Walldorf vollständig unterstützt wird.

Sie haben von NetWeaver gesprochen. Wie sieht es aber bei Hana und S/4 Hana aus?

Cowden: Nutanix und die Lenovo-HX-Serie eignen sich technisch und betriebswirtschaftlich ideal für den Betrieb der S/4-Applikationsserver, sowohl zur Entwicklung als auch für den Test- und Produktivbetrieb.

SAP-Bestandskunden, die bereits Hana als Datenbankplattform einsetzen, können diese auf den Lenovo-Servern x3850 und x3950 mit Enterprise X Architecture betreiben, die viele TB Platz für den Hauptspeicher bieten.

Damit geht unsere gemeinsame Lösung absolut konform mit den Zielen, die SAP mit ihren neuen Lösungen verfolgt: Einfachheit und niedrigere Gesamtbetriebskosten.

Das ist die beste Voraussetzung für Investitionen in Innovationen und die digitale Transformation der Unternehmen.

Herr Cowden, danke für das Gespräch.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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