Die Meinung der SAP-Community Editorial MAG 1609

Sechs von zehn SAP-Bestandskunden würden SAP-Software nicht wieder kaufen

Editorial
[shutterstock:379587745, Brian A Jackson]
Geschrieben von E-3 Magazin

Besser geht es immer und Arbeiten mit SAP-Software unterliegt immer einer Lernkurve. Waren die vielen Modifikationen wirklich notwendig?

Ist der Monolith Business Suite 7 mit AnyDB oder Hana wirklich der Stein der Weisen? Eine Research Note von Nucleus Research sagt, dass sechs von zehn SAP-Bestandskunden sich nicht wieder für SAP-Software entscheiden würden.

Das ist eine klare Botschaft und eine mutige Aussage der Analysten, aber überraschend ist sie nicht: Gefühlt sagt fast die Hälfte der SAP-Community, dass SAP eine Enttäuschung ist, dass die Software von mangelnder Qualität ist und die Pflege- und Lizenzgebühren viel zu hoch sind.

Steht auf der einen Seite eine tiefe Verbitterung gegenüber SAP, gibt es auf der anderen Seite kaum Alternativen – noch nicht! Beide Seiten zusammengefasst: Wer schimpft, der kauft!

Mit dem einzigartigen betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und technischen Wissen hat SAP mit R/2, R/3, ERP 6.0 und Business Suite 7 ein monolithisches IT-System geschaffen, zu dem es keine Alternative gab.

Am Ende des Tages haben immer mehr Argumente für als gegen SAP gesprochen. Hier alle positiven Argumente für SAP-Software aufzuzählen würde das gesamte E-3 Magazin und nicht nur diese Seite füllen.

Was in der Vergangenheit mutig, richtig und logisch war, muss nicht für die Zukunft gelten. In den kommenden Jahren nicht nach Walldorf zu SAP zu gehen, sondern genau in die entgegengesetzte Richtung, in die SAP-Community und zu den SAP-Partnern, ist der wahrscheinlich bessere Weg.

Warum diese Kehrtwendung?

SAP selbst hat den Samen dafür gepflanzt und wird in den kommenden Jahren überrascht vom Ergebnis sein: Das Zerbrechen des ERP-Monolithen und das Bewerben von Plattformen, In-memory, Mobile sowie Cloud Computing, Open Source und Best-of-Breed ist aus SAP-Sicht eine marketinggetriebene Verzweiflungstat, dennoch in der Sache selbst vollkommen richtig.

Es funktioniert eben nicht, wenn der Weinhändler das Wassertrinken empfiehlt und der Fleischhauer Vorträge über veganes Leben hält.

Nucleus Research hat die Unzufriedenheit der SAP-Bestandskunden geortet, die sich mit aktueller Erfahrung und aktuellem Wissen eventuell anders entscheiden würden – und SAP selbst will, dass sich die Anwender jetzt anders entscheiden: zugunsten der Cloud!

Das ist ein logischer Schritt, aber von SAP nicht zu Ende gedacht. Nur wenn SAP momentan das beste (Hybrid-)Cloud-Angebot hätte, wäre der Schritt vernünftig – wie damals, als SAP mit R/3 das beste ERP-System hatte.

Aber SuccessFactors, die HCM-Cloud von SAP, hat ein katastrophales halbes Jahr mit zahlreichen Aus- und Unfällen hinter sich. HEC ist zu teuer und HCP unausgereift (Hana Enterprise Cloud und Hana Cloud Platform).

Was passiert, wenn die Bestandskunden den Ratschlag von SAP ernst nehmen und in ein neues ERP-Zeitalter mit hybriden Cloud- und Hyper-converged-Infrastruktur-Systemen aufbrechen? Wie lange dauert es dann noch, bis neben einem S/4 Finance mit Hana andere Plattform- und Softwareanbieter über OpenStack und Cloud Foundry andocken?

Die Unzufriedenheit der SAP-Bestandskunden fand in der Blackbox R/3 kein Ventil. Mit den neuen IT-Architekturen – Open Source, Hybrid Clouds, Hyper-converged Infrastructure – hat SAP der Community eine neue Dimension eröffnet und sich selbst dem Wettbewerb ausgeliefert.

Der Monopolist aus Walldorf wird lernen müssen, sich Marktbegleitern zu stellen, und er muss beweisen, dass er noch immer die beste Business-Software der Welt schreibt.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

1 Kommentar

  • Mich wundert schon lange, dass die großen Bestandskunden, die in Summe einen Megabetrag an Wartungsgebühren an SAP zahlen, nicht aufmucken, weil die Gegenleistung schon längere Zeit nichtmehr das Geld wert ist, was da eingezahlt wurde.
    Hasso Plattner hat in der Zeit, als ihm SAP noch mehr am Herzen lag als HANA die Wartungsgebühren immer wie folgt – und meiner Meinung nach plausibel – so erklärt: „Ihr gebt uns Geld und wir machen daraus zweierlei: 1.) Wir bauen den besten Fehlerbearbeitungs- und Software-Servicedienst der Welt auf und 2.) entwickeln wir die ERP-Software laufend weiter und halten sie technologisch und funktional immer am neuesten Stand (stat of the art) – und das gemäß einer Hauptmaxime , deretwegen Ihr SAP-Gekauft habt: Integration – flexible Parametrisierung – Redundanzfreiheit.

    Heute werden um das Geld der SAP-Kunden Firmen in Milliardenhöhe zugekauft , die mit dem SAP-Kernel nie und nimmer nach obigen Gesichtspunkten integrierbar sind, die kaum noch die Kernanforderungen der SAP-Bestandskunden abdecken – das bringt die Bestandskunden weder funktionell noch technologisch weiter und man entfernt sich immer mehr von den Maximen , warum SAP gekauft wird.
    Meiner Meinung nach ist es nur mehr eine Frage der Zeit, dass sich große SAP-Kunden von den Amis nicht mehr blenden und von den Indern nicht mehr in nutzlose technologische Richtungen drängen lassen wollen.
    Vielleicht wäre es eine sinnvolle Entwicklung, dass sich große SAP-Kunden im Kern-SAP-Regionen (Europa) zusammen tun und der SAP die ERP-Entwicklungsmannschaft von Walldorf abkauft und dann bestimmt, wie ihr teures Wartungsgeld nutzvoll für die klassischen SAP-ERP-Anwender eingesetzt werde soll

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