Infrastruktur MAG 1607

Zwang zur Chance

[shutterstock.com:237333028, lassedesignen]
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Bis 2025 müssen SAP-Kunden auf Hana umsteigen, wenn sie die Business Suite S/4 nutzen möchten. Keine leichte Aufgabe, denn der Umstieg bedeutet oft eine grundlegende Veränderung in der IT-Infrastruktur. Was zunächst nach vielen Risiken und Stolpersteinen klingt, bietet nennenswerte Vorteile.

Laut einer Studie von Techconsult vom Dezember 2015 haben sich bereits 60 Prozent aller Unternehmen mit S/4 Hana auseinandergesetzt. Damit erhoffen sie sich, den Erfolg im Hinblick auf die digitale Transformation zu sichern.

SAP verspricht mit Hana deutliche Performancesteigerungen gegenüber klassischen Datenbanken. Weitere Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung sowie zur Kostenreduzierung bietet ein Blick auf die IT-Infrastruktur – aber nur, wenn man es von Anfang an richtig angeht.

Denn wenn Unternehmen schon auf Hana umsteigen, dann am besten effizient und zukunftsfähig. Daher sollte die gesamte Infrastruktur gleich auf den Prüfstand gestellt und cloudfähig gemacht werden.

Wer über den Tellerrand hinausschaut, erkennt das große Potenzial, das S/4 mit sich bringt. Insbesondere, wenn Unternehmen die Erneuerung ihrer Infrastruktur als Chance betrachten, um einen großen Schritt in Richtung Hybrid Cloud zu gehen.

Nicht trivial

Lautensack 2Die Modernisierung der gesamten IT-Infrastruktur ist jedoch ein sehr umfangreiches Unterfangen, das Unternehmen mit großer Weitsicht planen müssen. Sie sollten nicht einfach bestehende Probleme angehen, sondern die Ursachen beheben.

Wer künftig S/4 einsetzen möchte, muss seine SAP Business Suite zunächst auf Hana migrieren, bevor sich im nächsten Schritt die funktionalen Neuerungen von S/4 integrieren lassen. Damit kann der Einsatz von S/4 in kleinen Schritten erfolgen.

Daher ist es zunächst sinnvoll, umfassend zu planen, wie die Architektur für die gesamte SAP-Landschaft aussehen soll.

Im Anschluss müssen dann Betriebs­prozesse optimiert und Systeme konsolidiert werden – auch dann, wenn die Zielarchitektur vielleicht erst in drei oder vier Jahren erreicht werden kann.

Dabei sollten Unternehmen immer das große Ganze im Blick haben und nicht voreilig mit einem einzelnen System im Fokus starten. Denn die Umstellung bietet die Chance, alle Elemente der IT-Infrastruktur neu zu hinterfragen.

Ist-Analyse am Anfang

Bevor auf Hana umgestellt wird, sollte eine umfassende Ist-Analyse der SAP-Landschaft, der Betriebsprozesse und der IT-Architektur durchgeführt werden. Zu Beginn steht ein ausführlicher Technologievergleich, bei dem der aktuelle Bestand aller Infrastrukturkomponenten – vom Storage über die Server bis hin zur Virtualisierungstechnologie – und die aktuelle Datenbank analysiert werden.

Zudem werden Betriebsprozesse genau durchleuchtet und herausgearbeitet, was sich im Hinblick auf den Aufbau einer neuen Architektur ändern wird. Dabei sollten Unternehmen die Einsparungspotenziale erkennen können.

Unternehmen sollten von Anfang an die komplette SAP-Landschaft im Blick haben und sich nicht nur auf ein System beschränken, weil beispielsweise in einem ersten Schritt nur das SAP Business Warehouse auf Hana migriert werden soll oder S/4-Finance eingeführt wird.

Denken Firmen hier zu eng, lassen sie Skalierungsmöglichkeiten ungenutzt und schöpfen nicht die gesamten Einsparungspotenziale aus.

Zwar ist es durchaus möglich, mit kleineren Einstiegsszenarien zu starten und sich Schritt für Schritt hin zu einer „großen“ Zielarchitektur zu ­entwickeln, aber wenn dieses Zielbild nicht bekannt ist, verbauen sich Unternehmen Chancen, die Hana bieten kann.

Zielarchitektur und Roadmap

Auf Basis der Ist-Analyse wird eine zukunftsträchtige Zielarchitektur entwickelt, inklusive der benötigten Stücklisten der einzelnen Komponenten, die benötigt werden.

Gleichzeitig definiert Computacenter sogenannte Building Blocks, mit denen Unternehmen schrittweise damit beginnen können, ihre Startkonfiguration aufzubauen.

Wichtig ist hier, eine modulare, skalierbare Zielarchitektur zu entwickeln. Aus dieser Zielarchitektur können dann für die Systeme, die im ersten Schritt auf Hana umgestellt werden sollen, einzelne Module aufgebaut werden, die dann mit jedem neuen System ergänzt werden.

Außerdem erhalten Firmen eine Kostenübersicht, die neben den Kosten für die Infrastruktur auch die Implementierungs- und Migrationsaufwände enthält. Die Implementierungs-Roadmap zeigt zudem auf, wie lange der Prozess realistisch dauern wird.

Wie die optimale Infrastruktur am Ende aussieht, ist sehr individuell und hängt von den Anforderungen des Kunden ab. Das kann von kleinen virtualisierten Einzelsystemen bis hin zu großen Clustersystemen mit Dutzenden von Servern in einer SAP-Installation reichen.

Die Zielarchitektur muss darauf ausgelegt sein, ohne Änderungen des Designs schnell auf neue Anforderungen reagieren zu können. Voraussetzung für die eingesetzten Systeme wie Server und Storage ist es jedoch, dass diese von SAP zertifiziert sind, nur dann können sie für Hana produktiv genutzt werden.

Mit Hana in die Cloud

Um sich auf S/4 Hana und die neuen Möglichkeiten vorzubereiten, müssen sich Unternehmen auch die Frage stellen, welchen Daten in die Cloud sollen. Denn viele Firmen möchten ihre kritischen SAP-Daten nicht in die Wolke auslagern.

Gleichzeitig stellen aber immer mehr Organisationen fest, dass bestimmte Daten und Systeme nicht zwingend im eigenen Rechenzen­trum betrieben werden müssen.

On-Premise-Systeme bieten den Vorteil, dass Daten im eigenen Rechenzentrum liegen und dort verarbeitet werden. Der Nachteil liegt darin, dass Unternehmen eine eigene Infrastruktur benötigen und dadurch häufig die Flexibilität fehlt, um auf neue Anforderungen schnell zu reagieren.

Durch die Nutzung von Cloud-Services sind sie in der Lage, diese neuen Anforderungen schneller zu erfüllen. Daher setzen immer mehr Firmen auf hybride Cloud-Lösungen und kommen dabei in den Genuss von beiden Welten: Das eigene Rechenzentrum wird zur Private Cloud umgebaut und liefert die gewohnte Sicherheit.

Externe Cloud Services wie Amazon Web Services oder Virtustream ergänzen dabei die Public-Cloud-Dienste von SAP.

Die Integration von externen Cloud Services erweist sich als besonders sinnvoll in einer Zeit, in der die Anzahl neuer Anforderungen aus den Fachbereichen stetig steigen und die IT gezwungen wird, flexibel und schnell zu reagieren. Denn die „großen“ Cloud-Anbieter haben hinsichtlich der Skalierung ganz andere Möglichkeiten, wodurch sich für die Nutzer am Ende ein wirtschaftlicher Vorteil ergibt.

Hinzu kommt, dass Fachabteilungen in Unternehmen bestrebt sind, Services einzukaufen, die ihre individuellen Anforderungen erfüllen und sich gleichzeitig nach Verbrauch abrechnen lassen.

Ein Beispiel für eine solche hybride Cloud-Architektur können Entwicklungs- und Testsysteme sein. Diese werden oftmals nicht mit ihrer vollen Leistungsfähigkeit genutzt. Betreiben Unternehmen sie jedoch im eigenen Rechenzentrum, werden sie auf Peak-Belastung ausgelegt.

Nutzt eine Firma diese Systeme als Cloud-Dienst, muss sie nur die Ressourcen zahlen, die tatsächlich genutzt werden. Das produktive System kann so weiterhin im eigenen sicheren Rechenzentrum laufen.

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Automatisierte Betriebsprozesse

Beim Deployment können Unternehmen eine Menge Kosten einsparen: Denn es gibt mittlerweile Tools, mit denen sich die Betriebsprozesse automatisiert durchführen lassen – von der Bereitstellung bis hin zur Installation und Konfiguration der Hana-Datenbank. Da solche Deploy­ment-Prozesse in einem Unternehmen sehr oft vorkommen, ist eine Optimierung lohnenswert.

Computacenter ermöglicht mit seinen Angeboten rund um Cloud-Management-Plattformen (CMP) so ein automatisiertes Deployment, das die Einhaltung des zeitlichen Horizonts gewährleistet und auch bei dem Aufbau von hybriden Cloud-Lösungen eine tragende Rolle spielt.

Neben der Automation der Deployment-Prozesse kann eine Integration in bereits vorhandene Orchestrierungslösungen erfolgen und die Bereitstellung von SAP-Systemen über Self-Service-Portale realisiert werden. Dabei sollte es zukünftig keine Rolle mehr spielen, ob das physische Deployment im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Public-Cloud-Anbieter erfolgt.

Aufgrund der Notwendigkeit, zukünftig immer schneller auf steigende Anforderungen aus den Fachbereichen reagieren zu müssen, sollte neben dem automatisierten Deployment von Betriebssystem und Datenbank gleich über eine vollständige Automatisierung der Betriebsprozesse nachgedacht werden.

Dies umfasst sowohl Änderungen am Betriebssystem als auch Anpassungen an der Datenbank und der SAP-Software wie Updates, Parametrisierung oder Systemkopien. Manuelle Standard-Aufgaben werden vermieden, damit steigt die Qualität und Nachvollziehbarkeit und es erfolgt eine Entlastung der Mitarbeiter.

Speicherbedarf und Performance

Gehen Unternehmen konsequent den Weg in Richtung einer modernen IT-Infrastruktur, kommen sie in den Genuss einer einheitlichen, umfassenden, konsolidierten und standardisierten Software-Plattform, bei der sich die Wartungs- und Innovationsintervalle der einzelnen Bestandteile aufeinander abstimmen lassen.

Dadurch vereinfacht sich der Betrieb der SAP-Landschaft deutlich. Darüber hinaus existiert nur noch ein System, mit einer Datenbank und Datenbasis, auf das alle Applikationen zugreifen. So können die Rechenzentrumskosten gesenkt werden, da weniger Speicherbedarf benötigt wird und der Betriebsaufwand sinkt.

Kundenbeispiele zeigen, dass die Migration von klassischen Datenbanken auf Hana dazu führt, dass sich das Datenvolumen auf etwa 30 Prozent verringert. Hatte ein Unternehmen vorher ein Volumen von zehn Terabyte, sind es nach der Migration nur noch drei Terabyte.

Außerdem verändern sich in einer Hana-Architektur die Anforderungen an die Speichersysteme, die im normalen Betrieb nicht mehr so performant sein müssen. Da alle Daten im Hauptspeicher gesichert sind, lassen sich die Storage-Kosten halbieren, wobei die Serverkosten allerdings leicht ansteigen.

Hana – ohne Mehrkosten

All dies führt dazu, dass sich die neue Plattform ohne Mehrkosten im laufenden Betrieb nutzen lässt, wenn die gesamte Systemlandschaft migriert wird. Zwar müssen SAP-Kunden neue Lizenzen erwerben und auch für die eigentliche Migration fallen Kosten an.

Aber diese Investitionen spielen gegenüber den deutlichen Kosteneinsparungen bei den Geschäftsprozessen, dem Betrieb und einem höheren Umsatz durch neue Business-Szenarien eine eher kleinere Rolle.

Fazit

Unternehmen können mit dem Wechsel zu Hana den ersten Schritt zur Nutzung von S/4 machen, der bis 2025 vollzogen sein muss. Denn dann wird die alte SAP Business Suite nicht mehr unterstützt.

Firmen sollten diesen Schritt als Chance sehen, um ihre gesamte IT-Infrastruktur neu zu strukturieren und cloudfähig zu machen.

Zwar ist die Umsetzung aufwändig, das Ergebnis ist aber ein von Grund auf optimierter und zukunftsfähiger Betrieb. Denn Unternehmen sind dadurch deutlich flexibler und in der Lage, die aktuellen und zukünftigen Anforderungen schneller zu erfüllen.

Wer dann noch auf ein automatisiertes Deployment von Hana-Infrastrukturen setzt, kann viel Aufwand sparen. Wichtig ist, immer das große Ganze im Blick zu behalten, sich nicht vorschnell auf ein System oder Problem zu fixieren und die Umsetzung Schritt für Schritt zu durchdenken.

Über den Autor

Andreas Lautensack, Computacenter

Andreas Lautensack ist SAP Lead Consultant bei Computacenter.

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