2016 XVI

Digitaler Umbau befeuert die IT-Dienstleistungsbranche

Deutsche Unternehmen investierten 2015 so viel wie noch nie in IT-Technologien. Auf 37,2 Milliarden Euro, 2,6 Prozent mehr als 2014, beziffert Bitkom das Marktvolumen für IT-Dienstleistungen.

Lünendonk hat vor Kurzem seine Branchenbarometer, die Lünendonk-Listen, veröffentlicht und dazu die führenden IT-Dienstleister in Deutschland befragt. Insgesamt wurden 95 IT-Dienstleister analysiert, die zusammen rund 28 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland erzielen und damit drei Viertel des Gesamtmarktes.

Daran wird schon ersichtlich, dass der deutsche Markt für IT-Dienstleistungen durch eine sehr starke Spitze mit wenigen großen Anbietern geprägt ist.

Dies hängt im Wesentlichen mit zwei Faktoren zusammen:

Erstens, die Lieferantenkonsolidierung durch die Kunden. Dadurch haben viele Großunternehmen und Konzerne die Anzahl ihrer Beratungs- und IT-Dienstleister radikal reduziert.

Die Folge ist, dass eine vergleichsweise geringe Zahl an IT-Dienstleistern größere Auftragspakete übertragen bekommen und so kräftig wachsen konnten.

Zweitens bevorzugen Kunden bei Digitalisierungsprojekten Umsetzungslösungen aus einer Hand. Dienstleistungspartner bekommen folglich sehr häufig den Auftrag, ein Gesamtprojekt zu verantworten und zu steuern.

Dazu gehört beispielsweise die Mitarbeit bei der Entwicklung digitaler Lösungen und Geschäftsmodelle, einschließlich deren Implementierung in das Front- und Backend.

Entsprechend positiv sind die Wachstumszahlen für das Jahr 2015 ausgefallen. Dabei haben sich jedoch die beiden Teilsegmente des IT-Dienstleistungsmarktes „IT-Beratung und Systemintegration“ sowie „IT-Service“ sehr unterschiedlich entwickelt.

Lünendonk unterscheidet seit jeher in IT-Dienstleister, die überwiegend im IT-Projektgeschäft tätig sind (IT-Beratung und Systemintegration), und in diejenigen Dienstleister, die schwerpunktmäßig mit dem Betrieb von Rechenzentren und Applikationen ihre Umsätze erzielen (IT-Service).

Während die von Lünendonk untersuchten IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen im Jahr 2015 ihre Umsätze im Durchschnitt um 9,1 Prozent steigern konnten, sind die IT-Service-Unternehmen durchschnittlich um 2,7 Prozent gewachsen.

Das starke Wachstum der IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen resultiert aus Sicht von Lünendonk vor allem aus der hohen Nachfrage der Kunden nach externer Unterstützung bei digitalen Transformationsprojekten.

Damit verbunden ist auch ein enorm hoher Bedarf der Kundenunternehmen an externen IT-Beratern, insbesondere zu Fachthemen wie Cloud, End-to-End-Integration, Mobile, Security oder Big Data Analytics.

Weiterhin richten derzeit nahezu alle großen Kundenunternehmen ihre Unternehmensstrategien neu aus und passen ihre Geschäftsmodelle und Prozesse dem digitalen Wandel an.

Bei der Umsetzung von Digitalisierungsstrategien sind Services wie IT-Strategieberatung, Anwendungsentwicklung und Testing zurzeit von den Kunden besonders gefragt.

Eine Art Revival erfährt dabei das Thema IT-Architektur, also die Neuausrichtung der Technologieplattformen und der IT-Organisation.

Moderne digitale Lösungen erfordern vor allem neue Sicherheitskonzepte und deutlich mehr Performance in Sachen Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit. Entsprechend verzeichnen 93 Prozent der befragten IT-Dienstleister eine hohe Nachfrage nach der „Modernisierung der bestehenden IT-Systeme zur optimalen Integration digitaler Lösungen“.

Hierbei geht es sehr stark um die Digital Readiness der Unternehmens-IT und ihr Zusammenspiel mit den Fachprozessen. Gleichzeitig zu den Modernisierungsprojekten müssen allerdings auch bereits entwickelte digitale Lösungen eingeführt werden – ein enormer Kraftakt für CIOs, gerade weil Fachbereiche und Kunden eine End-to-End-Integration in die Backend-IT eigentlich schon voraussetzen.

Rund 80 Prozent der befragten IT-Dienstleister verzeichnen eine hohe Nachfrage nach solchen Integrationsprojekten.

Diese hohe Nachfrage nach externer Unterstützung bei der Konzeption und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten wird sich nach Meinung der befragten IT-Beratungen auch künftig fortsetzen.

Für das laufende Jahr 2016 gehen sie im Durchschnitt davon aus, ihre Umsätze um 11,9 Prozent und für 2017 sogar um 13,0 Prozent zu erhöhen. Diese Umsatzprognosen stehen allerdings unter dem Vorbehalt, dass der Branche Fachkräfte fehlen.

So haben 87 Prozent der befragten IT-Dienstleister „große“ bis „sehr große“ Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden, und für fast alle der Unternehmen wirkt sich dieser Umstand negativ auf den Geschäftserfolg aus.

So blieb etwa jede fünfte ausgeschriebene Stelle der IT-Dienstleister unbesetzt. Vor allem fehlen der IT-Branche durch den immer größer werdenden Wertschöpfungsanteil der IT solche Fachkräfte, die betriebswirtschaftliche Kenntnisse und IT-Fachwissen vereinen und digitale Lösungen beziehungsweise Innovationen entwickeln können.

An dieser Stelle herrscht demnach eine gewisse Lücke in der Befriedigung der Nachfrage. Immerhin verspüren 71 Prozent der IT-Dienstleister eine Nachfrage ihrer Kunden nach „Entwicklung digitaler Innovationen mit den Fachbereichen ihrer Kunden“.

Viele der IT-Dienstleister haben allerdings Probleme, ihre Kunden dabei zu unterstützen. So fehlen besonders Data Scientist, die in der Lage sind, aus Massendaten relevante Informationen und Erkenntnisse zu gewinnen.

Problematisch ist ferner auch, dass sich die IT-Dienstleister, genau wie ihre Kunden, auf die Besonderheiten von Digitalisierungsprojekten einstellen müssen. Dabei geht es um Themen wie agile Entwicklung und die Fähigkeit, Softwareanwendungen in sogenannten Sprints zu entwickeln, oder um Methoden im Innovationsmanagement wie Design Thinking oder DevOps.

Festzuhalten ist, dass die meisten Unternehmen aus der IT-Branche zwar über eine sehr gute Auftragslage verfügen, aber immer größere Herausforderungen zu bewältigen haben, die Anzahl der Projekte auch umzusetzen.

Daher sind einerseits Anstrengungen bei der Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitern notwendig, aber auch in der Fortbildung der bestehenden Fachkräfte auf die „neuen“ Themen. Andererseits ist auch die Politik gefordert, frühzeitig in den Schulen die Weichen für Ausbildungs- und Studiengänge für „digitale Berufe“ zu stellen.

Denn ohne Softwareentwickler und Programmierer wird es in Deutschland keine Industrie 4.0 oder datenbasierte Geschäftsmodelle auf Basis des Internet of Things geben können.

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