MAG 1606 Szene

Der Anfang vom Ende

[shutterstock.com:408440782, ZoneCreative]
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Geschrieben von E-3 Magazin

Die Partnerschaft zwischen Apple und SAP soll die Arbeit mit iPhone und iPad revolutionieren – und das am Ende des Lebenszyklus dieser Geräte. SAP greift nach jedem Strohhalm, um das Geschäft mit Hana zu retten. Apple macht aus der Not eine Tugend.

Apple und SAP haben eine Partnerschaft bekannt gegeben, um das mobile Arbeiten für Unternehmen aller Größen zu revolutionieren und die leistungsstarken Apps für iPhone und iPad mit den innovativen Funktionen der Plattform Hana zu kombinieren.

Zudem stehen künftig Softwarewerkzeuge und Schulungen zur Verfügung, damit Entwickler, Partner und Kunden von SAP eigene native iOS-Apps, maßgeschneidert für ihre Geschäftsanforderungen, entwickeln können.

„Diese Partnerschaft wird den Einsatz von iPhones und iPads in Unternehmen grundlegend verändern. Wir verbinden die Sicherheit und Innovationskraft von iOS mit dem umfangreichen Know-how von SAP bei Geschäftssoftware“

sagte Tim Cook, CEO von Apple.

„SAP ist führend bei Unternehmenssoftware, 76 Prozent aller Geschäftstransaktionen laufen über SAP-Systeme. Damit ist SAP der ideale Partner für uns, um Geschäftsabläufe weltweit mit dem iPhone und iPad zu verändern.

Mithilfe des neuen SDKs versetzen wir die mittlerweile mehr als 2,5 Millionen SAP-Entwickler in die Lage, leistungsfähige native Apps auf der Grundlage der SAP Hana Cloud Platform zu bauen und die weitreichenden Möglichkeiten von iOS-Geräten zu nutzen.“

Cook Und McDermott

HCP (Hana Cloud Platform) – nicht zu verwechseln mit HEC (Hana Enterprise Cloud) – soll die Grundlage für neue SAP-Add-ons und -Apps werden. Ein Rundruf bei den deutschsprachigen SAP-Partnern durch das E-3 Magazin zeigt aber ein anderes Bild: Geschäftsprozesse, die ein Alleinstellungsmerkmal im standardisierten S/7- und S/4-Umfeld darstellen, sind komplex und deren Darstellung als iPhone- oder iPad-Darstellung ein weit nachgelagertes Problem.

Der Mehrwert liegt für SAP-Bestandskunden in den effizienten Geschäftsprozessen und eben nicht in einer bunten Fiori-Oberfläche. Naturgemäß ist die SAP-Community davon überzeugt, dass das klassische SAP-GUI am Ende seines Lebenszyklus angekommen ist – auch wenn noch Millionen von Anwendern damit erfolgreich arbeiten.

In einem schrumpfenden iOS-Markt ist für Apple nach der Partnerschaft mit IBM die Zusammenarbeit mit SAP eine interessante Option – mit Sicherheit aber kein Massenmarkt, den Apple aber dringend braucht.

Für SAP ist die angekündigte Partnerschaft eine willkommene Ablenkung von aktuellen Problemen. Die Bestandskunden brauchen eine S/7- und S/4-Roadmap: Wie kommt man von der SAP Business Suite 7 mit dem Kern ECC 6.0 auf S/4 – mit allen Modulen, Modifikationen und Add-ons und eben nicht nur mit Finance und Logistics?

„Wir sind sehr stolz, denn die Partnerschaft zwischen Apple und SAP setzt neue Maßstäbe“

meinte naturgemäß Bill McDermott, Vorstandsvorsitzender der SAP SE, bei einem Besuch auf dem Campus von Apple in Cupertino, Kalifornien (USA), an.

„Ein dynamisches und intuitives Arbeitserlebnis gibt Menschen die Möglichkeit, neue Erkenntnisse zu gewinnen, produktiver zu sein und mehr zu erreichen. Wir kombinieren das Leistungsvermögen der Hana Cloud Platform und S/4 Hana mit iOS, der führenden und sichersten mobilen Plattform für Unternehmen, und versetzen Menschen somit in die Lage, immer und überall mit Echtzeitdaten arbeiten zu können.

Apple und SAP verbindet das gemeinsame Ziel, die Zukunft aktiv zu gestalten und dabei nicht nur die Abläufe der weltweiten Wirtschaft, sondern das Leben der Menschen insgesamt zu verbessern.“

Apple und SAP hoffen, dass künftig Unternehmen, Designer und Entwickler mit einem neuen Software Development Kit (SDK) schnell und effizient eigene iOS-Apps für iPhone und iPad auf Basis der Hana Cloud Platform (HCP) entwickeln können. Diese nativen Apps sollen Zugriff auf Kerndaten und Geschäftsprozesse in S/4 geben und nutzen gleichzeitig Funktionen von iPhone und iPad, wie den Fingerabdrucksensor Touch ID, die Ortungsdienste und Mitteilungen.

Besucher der TechEd 2015 Barcelona haben vielleicht die überragende Keynote von SAP EVP Björn Goerke gehört und wundern sich, was die neuerliche Ankündigung technisch bereits realisierter Möglichkeiten zu bedeuten hat.

Bereits vor einem halben Jahr hat Björn Goerke eindrucksvoll gezeigt, wie auf Basis der HCP Apps für iOS und Android entstehen und auch ohne Apple iTunes Store veröffentlicht werden können.

Alter Wein in neuen Schläuchen kurz vor der Sapphire im Mai in Orlando, das wird sich mancher SAP-Bestandskunde über diesen „April-Scherz“ einer Apple-SAP-Kooperation gedacht haben.

Im Rahmen der Partnerschaft planen Apple und SAP zudem, native iOS-Apps für geschäftskritische Kernprozesse zu entwickeln. Mehrfach betonte Björn Goerke während seiner TechEd- und DSAG-Technologietage-Keynote, dass HCP nicht mit HEC verwechselt werden darf.

Die Hana-Cloud-Plattform (HCP) ist ein Art Meta-Framework zur Entwicklung von SAP-Add-ons und Fiori-Apps. HCP bietet sowohl die Schnittstellen zu den R/3- und ERP-6.0-Datensilos als auch Veröffentlichungsmechanismen für iOS- und An­droid-Anwendungen.

Hana-Enterprise-Cloud (HEC) hingegen ist ERP als Cloud Computing auf Basis der Datenbank Hana. In beiden Fällen ist die Hana-Technologie eine Schlüsselkomponente.

Das E-3 Magazin befragte Guido Hoepfner und Matthias Kneissl, beide von Q-Partners, zur Wahrnehmung von Hana durch die SAP-Community.

Guido Hoepfner:

„Es ist definitiv eine interessante Strategie, die Plattform für die App-Entwicklung auszubauen. Generell ist es ja immer so, dass Kunden ihre eigenen Vorteile in den Geschäftsprozessen individuell in einer SAP-Lösung implementieren, um sich den Marktvorsprung zu sichern. Gerade hierfür dürfte es dann schwer sein, Apps in einem App-Store zu finden.“

Und sein Kollege Matthias Kneissl ergänzt:

„Das Geschäft der Anpassung und Individualisierung wird bleiben. Eine Plattform für die App-Entwicklung sowie ein App-Store leben von den Apps. Wir sind hier immer noch skeptisch, inwieweit Apps standardisiert programmiert und bereitgestellt werden können, die sich dann in das System des Kunden integrieren.“

Die nativen Geschäftsanwendungen für iPhone und iPad sollen auf Grundlage von Swift entstehen, einer modernen, sicheren und interaktiven Programmiersprache von Apple, und werden sich in Sachen Bedienung an SAP Fiori for iOS anlehnen.

AppleSAP GrafikBranchenübergreifend sollen dadurch Anwender auf wichtige Geschäftsdaten, Prozesse und Benutzeroberflächen zugreifen und somit direkt auf ihrem iPhone oder iPad Entscheidungen treffen und Maßnahmen einleiten.

Der Außendiensttechniker kann somit direkt in mobilen Anwendungen Ersatzteile bestellen oder Wartungsarbeiten einplanen oder ein Arzt die neuesten Patientendaten an Ort und Stelle mit anderen Experten teilen – hofft man bei Apple und SAP.

Die neue Designsprache SAP Fiori for iOS kombiniert neue Gestaltungsmöglichkeiten mit der hohen Benutzerfreundlichkeit von iOS. SAP Academy for iOS bietet entsprechende Werkzeuge und Schulungen an, damit die 2,5 Millionen Mitglieder der globalen SAP-Entwicklergemeinde das neue SDK und die innovative Hardware und Software von Apple voll nutzen können. Sämtliche Werkzeuge und Schulungsangebote sollen noch 2016 bereitgestellt werden.

 

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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