MAG 1605 Wirtschaft

Prognose IT-Ausgaben 2016/17 – Wo steht Österreich?

2016
Geschrieben von E-3 Magazin

Österreichs IKT-Markt wächst 2016 doppelt so stark wie die Gesamtwirtschaft. Zu diesem Schluss kamen Wirtschaftsforscher und Experten beim Management Forum im April in Wien.

Sehr wenig Dynamik, sowohl im Guten wie im Schlechten. Mit diesen Worten könnte man die aktuelle Konjunktur- und Wirtschaftsentwicklung Österreichs bzw. des gesamten Euro-Raums zusammenfassen.

Nach einem äußerst verhaltenen Jahr 2015 mit 0,9 Prozent Wachstum rechnet das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) für 2016 zumindest mit einem Plus von 1,6 Prozent in Österreich. Laut Wirtschaftsforscher Marcus Scheiblecker vom Wifo deutet alles darauf hin, dass die Lücke zu Deutschland geschlossen werden kann.

IKT-Trends in Österreich

Einen positiven Blick auf die Wirtschaftsentwicklung warf Martin Barnreiter vom Marktanalyseinstitut PAC mit seinem Ausblick auf den Software- und IT-Services-Markt (SITS) in Österreich. Dieser werde 2016 um 3,3 Prozent und damit doppelt so stark wie die Gesamtwirtschaft wachsen.

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„IKT ist und bleibt ein starker Wachstumstreiber für die österreichische Wirtschaft. Die größte Investitionsbereitschaft sehen wir in den Bereichen Cyber- und Netzwerk-Security, Analytics, aber auch in der Realisierung des digitalen Arbeitsplatzes“

erklärte Barnreiter.

Wachstumschancen mit einem Plus von 49 beziehungsweise 43 Millionen Euro ortet PAC bei den bereits milliardenschweren Bereichen Application-Related Services sowie Infrastructure-Related Services.

Während der Hardware-Markt wenig überraschend auf volumenmäßig hohem Niveau stagniert, erweist sich SaaS-Software mit plus 29 Prozent als Zukunftshoffnung. Das gesamte Marktvolumen bleibt mit 70 Millionen Euro aber auch 2016 überschaubar. Der gesamte österreichische IT-Markt wird auf 6,7 Milliarden Euro geschätzt.

Keine Priorität: Cloud und IoT

Zurückhaltung herrscht darüber hinaus bei den Themen Cloud Computing und Internet of Things. Während gut ein Viertel der österreichischen Wirtschaftstreibenden laut einer Umfrage zwar damit rechnet, 2016 mehr für die Cloud auszugeben, ist das Thema auf der Liste der IT-Prioritäten eher nachgereiht. Mehr Interesse gibt es hingegen für die Trend-Themen Internet der Dinge (IoT) sowie Machine-to-Machine (M2M), wenngleich konkrete Investitionsvorhaben hier noch äußerst vorsichtig formuliert werden.

Für Günther Seyer von PwC Österreich liegt der Schlüssel zum Erfolg in offenen Standards. Solange etablierte Player versuchen, mit ihren proprietären Lösungen und Schnittstellen ihre Technologien im Markt künstlich zu verlängern, werde das Internet der Dinge kaum seinen Durchbruch feiern.

„Das Internet der Dinge ist kein Markt, sondern setzt sich aus verschiedensten Marktbestandteilen zusammen.“

Die Frage, inwiefern die automatisierten Fabriken der Zukunft Arbeitslosenzahlen noch weiter in die Höhe treiben werden, sorgte bei der Veranstaltung ebenfalls für Diskussionen.

„Die Ökonomen sind hier sehr unterschiedlicher Auffassung und malen Schicksalsszenarien mit bis zu minus 40 Prozent aller Arbeitsplätze an die Wand. Mein persönlicher Zugang ist:

Das Aufkommen der Eisenbahn, des Telefons und des Computers haben wir und der Arbeitsmarkt auch überlebt. Das wird mit der Industrie 4.0 wie bei jedem anderen technischen Fortschritt nicht viel anders sein“

meint Scheiblecker.

Fachkräftemangel spitzt sich zu

Ein akutes Thema für die gesamte IKT-Branche ist und bleibt hingegen der eklatante Fachkräftemangel. Schätzungen zufolge dürften aktuell bis zu 3000 Fachleute fehlen. Die hohe Zahl an Arbeitssuchenden habe das Problem bisher kaum lösen können.

Oftmals scheitern Bewerber am hohen Spezialisierungsgrad, der von den Unternehmen oft gefordert wird. Die Varietät der Anforderungsprofile für Personen im IKT-Bereich ist in den letzten Jahren sehr stark gestiegen und stellt die Branche vor eine große Herausforderung.

Für arbeitsvermittelnde Stellen wie das Arbeitsmarkt Service (AMS) sei es schwierig, auf die sich sehr schnell ändernden Anforderungsprofile mit geeigneten Schulungen zu reagieren. Künftig sollen spezielle Computerprogramme dabei helfen, ausgeschriebene Jobprofile und geeignete Bewerber abzugleichen.

Man wolle dabei auf Software-Algorithmen und Technologien zurückgreifen, die man etwa von Online-Singlebörsen kennt und dort passende Profile zusammenbringen. Auch Norbert Weidinger von der Magis­tratsdirektion Wien sieht Schulen und andere Ausbildungsstätten gefordert, auf den Fachkräftemangel zu reagieren.

Dazu seien Änderungen im Lehrplan notwendig. Darüber hinaus gelte es, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu erhöhen, welchen Stellenwert die IKT-Branche im Land eigentlich spiele.

„Die Wertschöpfung der IT-Wirtschaft ist in Wien vier Mal so hoch wie die des Tourismus. Das ist aber immer noch nur den wenigsten Leuten bewusst“

sagt Weidinger.

In Wien habe die mit der Bevölkerung entwickelte „Digitale Agenda Wien“ nicht nur zu einer hohen Partizipation der Bürgerinnen und Bürger geführt, sondern auch dazu beigetragen, dass das Thema IT stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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