Mister No/Name

VMware versus SAP

Zwei ungleiche Gegner? Werden hier Äpfel mit Birnen verglichen? Nein! Zahlreiche Gespräche in und um Walldorf herum haben mir gezeigt, wie heftig der Kampf um den IT-Stack unterhalb der ERP-Schicht ist. Open Source, hyperkonvergente Technologie und Cloud bringen Disruption.

SAP hat eine inoffizielle Strategie und Vision, die vor über zehn Jahren ihren Ursprung haben. Zwei herausragende Ereignisse sollen hier erwähnt werden, an die sich wahrscheinlich noch viele E-3 Leser erinnern werden – meine Kolumne gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht:

Linux wird neben Microsoft Windows und den Unix-Derivaten eine weitere Betriebssystemplattform für R/3. Und Ex-Technikvorstand Shai Agassi präsentierte in New York City die SAP’sche Middleware NetWeaver.

Aus Linux ist eine breite Open-Source-Bewegung in Walldorf erwachsen und Linux ist das singuläre Betriebssystem für Hana und S/4. Damit gelang SAP ein nachhaltiger Schlag gegen Windows Server und Unix.

Microsoft hat nach den ersten Versuchen mit Windows NT hervorragende Fortschritte bei der Entwicklung eines stabilen Betriebssystems für das Rechenzentrum gemacht. Windows Server ist Enterprise-tauglich.

Zu spät? Zu langsam? Tatsache ist, dass in zukünftigen S/4-Rechenzentren ausschließlich Linux zum Einsatz kommen wird. Das ist kein Sieg der Walldorfer, der viel Umsatz bringt, aber ein überragender, strategischer Sieg.

Wird sich das ähnlich mit Hana gegen IBM DB2, Oracle und Microsoft SQL-Server wiederholen? Wahrscheinlich ja – ähnlich wie NetWeaver über IBM WebSphere triumphierte.

Und die neuen Themen sind am Horizont schon sichtbar: Das Open-Source-Projekt Ceph wird den Storage-Bereich aufwirbeln. Abwartend werden EMC (jetzt Dell) und Net­App reagieren.

Zusammengefasst: SAP hat eine gute Strategie, den IT-Stack komplett zu übernehmen – entweder durch eigene Produkte (NetWeaver, Hana, SolMan) oder durch Partnerschaften mit kleineren Unternehmen (Red Hat, Suse Linux etc.) oder Communitys (Open Source).

Ausnahmen gibt es:

Intel war, ist und bleibt ein wichtiger und mächtiger Verbündeter der Walldorfer. Ähnliches gilt für IBM. Hier ist es naturgemäß ein wenig ambivalent – dort DB2 Blu versus Hana; hier Power on Hana (HoP).

Wir haben nun unsere ersten dedizierten Power-Server für Hana und von der Basis höre ich nur Gutes. Die Performance liegt deutlich über Intel Xeon und somit habe ich meinen Head of CCC beauftragt, eine TCO erstellen zu lassen.

Meine Erfahrung sagt mir, dass IBM hier das Rennen gegen Intel gewinnen wird. Auf unserem globalen SAP-Center-of-Excellence-Kick-off war die Sympathie für HoP eindeutig.

Größter Bremsklotz ist überraschenderweise IBM selbst. Offensichtlich ist sich die Unternehmensführung über die Strategie mit (HoP) oder gegen (DB2 Blu) SAP nicht ganz sicher – zwei Seelen scheinen in der Brust von IBM zu ringen.

Nach dem Befreiungsschlag von den Intel-Servern kam die Konsolidierung ins Stocken. Wenn IBM bei uns im Haus ist, dann hinterlässt es immer ein chaotisches Bild: Viele Köche verderben den Brei!

SAP hingegen weiß momentan genau, was angesagt ist: Alle Macht nach Walldorf und mehr Umsatz über höhere und neue Lizenzen – sowie die Eroberung des gesamten IT-Stacks.

Aber ein erstes Hindernis tut sich bereits auf. Vor einem Jahr existierte noch der kühne Plan, mit Linux und Xen oder KVM eine virtuelle Basislandschaft für die Hana-Plattform zu erbauen – aber VMware gibt nicht klein bei.

Nach Harmonisierung, Konsolidierung, Automatisierung und Virtualisierung hat Letzteres in unseren Rechenzentren eine ganz andere strategische Bedeutung als ERP, CRM, SCM etc. Eine konsistente Virtualisierungs-Architektur betrifft die gesamte IT-Infrastruktur und eben nicht nur den SAP-Teil.

Das Ganze zählt mehr als das Einzelne. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir unsere ganzheitliche VMware-Architektur zugunsten einer von Hana bevorzugten Linux/Xen- oder KVM-Lösung aufgeben.

Hier wird SAP auch in Zukunft den IT-Stack mit einem anderen, mächtigen IT-Anbieter teilen müssen. Und damit wird auch der SolMan noch ein wenig adaptiert.

Die neue SolMan Version 7.2 zeigt deutlich die Strategie und das Erbe von Gerd Oswald.

Ich besuchte zufällig einen internen Basisvortrag in unserem US-Headquarter, weil ein Besuch von Apple Computer ausgefallen ist. Viel verstehe ich mittlerweile nicht mehr von der SAP-Systemadministration, aber den gewachsenen Funktionsumfang von 7.2 und den Wegfall von Anbindungen externer Werkzeuge habe ich interessiert zur Kenntnis genommen.

Dieser SolMan-Relaunch wird auch Thema unseres SAP-Stammtisches sein, weil er nachhaltige betriebswirtschaftliche und strategische Bedeutung hat. Natürlich wird der SolMan im Hoheitsgebiet des jeweiligen CCC-Leiters bleiben, aber Funktionen wie Testen, BPM, Dokumentation etc. werden kombinierte Teams erfordern. Eine bimodale Transformation sollte dann im SolMan-Umfeld vollzogen werden.

Dazu habe ich zwei Werksstudenten mit der Harmonisierung von DevOps und SolMan-Infrastruktur beauftragt. Ich bin zuversichtlich, auch wenn ich eine weitere Abhängigkeit von SAP sehe.

VMware versus SAP wird einen Kompromiss notwendig machen, aber mit dem neuen SolMan erobern die Walldorfer ein weiteres großes Stück vom IT-Kuchen. Wir bleiben wachsam!

 

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