Die Meinung der SAP-Community MAG 1604 Satire: Das Letzte

Das betreute ERP

Das-Letzte-Satire

Nach betreutem Wohnen gibt es jetzt betreutes Fahren – siehe neue Mercedes E-Klasse – und bald wird es ein betreutes ERP aus Walldorf geben. Dann kann SAP endlich die lästigen und aufmüpfigen Bestandskunden bevormunden oder wegrationalisieren.

Betreutes Wohnen ist eine schöne Idee – nicht Fisch, aber auch nicht Fleisch. Man lebt in den eigenen vier Wänden. Im Fall des Falles ist jederzeit Hilfe vorhanden. Das Beste aus zwei Welten – Eigenheim und Hotelservice inklusive medizinischer Notfallversorgung.

Betreutes Fahren, wie es Mercedes mit der neuen E-Klasse präsentiert, erscheint brutaler:

Der Mensch ist für das Autofahren zu dumm und in seiner ganzen Emotionalität auch viel zu gefährlich. Der Computer mit seinen zahlreichen Sensoren ist der bessere Autofahrer. Der klassische Automobilist ist wegrationalisiert!

Zukünftige „Autofahrer“ können zu Hause bleiben und mit der Microsoft Xbox oder Sony PlayStation spielen, während das Auto ungestört, sicher und selbstständig durch die Landschaft fährt.

Ähnliche Überlegungen gibt es nun in Walldorf. Ein ganzheitlicher Ansatz für das betreute ERP wurde bereits dem SAP-Vorstand präsentiert. Dem wie immer gut informierten E-3 Magazin liegt eine beglaubigte Abschrift vor:

Vieles in dem SAP-Konzept für betreutes ERP ist naturgemäß von Mercedes gestohlen, aber es finden sich daneben auch innovative – fast schon disruptive – Ansätze.

Während Mercedes sich beim betreuten Fahren ausschließlich auf die eigene Kernkompetenz – das Auto – konzentriert, denkt man in Walldorf ganzheitlicher.

Zur Grundausstattung des betreuten ERP gehört eine Zwangsjacke „Made in China“. Diese soll auf Dauer verhindern, dass der Anwender unnötige und fehlerhafte Eingaben macht oder in irgendeiner Weise das wertvolle System stört.

Zur Zwangsjacke für die Anwender wünschte sich SAP-Chef Bill McDermott noch eine rosarote Terminator-Brille mit Fiori-Effekt, die jegliche Kritik schon im Ansatz eliminiert – denn Lob für die schöne, bunte Benutzeroberfläche soll natürlich weiter wie von selbst kommen. Zum betreuten ERP gehört eine kabellose Tastatur und Maus.

Beides ohne Batterien, damit auch hier keine störende Interaktion ausgelöst wird. Vorsorglich wurden alle Eingabefelder (Fiori-Design!)eliminiert, wodurch sichergestellt ist, dass die Ausgabe in Echtzeit funktioniert.

Seit den Anomalien rund um die Hana-Datenbank hat das Prestigeobjekt von Professor Hasso Plattner an Beliebtheit eingebüßt. Ohne disruptive Benutzerinteraktion läuft Hana im betreuten ERP-Modus wieder in Echtzeit.

Wichtigstes Instrument wurde jedoch der SolMan. Der SAP Solution Manager Version 7.2 agiert als multimediale Firewall, die sämtliche Störungen von außen im Keim erstickt.

Damit agiert das betreute ERP-System als Black Box und kennt auch keine Fehlermeldungen mehr, was wiederum zur Folge hat, dass ein Support nicht mehr notwendig ist und die jährliche Pflegegebühr zu 100 Prozent als Gewinn verbucht werden kann.

Betreutes ERP schließt natürlich eine Vormundschaft des Bestandskunden durch SAP mit ein, was die Planung hinsichtlich Versions- und Datenbankwechsel enorm erleichtert.

Das Konzept der automatischen Systemvermessung ohne Einspruchsmöglichkeit, der garantierten Überweisung der Pflegegebühr auch ohne Support und die Übertragung der Vormundschaft will SAP nun an Mercedes lizenzieren.

Dann würden nämlich die betreuten Autos in der Garage bleiben und kein schädliches CO2 ausstoßen. Gleichzeitig könnte Mercedes wesentlich besser planen, wann das Auto abzuholen und ein neues in der Garage zu parken ist.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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