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Hana-Busters

2016 xxx
Geschrieben von E-3 Magazin

Meisterhaft hat Professor Hasso Plattner die In-memory-Computing-Technologie belebt und revolutioniert. Die Hana-Datenbank war ein disruptives Ereignis. Die erste Generation der Hana-Busters kam aus Walldorf. Die zweite Generation kommt aus der SAP-Partner-Community.

Mit den Geschäftsführern von Q-Partners, Guido Hoepfner und Matthias Kneissl, sprach E-3 Chefredakteur Peter Färbinger.

Was sind die Herausforderungen für einen Einsatz von Hana und S/4? Was ändert sich beim SolMan, Abap und UI5? Und warum braucht die SAP-Community dringend disruptive Hana-Busters?

Die Ghostbusters sind allgemein bekannt. In Österreich gab es lange Zeit eine wissenschaftliche Kabaretttruppe mit dem Namen Science Busters.

Die SAP-Community hat mit Guido Hoepfner und Matthias Kneissl die Hana-Busters, weil kaum jemand die Technologie besser beherrscht und eine SolMan-, Abap- und S/4-Roadmap für die SAP-Bestandskunden hat.

Meisterhaft ist das Agieren von Q-Partners aufgrund des ganzheitlichen Ansatzes: Beginnend bei der Hana-Architektur bis hin zur App-Entwicklung und Verwaltung durch den neuen SolMan – das Team von Q-Partners kennt alle Tipps und Tricks.

„Q-Partners war eine der ersten SAP-Referenzen im Mittelstand für ERP on Hana“

erklärt Matthias Kneissl nicht ohne Stolz.

„Wir setzen SAP für unsere eigenen internen Prozesse in der Business Suite auf Basis von Hana ein und waren 2013 im Ramp-up. Darüber hinaus sind wir SAP Recognized Expertise im Bereich In-memory Computing und SAP-Datenbanken.“

Und Guido Hoepfner ergänzt im Gespräch mit Chefredakteur Peter Färbinger:

„Wir investieren sehr stark in unsere Mitarbeiter und in Ausbildung. Unsere SAP-Basisberater sind mehrfach zertifiziert – sowohl als Technologen als auch im Bereich OS/DB-Migration und SAP Hana.

Im Applikationsumfeld ist dies ähnlich, bei allen unseren Mitarbeitern streben wir neben dem fachlichen Know-how in den Modulen auch immer eine Zertifizierung als Hana-Consultant an.“

Viel Aufwand und Engagement für die neue SAP-Plattform, aber der Markt und die Analysten geben den beiden Geschäftsführern recht.

Die Analysten der Experton Group haben Ende vergangenes Jahr recherchiert, dass die Umstellung auf oder die Neueinführung von Hana ein breites Spektrum an Lösungen erfordert, angefangen bei der Distribution (Lizenzierungsmodelle) und den Technologien (Hardware, Software, Infrastruktur) über die Services (Strategien, Analysen, Business-Case-Betrachtungen) bis hin zur eigentlichen Transformation (Implementierung, Migration, Integration).

Speziell der Bereich Services mit der Entwicklung kundeneigener Hana-Strategien und der Darlegung des individuellen Nutzens für den Kunden auf Basis von belastbaren Business-Case-Betrachtungen stellt viele Dienstleister vor eine Herausforderung.

Q-Partners kann alles und bietet dies der Community an, auch wenn momentan die Personaldecke sehr dünn ist.

„Die Anzahl der Hana-Spezialisten ist sicherlich aktuell noch etwas dünn gesät“

bestätigt Matthias Kneissl.

„Das liegt aber sicherlich auch daran, dass die Technologie nun erst im Markt ankommt. Wir haben uns schon frühzeitig auf das Thema spezialisiert und neben den klassischen Technologie- und Applikationsthemen sind unsere Berater für die Hana-Themen ausgebildet.

Die größte Herausforderung ist es, dieses Wissen aufgrund der Innovationsgeschwindigkeit aktuell zu halten.“

„Die Historie der SAP-Landschaften bei Endanwendern könnte vielfältiger nicht sein, eine standardisierte Ausgangsbasis existiert nicht. Hier ist es für Anbieter wichtig, den Kunden abzuholen und seine individuelle Situation nicht nur zu erkennen, sondern in der Lage zu sein, darauf zu reagieren“

wissen die Analysten der Experton Group. Der Einsatz von Hana ist mehr als nur ein technisches Upgrade. Die richtige Strategie, die passende Technologieplattform sowie ein klarer Business Case für die Geschäftsprozesse können über Erfolg und Kosten eines Hana-Projektes entscheiden.

„Sowohl im Betrieb als auch im Customizing ist Hana eine andere Technologie und damit komplexer“

erklärt auch Guido Hoepfner.

„Im Betrieb müssen neue Betriebsformen definiert und implementiert werden. Soll die Anwendung tatsächlich von Hana profitieren, so sind auch die kundeneigenen Programme zu berücksichtigen und auf Hana auszurichten. Dies erfordert Umdenken bei den Entwicklern bzw. auch Anpassung der bestehenden Programme.“

Dazu kommt, dass Anwender neben Hana sich auch mit den neuen begleitenden Technologien SAP UI5 und Fiori auseinandersetzen sollen. Auch diese Themen bescheren natürlich neue Komplexität.

Eine Umstellung auf Hana in welches Szenario auch immer ist kein reines IT-Projekt. Um den Mehrwert wirklich ausschöpfen zu können, ist ein Zusammenspiel von Business und IT dringend erforderlich.

Gefragt sind Anbieter, die beides abdecken können, Busi­ness- und Strategieberatung gleichermaßen wie technische Umsetzung. Aber auch Anbieter, die sich auf einzelne Bereiche fokussieren und hier gezielt eine tief gehende Expertise aufbauen, können in Kombination mit anderen Anbietern eine wesentliche Rolle am Markt einnehmen.

„Bei Q-Partners bieten wir den kompletten Hana-Lebenszyklus von Konzeption über Implementierung bis hin zum Betrieb an“

kennt Matthias Kneissl sein Angebot, das genau auf die SAP-Community abgestimmt ist. Meist beginnt das mit einem Lösungsdesign und Architekturkonzept. Hier gilt es die Frage nach der Tailored Datacenter Integration (TDI) oder Appliance, Intel Xeon oder IBM Power, zu betrachten.

Auch diverse Storage-Systeme und Backup-Lösungen müssen verglichen werden. Das Betriebskonzept muss erstellt werden.

„Hier ist oft vom Kunden ein Vergleich Insourcing gegenüber Outsourcing gewünscht“

erklärt Guido Hoepfner und ergänzt:

„Als unabhängiges Beratungshaus ohne einen integrierten Hardwarevertrieb können wir hier den Kunden im Rahmen von Workshops individuell und lösungsorientiert beraten.

Im Rahmen von Total-Cost-of-­Ownership-Kalkulationen – hier betrachten wir meist einen Zeitraum von drei Jahren – können wir die beste Kombination aus Plattform- und Betriebsform ermitteln.

Die Ermittlung findet auf Basis von Preis/Leistung anhand der kundenspezifischen Service Level Agreements statt.“

Business & IT

Mittlerweile ist sowohl den meisten Dienstleistern als auch Anwenderunternehmen klar geworden, dass Hana keine Modeerscheinung, sondern ein ernst zu nehmender Schritt in die Zukunft ist.

Die Ergebnisse des vorliegenden Experton-Benchmarks zeigen deutlich, wie Anbieter im Hana-Markt aufgestellt sind und wohin die Reise geht. Vor allem aber zeigen die ersten abgeschlossenen Projekte, welchen Mehrwert Endkunden tatsächlich erwarten können.

Die Herausforderung für Anbieter liegt vor allem darin, die Brücke zwischen IT und Business zu schlagen. Hana-Projekte sind keine reinen IT-Projekte und schon gar keine technischen Releasewechsel.

„Nur wer den Spagat schafft, IT-Know-how mit Prozess- und Businessdenken zu verknüpfen, wird langfristig erfolgreich am Hana-Markt sein“

so Frank Schmeiler, Projektleiter des Benchmarks und Research-Direktor bei der Experton Group. Matthias Kneissl hat darauf eine Antwort:

„Sind die Konzeptionsfragen geklärt, unterstützen wir den Kunden bei der Installation bzw. Implementierung inklusive Solution Assurance für TDI.

Wir bieten Migrationen auf Hana für alle SAP-Komponenten an und weisen danach entweder den Kunden in den Betrieb ein oder können einen vollen Managed Service anbieten. Damit decken wir den gesamten Produktlebenszyklus durch mehrfach zertifizierte und sehr erfahrene Berater ab.

Meist wünschen sich Kunden hier ein Komplettpaket, das wir natürlich gerne offerieren.“

„Hana bzw. In-memory-Technologie birgt zweifellos diverse Vorteile“

ist Guido Hoepfner überzeugt.

„Massiv gestiegene Performance – nicht nur im OLAP-Bereich – mit merklicher Reduktion der Datenbestände. Durch diese Kombination ergibt sich eine Vielzahl neuer funktionaler Möglichkeiten, bestehende Geschäftsprozesse zu optimieren oder neue zu Geschäftsmodellen abzubilden.“

Und Matthias Kneissl ergänzt:

„Auf technischer Ebene bringt die Technologie auch eine Vielzahl von Vorteilen, die darauf bezogen zu einer besseren Total Cost of Ownership führen als konventionelle Datenbanken:

Die Storage-Belegung wird verringert und damit auch die Backup-Umlaufzeiten. Die Hana-Architektur kann auf verschiedene Arten hochverfügbar ausgelegt werden: synchron, asynchron, preload oder per Failover.“

In Summe hat Hana eine sehr gute Stabilität, weiß man bei Q-Partners, aber sie ist im Vergleich zu traditionellen und lang erprobten Plattformen immer noch recht neu.

„Dies bedeutet, dass ausgiebige Tests in der kundeneigenen Landschaft erforderlich sind“

betont Kneissl.

Wartung & Reifegrad

„Hana ist sehr ausgereift für eine vergleichsweise neue Technologie im Releasestand 1.x“

lobt Matthias Kneissl.

„Dennoch sprechen wir hier von kürzeren Release- und Wartungszyklen und damit verbunden auch von erhöhten Wartungs- und Test­aufwänden – hier sehen wir im Mittel nur neun Monate anstatt bei konventionellen Datenbanken zwölf bis 18 Monate.

Im Vergleich zur von SAP genannten AnyDB haben wir hier einen wesentlich höheren Innovationsgrad. Die Aufwände zur Integration der neuen Funktionen und Features dürfen natürlich nicht vernachlässigt werden.

Neben der reinen Umsetzung muss auch der notwendige Test in der Kundenumgebung berücksichtigt werden.“

Interessant in diesem Zusammenhang eine Erkenntnis von PAC-Analyst Frank Niemann:

„Doch was an Aufwand und an Kosten für Hana-Projekte auf sie zukommt, können die Firmen heute oftmals noch gar nicht beziffern.

Zudem müssen Unternehmen das neue Produkt und unter Umständen auch neue Hardware anschaffen.

Es braucht gute Argumente und überzeugende Business Cases, um diese Investitionen zu rechtfertigen angesichts bereits bestehender SAP-Landschaften in den Unternehmen und der damit anfallenden laufenden Kosten.“

Hana-Busters & S/4

Q-Partners hat im Hana-Umfeld schon diverse Projekte umgesetzt.

„Wir haben sowohl BW on Hana als auch Solution Manager on Hana sowie S/4 Hana implementiert und unterstützen dies auch im Betrieb“

erklärt Guido Hoepfner.

„Bei der Hana Enterprise Cloud und Hana Cloud Platform sind unsere Kunden noch sehr zögerlich. Generell setzen Cloud-Lösungen ein großes Vertrauen des Kunden in Hinblick auf Datenschutz und Datensicherheit voraus. Genau dieses Vertrauen ist in Deutschland bei wenigen Kunden gegeben.“

Und Matthias Kneissl ergänzt:

„Ganz klar sprechen wir hier meist mit Kunden über Hana on-premise. Sicherlich gibt es Lösungen, in denen der Kunde die Systeme im Outsourcing betreiben lässt.

Dies ist ja dann aber noch keine echte Cloud-Lösung, sondern eine Betriebsform, die es schon mehr als zehn Jahre gibt.

Lösungen wie Microsoft Azure können aufgrund des Pay-per-Use-Konzepts große Vorteile in der betriebswirtschaftlichen Kalkulation bieten. Dennoch stellt gerade das Thema Datenschutz und Datensicherheit hier immer die größte Hürde dar.“

Insgesamt betrachten die Bestandskunden S/4 Hana heute eher als einen Weg zu besseren SAP-Anwendungen. Das mögliche Innovationspotenzial in Richtung neue Prozesse und Geschäftsmodelle ist ihnen dabei nicht präsent, hat Analyst Frank Niemann recherchiert.

Und noch eine Analyse zum S/4-Hana-Markt gibt es von PAC: Während viele Firmen überzeugt sind, der SAP-Produktstrategie früher oder später folgen zu müssen, sehen andere bereits klare Vorteile und Innovationspotenziale, die sich ihnen mit S/4 Hana bieten. Sie erhoffen sich, einige der heutigen Herausforderungen im Zusammenhang mit SAP-Umgebungen besser bewältigen zu können.

Weniger häufig wird der Einsatz von S/4 Hana getrieben von dem Willen, Geschäftsprozesse zu transformieren und neue Geschäftsmodelle rund um Big Data, Internet of Things bzw. Industrie 4.0 zu entwerfen.


Ressourcen & Deadline

In der Vergangenheit gab es in der SAP-Community einen Stau beim Releasewechsel von R/3 auf ECC 6.0 – unter anderem weil es zu wenig Berater und Ressourcen der SAP-Partner gab. Kann sich Ähnliches für S/4 wiederholen und ist die Deadline 2025 zu schaffen?

„Die Deadline ist sicherlich eine große Herausforderung für SAP-Kunden“

meint Guido Hoepfner.

„Insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich technologisch in Richtung Hana sehr viel ändert. Hier ist auf eine gute Planung der Infrastruktur zu achten und auf ein sicher herausforderndes SAP-Basisprojekt.

Im Applikationsumfeld liegen die Herausforderungen sicherlich noch eine Messlatte höher. Die Technologie- und Programmierumgebung ist das, was man wohl einen Disruptive Change nennen dürfte. Wir schwenken auf eine objektorientierte Sichtweise, HTML5, ein serviceorientiertes Programmiermodell sowie neue Datenstrukturen.

Allein die Tatsache, dass sich die Oberfläche ändert in Richtung HTML5 und Fiori und auch die Datenstrukturen sich ändern, ist für die IT-Abteilungen und auch gestandene Abap-Programmierer vieles neu zu erlernen und zu erfahren.“

Und Analyst Frank Niemann bestätigt in seiner Hana-S/4-Studie:

„Somit muss es den Firmen gelingen, die Bewältigung der bestehenden Herausforderungen, die Optimierung der SAP-Umgebungen und Innovationen rund um ihre digitale Agenda unter einen Hut zu bringen – alles andere als eine leichte Aufgabe.“


Fazit & Zukunft

Die Hana-Busters haben ein ganzheitliches Konzept, das SolMan, Abap, S/4 und eben Hana umfasst.

„Das Upgrade des SAP Solution Managers von 7.1 auf 7.2 ist ja schon durch das Wartungsende am 31. Dezember 2017 für IT-Verantwortliche als Hausaufgabe zu erledigen“

erklärt Matthias Kneissl – unter anderem der monatliche SolMan-Kolumnist des E-3 Magazins. Wie bei S/4 kommt auch schon beim neuen Solution Manager konsequenterweise SAP UI5 als Oberflächentechnologie zum Einsatz.

„Kunden, die bislang den Solution Manager nur zum Herunterladen der Wartungsvorgänge nutzen, haben natürlich keine größeren Hürden zu überwinden und können gegebenenfalls sogar eine Neuinstallation durchführen.

Für Kunden, die diverse Szenarien im Einsatz haben – siehe meine Kolumne –, ist das natürlich eine größere Herausforderung“

warnt Kneissl.

„Hier müssen die Szenarien im neuen Release getestet, gegebenenfalls neu customized und an die Endanwender transportiert werden.

Durch die neue Oberflächentechnologie sind sicherlich auch Schulungen relevant. Allein aus diesem Grund ist das Upgrade durchaus ernst zu nehmen und zu planen.“

Sein Kollege Guido Hoepfner ergänzt den Ausblick in die Zukunft:

„Jeder Kunde, der sich mit dem Gedanken trägt, die Infrastruktur neu zu beschaffen, sollte auch das Hana-Thema berücksichtigen.

Allein schon durch S/4 ist Hana der konsequente und richtige Weg. Eine gute und abgestimmte Planung ist hierbei jedoch relevant.“

Weiter meint man naturgemäß bei Q-Partners, dass eine Beschäftigung mit den neuen Themen (SAP UI5, HTML bzw. Fiori) ebenfalls frühzeitig erfolgen sollte.

Schließlich gilt es einiges an Know-how aufzubauen. Darüber hinaus sollten insbesondere größere und neue Entwicklungsvorhaben gegen die neuen Technologien SAP NetWeaver Gateway bzw. SAP UI5 abgeglichen werden, um technologisch auf das richtige Pferd zu setzen.

„Die Planung einer Infrastruktur für Hanas ist nicht zu unterschätzen und sollte auch rechtzeitig angegangen werden“

betonen beide Hana-Busters-Geschäftsführer zum Abschluss des E-3 Gesprächs.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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