Die Meinung der SAP-Community Lünendonk - Kolumne MAG 1603

Wer ist der Chief Digital Officer?

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Zu Beginn gleich meine Antwort: Nein, den einzig wahren Chief Digital Officer gibt es nicht und wird es auch, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, wahrscheinlich nicht geben. Und das ist auch gut so.

Auch wenn derzeit viel vom Chief Digital Officer (CDO) die Rede ist, wenn es um Erfolgskriterien für die Digitalisierung geht, ist es ratsam, die Zuständigkeiten für die digitale Transformation unbedingt auf mehrere Schultern zu verteilen.

Eine zentrale Rolle muss dabei der CIO spielen, der bedauerlicherweise in der öffentlichen Wahrnehmung immer stärker hinter den nebulösen CDO geschoben wird.

Fakt ist, dass für die enormen Umwälzungen alle Fachbereiche und Führungskräfte für Digitalisierungsinitiativen in ihrem Bereich verantwortlich sind. Die derzeit stattfindende Phase der Digitalisierung ist die langfristig angelegte Transformation des gesamten Unternehmens und bildet die Grundlage künftiger Wertschöpfung.

Digitalisierung betrifft daher alle Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen, weshalb es pro Unternehmensbereich einen CDO geben sollte. Dies wäre für die Beantwortung der Eingangsfrage der kleinste gemeinsame Nenner.

Immerhin wurde im ersten industriellen Zeitalter des 19. Jahrhunderts ja auch nicht die Stelle des Chief Electricity Officers geschaffen, bloß weil auf einmal vieles auf Elektrotechnik basiert.

Allen Fachbereichen und dem Topmanagement muss bewusst sein, dass diese Projekte im Rahmen der Einführung digitaler Technologien massive Anpassung an den IT-Prozessen und einen enormen Integrationsaufwand nach sich ziehen.

Dies gilt aber auch umgekehrt für den CIO, der die Fachbereiche bei ihren Digitalisierungsvorhaben unterstützen muss, damit Wettbewerbsvorteile für das Gesamtunternehmen geschaffen werden können.

Je nach Reifegrad bei der Digitalisierung müssen Unternehmen ihr Application-Management so umbauen, dass digitale Lösungen in das IT-Backend (ERP, CRM etc.) nahtlos integriert werden können. Dabei kommt den CIOs die Aufgabe zu, die Prozesse und IT-Strukturen auf die Nutzung digitaler Technologien wie Big Data Analytics, Mobile, Omni Channel oder Software as a Service hin zu modernisieren.

Daher investieren CIOs sehr stark in Themen wie Virtualisierung, Standardisierung und Konsolidierung der IT-Strukturen oder auch in die Modernisierung der Alt-Softwarebestände.

In vielen Unternehmen interpretieren daher auch die CIOs ihre Rolle als Chief Digital Officer, häufig auch als Chief Transformation Officer. Aus CIO-Perspektive muss das auch der Anspruch sein – jedoch gilt dies nur für die Transformationsphase einer Digitalisierungsstrategie.

An dieser Stelle soll auch eine Lanze für den CIO gebrochen werden, dem viel zu oft die Kompetenz bei der Digitalisierung abgesprochen wird. So weit die Technologieperspektive.

Die Neuausrichtung von Unternehmen auf den digitalen Wandel und die Nutzung von digitalen Technologien zur Verbesserung der Unternehmensperformance und des Markterfolgs ist Aufgabe der Fachbereiche beziehungsweise des Topmanagements.

Von ihnen wird erwartet, dass sie neue Geschäftsmodelle entwickeln, neue Produkt- und Service-Innovationen planen und die Kundenkommunikation durch den integrierten Einsatz von mobilen Endgeräten, Webseiten und klassischen Vertriebswegen verbessern.

Dazu müssen sie die aktuellen Technologieentwicklungen inhaltlich nachvollziehen können, um Strategien anzupassen. Analog zur Transformation in der IT muss sich auch das Business einem Veränderungsprozess unterziehen und auf neue Kundenanforderungen zügig reagieren.

Beide Transformationsperspektiven könnten unterschiedlicher nicht sein und erfordern verschiedene Ansätze. Diese Gesamttransformation durch einen zentralen CDO wäre verantwortungslos und nicht umsetzbar.

Richtig ist, dass es eine zentrale Koordinierungsfunktion benötigt, die alle Digitalisierungsstrategien und -projekte steuert und inhaltlich sowie zeitlich aufeinander abstimmt. Richtig ist aber auch, dass einige Unternehmen sich ein Alibi suchen, indem sie einen CDO benennen, um zumindest irgendetwas getan zu haben und von notwendigen strategischen und organisatorischen Veränderungen abzulenken.

Der digitale Wandel kann einem Unternehmen nur gelingen, wenn die fachbereichs- und technologieübergreifende Integration gelingt. Dafür sind vollständige Transparenz über alle laufenden und geplanten Digitalisierungsprojekte und die Steuerung dieser Maßnahmen der wichtigere Erfolgsbaustein als ein bloßer Titel.

Aber wenn es unbedingt eines Titels und eines zentralen Verantwortlichen bedarf, dann sollte dieser entweder Chief Information Officer oder Chief Transformation Officer heißen.

Über den Autor

Mario Zillmann, Lünendonk

Angestellt als Senior Consultant bei der Lünendonk GmbH

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